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04. August 2015

Atomwaffen: Atombomben weiterhin eine Gefahr

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Eine mobile Startrampe für die atomwaffenfähige Interkontinentalrakete Topol-M wird bei einer Militärparade in Russland präsentiert (Archivfoto).  Foto: dpa

Ulrich Gottstein setzt sich seit den 80er-Jahren für eine Ächtung von Atomwaffen ein. Die Gefahr, dass Atomwaffen zum Einsatz kommen sei weiterhin groß, wie man zum Beispiel daran sieht, dass Wladimir Putin mit Ausbruch der Ukraine-Krise Atomraketen auf der Krim stationieren wollte.

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Herr Gottstein, am Donnerstag wird auf dem Römerberg des 70. Jahrestages der Bombardierung von Hiroshima und Nagasaki mit Atombomben durch die USA gedacht. Warum ist Ihnen persönlich dieses Gedenken wichtig?
Das ist deswegen so wichtig, weil man sich eines solchen Jahrestages nicht nur erinnern darf, sondern man daraus auch die richtigen Konsequenzen ziehen muss. Wir müssen weiterhin davor warnen, dass es wieder zu einem Einsatz von Atomwaffen kommen kann. Denn die Gefahr besteht.

Die Angst vor einem Atomkrieg war in den 80er-Jahren allgegenwärtig. Heute ist sie kaum noch Thema, obwohl die Atombomben weiter existieren. Wie erklären Sie sich das?
Ich glaube, es liegt daran, dass die Menschen sich daran gewöhnt haben. Wenn ständig ein Damoklesschwert über einem hängt, verdrängt man das. In den 80er-Jahren waren die Gefahren für die Deutschen natürlich auch klarer zu erkennen, denn wir wussten ja, dass es Hunderte von Atomwaffen an der deutsch-deutschen Grenze gibt.

Inzwischen ist der Kalte Krieg beendet, aber die Atomwaffen bestehen weiter. Wie schätzen Sie heute die Gefahr eines Einsatzes dieser Waffen ein?
Die Gefahr ist groß, wie man zum Beispiel daran sieht, dass Wladimir Putin mit Ausbruch der Ukraine-Krise Atomraketen auf der Krim stationieren wollte. Und dass die Amerikaner modernisierte Atomwaffen wieder nach Europa bringen und an der Grenze zum Baltikum Trägereinrichtungen installieren wollen. Außerdem lehnt die Nato es ab, die 20 bis 25 Atomraketen, die in Büchel in Rheinland-Pfalz gelagert werden, fortzubringen – obwohl der Bundestag das vor fünf Jahren nahezu einstimmig beschlossen hat. Man darf nicht vergessen, dass Atomwaffen auch durch technische oder menschliche Fehler eingesetzt werden könnten.

Kundgebung und Vortrag

Am Donnerstag, 6. August, ruft die Friedens- und Zukunftswerkstatt zu einer Kundgebung zum Gedenken an die Opfer von Hiroshima und Nagasaki auf. Sie beginnt um 17 Uhr am Römerberg, Ulrich Gottstein von den Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) hält eine Rede.

Im Anschluss hält Götz Neuneck vom Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg (IFSH) einen Vortrag zum Thema „Auf dem Weg in eine Welt ohne Atomwaffen – oder in den Abgrund“. Der Vortrag beginnt um 19.30 Uhr im Haus am Dom. han

1982 haben sie die deutsche Sektion der IPPNW, der „Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges“, mitgegründet. Was hat Ihre Organisation erreicht?
Wir haben sicher das allgemeine Bewusstsein geschärft, welche Gefahren durch einen möglichen Atomkrieg entstehen. Damals hat man noch gedacht, Atomwaffen wären nur schlimmere Bomben. Dass sie aber Tausende Menschen schlagartig töten und sie durch die radioaktive Strahlung noch Jahre später sterben lassen können, das haben die Menschen erst nach und nach erfahren.

Sie streiten seit damals für eine Abschaffung von Nuklearwaffen. Haben sich Ihre Forderungen seitdem verändert?
Die Forderungen haben sich nicht verändert, aber wir waren nicht erfolgreich genug. Zwar hat die Zahl der weltweiten Atomwaffen von 50 000 auf etwa 15 000 abgenommen, aber dennoch reichen sie weiterhin aus, um die Erde zu zerstören. Deshalb arbeiten wir jetzt an einer weltweiten Protestbewegung der Zivilgesellschaft: Atomwaffen müssen geächtet und verboten werden! So könnte es gelingen, ein Verbot zu erreichen.

In Ihrer Rede für Donnerstag heißt es, es werde Zeit, „dass die Menschheit vernünftig wird“. Wie wahrscheinlich ist das?
Das ist wie in einer Schule. Schüler werden nur dann vernünftig, wenn sie von Eltern und Lehrern aufgeklärt werden. Genauso müssen die Menschen über die Gefahren der Atomwaffen aufgeklärt werden. Die Chancen sind wie immer nicht riesig, aber sie sind da. Und wir müssen sie nutzen.

Interview: Hanning Voigts

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