Einen wunderschönen guten Morgen im Zoo. Wir wollen uns heute die nach einem Jahr nun fertig gewordenen Außenanlagen des Borgori-Waldes ansehen und freuen uns auf Bonobos, Orang-Utans und Gorillas in nahezu Atemduftnähe. Dann los.
10 Uhr und Werner Mühlbergs Kiosk ist noch nicht offen? Vielleicht liegt’s am Wetter, bei Sonnenschein lümmeln sich längst Plastik-Schlangen, hangeln sich Plüsch-Äffchen am Laden entlang. Gehangelt wird trotzdem, ein paar Meter weiter bei den Gibbons, und frag nicht nach Sonnenschein. „In den Seilen hängen“ bekommt hier eine ganz neue energetisch mobile Bedeutung. Wie die rasen, ja fliegen, kurz hängenbleiben, gucken und weiterstürmen. Man wird ganz atemlos. Dazu wird im Sopran gebellt, ein Gesang, als käme er vom Band. Dann, schwups, verschwinden die zwei Beaus auf dem Boden und zischen ab durch eine Klappe, um – zack – auf der anderen Seite übers Wasser zu wandeln. Per Seil geht es auf die kleinen Inseln im Weiher. Größtmögliche Gibbon-Freiheit mitten in Frankfurt. 2009 wurde das Gehege fertig, finanziert über Spenden und Paten.
Der Borgori-Wald samt Außenanlage ist für 14,5 Millionen Euro in öffentlich-privater Partnerschaft mit der Avicenna/Hannover Leasing entstanden, nach 20 Jahren gehört er der Stadt Frankfurt. Zur weiteren Modernisierung des Zoos hat die Stadt 30 Millionen Euro für die nächsten 15 Jahre bereitgestellt. Baubeginn ist 2011, Ende dieses Jahres wird der Eingangsbereichs samt Bärenanlage bereits abgerissen. Der Neubau beider Bereiche soll in 18 Monaten fertig sein.
Die Erdmännchen bekommen vielleicht schon im September ein schöneres Gehege bei den Affenanlagen, was allein über Patenschaften finanziert werden kann, für den Neubau des Pinguinhauses indes freut sich der Zoo über Spenden, der Neubau des Grzimekhauses wird noch dauern. (ave)
Website Zoo Frankfurt.
Forsches Faultier
Am Grzimekhaus erklärt wie seit – naja, fast Urzeiten die vertraute Männerstimme, dass es im Nachttierhaus wegen der Nachttiere dunkel ist und sich das menschliche Auge erst langsam daran gewöhnt. Das Zweifinger-Faultier ein Stückchen weiter ist heute ganz schön kregel – für seine Verhältnisse. Kopfüber bewegt es sich diskret etwa 50 Zentimeter nach rechts. „Fast zu schnell für meine Kamera“, feixt ein Mann. Noch ein paar Meter geht es nach rechts zum Borgori-Wald.
Wie ein riesiger Klettergarten für Menschen sieht die 5500 Quadratmeter große Außenanlage aus. Allenthalben gibt es Nischen für Einblicke, als wäre man quasi auf Augenhöhe mit den, äh, Vorfahren. An anderen Stellen ist der Blick völlig frei von Glas, einfach so, in Büsche, Bäume, Gehölz. Fast ganz herum führt ein Wassergraben. Wassergraben? Ist in den 60ern in Frankfurt nicht mal ein Gorilla im Graben ertrunken? „Wir haben Holzgerüste mit Seilnetzen reingelegt, selbst wenn ein Gorilla mal reinfallen sollte, hat er sofort Halt“, sagt Zoodirektor Manfred Niekisch. Gorillas planschen nämlich mal ganz gerne, wie Niekisch sagt. „Bei den Bonobos haben wir den Graben nicht so tief gemacht, die können aber auch ganz gut mit Wasser umgehen.“ Die Orangs dagegen kennen Wasser gar nicht, „ihr Fell würde sich auch viel zu schnell vollsaugen“. Der Wassergraben schützt die Menschen, gefährdet die Tiere aber nicht. Apropos. Wo sind die?
Kein Mensch da, hätte man fast gesagt. Aber auch kein Menschenaffe, kein Gorilla, nirgends. „Die kommen bei besserem Wetter, Viatu mussten wir auch erstmal ans Draußen gewöhnen“, sagt Niekisch. „Er hatte ja noch nie Gras unter den Füßen gespürt, nie einen Schmetterling gesehen.“ Gelockt wird mit Futter, regelrecht trainiert, auch bei den anderen, damit sie abends wieder reingehen. Die Gorillas teilen sich ihr Außengehege mit Drills und Guerezas.
Bonobos turnen drinnen
Bei den Bonobos ist auch keiner zuhause. Über ihr Gehege spannt sich ein riesiges Stahlnetz; zur Sicherheit von Tieren und Menschen, aber auch als zusätzliches Klettergerüst. 1640 Quadratmeter Netz, mit einem Gewicht von 2500 Kilo, meine Herren. „Die Bonobos sind gleich raus, als wir die Anlage geöffnet haben und wie in matriarchalischen Gesellschaften üblich, haben die Damen erstmal Ludwig vorgeschickt.“ Der brave alte Bonobomann. Heute turnen sie drinnen. Ja was ist denn eigentlich los? „Der Zaun ist kaputt“, weiß Zootierärztin Nicole Schauerte, die gerade vorbeikommt. „Das ist Pech. Aber die Sicherheit geht vor.“ Dafür hat der Mensch Verständnis. Die Orang-Utans allerdings sind selber schuld, dass sie zurzeit nicht rauskönnen. „Die haben beim ersten Mal genau zwei Stunden gebraucht, um eine Metallblende abzumontieren und die Hydraulik eines Schiebers zu zerlegen. Die sind unheimlich kreativ“, sagt Niekisch. Findet auch Nicole Schauerte: „Die Orangs sind am besten, morgens schleppen sie immer irgendwelche Schrauben an, zum Tauschen. Keine Ahnung, wo die die finden.“ Dass sie nichts damit anfangen könnten, wüssten sie, „aber vielleicht bekommt man ja lecker Futter dafür“.
Von Ferne bellt ein Gibbon im Sopran. Und fliegt auf seine Insel.

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