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10. Januar 2016

Ausstellung: Hauptsache gegen Hitler

 Von Kathrin Rosendorff
Gabriele Prein vom Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-1945 hat die Ausstellung mitorganisiert.  Foto: Andreas Arnold

Eine Ausstellung zeigt Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Widerstand begann bereits mit der Weigerung, den Hitlergruß darzubieten.

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Mit Freunden klebt Gerda Pohorylle Anti-Hitler-Plakate an Hauswände. Dafür wird die junge Frau verhaftet. Vor Gericht spielt die Tochter einer aus Galizien eingewanderten jüdischen Familie das unbedarfte junge Mädchen vor und kommt nur so frei. Sie flieht von Stuttgart nach Paris. Dort weiß sie zunächst nicht, was sie tun soll.

„Die Franzosen waren von den vielen deutschen Flüchtlingen wenig begeistert. Es gab kaum Arbeit und Gerda lag mit einer Freundin, weil die Heizung nicht ging, unter vielen Decken frierend tagelang im Bett. Aber sie wusste, dass es so nicht weitergehen konnte. Sie war die erste Frau, die in der Kampfzone im Spanischen Bürgerkrieg fotografierte“, erzählt Gabriele Prein vom Frankfurter Verein Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-1945.

Sie steht vor dem Plakat der filmstarschönen Frau mit den dunklen, kurzen Haaren. „Sie ist eine der 18 Frauen, deren Biografien wir in der Zentralbibliothek präsentieren“, so Prein. Die Ausstellungseröffnung von „Nichts war vergeblich. Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus“ ist am Dienstagabend eröffnet worden. „Das ist unsere dritte Ausstellung zu dem Thema. Die letzte war in den 90ern“, sagt Prein. Seitdem seien noch viel mehr Fakten recherchiert worden.

„Wir wollen an die vergessenen Frauen des Widerstands erinnern.“ Der fiel bei den gezeigten Frauen aus ganz Deutschland sehr unterschiedlich aus. „Schon allein sich zu weigern, den Hitlergruß aufzuzeigen, galt als Straftat“, so Prein. Der Verein will alles zeigen: Den persönlichen bis hin zum organisierten politischen Widerstand.

Im September 1934 lernt Gerda Pohorylle den jungen ungarischen Fotografen André Friedman kennen und lieben. Sie geben sich neue Namen: Gerda Taro und Robert Capa. Beide gehen zusammen als Fotografen in den Spanischen Bürgerkrieg. Sie wird während eines Angriffs nahe Madrid von einem Panzer überrollt und stirbt mit nur 27 Jahren an ihren Verletzungen. Er wird als wagemutiger Kriegsfotograf weltberühmt, aber auch ihre Bilder waren ein ganz klares Zeichen gegen Hitler und Franco. „Obwohl er verzweifelt war, als sie starb, hat er ihre Arbeit unterschlagen. Das kam erst Jahre später raus, als Koffer mit ihren Kriegsfotografien gefunden wurden.“

Die Bandbreite der Biografien reicht vom persönlichen bis zum organisierten Widerstand.  Foto: Andreas Arnold

Auf der Bilderwand über Lore Wolf aus Frankfurt ist zu lesen: „Getarnt als viel beschäftigte Sekretärin tippte sie als Mitglied der verbotenen KPD Schriften gegen das Regime: „Zu Tausenden gingen die Flugblätter an die Bevölkerung, in den wir zum Widerstand gegen Hitler und seine Clique aufriefen.“ Sie wird durch einen Spitzel verraten, flieht zunächst ins Saarland, dann mit ihrer Tochter nach Paris und wird da 1940 von der Gestapo verhaftet. 1945 kehrt sie aus dem KZ Fuhlsbüttel nach Frankfurt zurück. Sie wurde Zeitzeugin und schrieb die Autobiografie „Ein Leben ist viel zu wenig“. 1996 stirbt sie in Frankfurt.

Ein viel zu kurzes Leben hat die Offenbacherin Gretel Maraldo. „Gretel wird keine 22 Jahre alt – es fehlen vier Tage.“ Drei Tage nachdem sie am 24. März 1945 von der Gestapo auf der Flucht erschossen wird, befreien US-amerikanische Soldaten Bensheim. Schon mit 21 Jahren war sie Teil der Offenbacher Schlangenbande, die „keine Lust haben auf den verordneten NS-Drill, kurze Haare und Marschmusik“. Als Gretel im Bensheimer Gestapogefängnis ihre langen blonden Haare geschoren werden, sagt sie: „Ich kriege den Kopf sowieso ab, da sollen meine Haare nicht kaputtgehen.“ Ihr Sohn Tito lebt noch heute in Offenbach.

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