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Holocaust: Authentischer Ort

Drei Entwürfe für eine Erinnerungsstätte an die Deportation Frankfurter Juden liegen vor: Die beteiligten Architekten zeichnen das alltägliche Bild einer braunen Stadt nach.

Kubus-Entwurf des Büros Looc für das Mahnmal.
Kubus-Entwurf des Büros Looc für das Mahnmal.
Foto: Stadtplanungsamt

Ganz behutsam, berichtet Cyrus Zahiri, habe sein Büro sich an die Recherchen gemacht, den Alltag der Opfer rekonstruiert, um ihren Weg in die Entrechtlichung und dann in den Tod nachzeichnen zu können. Danach, setzt der Architekt hinzu, könne man nur zu dem Schluss kommen: Die Deportationen Frankfurter Juden, die für mehr als 10000 Menschen von der Großmarkthalle aus zu den Orten der Vernichtung in Majdanek, Theresienstadt und Auschwitz führten, gehörte zum Alltag der Stadt. Deswegen sei es seinem Büro auch darum gegangen, für eine Erinnerungsstätte in der Nähe der Künftigen Europäischen Zentralbank im Ostend „die Alltäglichkeit des Orts“ herauszustellen, also das Authentische des Ortes zu betonen.

Der Entwurf, der bei den Überlegungen seines Büros herausgekommen ist, gehört zu den drei Varianten, die das Preisgericht des entsprechenden Wettbewerbs für eine weitere Überarbeitung ausgewählt hat. Die Konkurrenz begann mit 139 Arbeiten, die sich im vergangenen Jahr daran machten, eine Erinnerungsstätte zwischen dem Neubau der Bank und dem Main zu planen.

Die Zentralbank nutzt die Großmarkthalle künftig für Tagungen und über einen integrierten Querbau als Entree, über das der Neubau gleich neben dem Gebäude aus den 20er Jahren zu erreichen ist. In Kellerräumen der Großmarkthalle hatten die Nationalsozialisten Juden zusammen getrieben, um sie von dort aus in den Tod zu deportieren.

In Erinnerung daran plant die Stadt in Abstimmung mit den Währungshütern wie mit der Jüdischen Gemeinde, in direkter Nachbarschaft eine Erinnerungsstätte zu schaffen. Nach der Bewertung von 139 Entwürfe baten die Juroren des anonym betriebenen Wettbewerbs 20 Einsender, um Überarbeitungen. Unter ihnen bestimmten die Preisrichter drei Entwürfe, denen sie gleichberechtigt zweite Preise zugestanden. Womit allerdings die seit Freitag im Atrium des Stadtplanungsamtes ausgestellten Arbeiten alles andere als erledigt sind. Wenn sie die Architekten jetzt ein weiteres Mal daran machen, ihre Vorstellungen zu verfeinern, sollen sie auch berücksichtigen, was die Besucher der Ausstellung finden: Diesen anstehenden Dialog möchte Kulturdezernent Felix Semmelroth gerne zu einem „Teil der Erinnerungskultur machen und die Entscheidung für die richtige Lösung reifen lassen“. Insofern, so zumindest sieht es Raphael Gross, der Direktor des Jüdischen Museums, sei das Nachdenken über eine angemessene Erinnerungsstätte „eine Herausforderung an die Gestalter wie auch an die ganze Stadt“.

Neben dem Entwurf aus dem Büro von Cyrus Zahiri wählte die Jury auch eine Arbeit des Kölner Büros Katzkaiser und eine Studie der Frankfurter Architekten Looc aus. Auch die Kölner orientieren sich an dem Authentischen des Ortes und richten eine Rampe ein, die Besucher allmählich in den Sammelkeller führt. Die hohen Seitenwände, die diesen Zugang säumen, machen den Weg zu einem Schlund. Dagegen bauen die Frankfurter in Form eines Kubus den Kellerraum oberirdisch nach.

Für Planungsdezernent Edwin Schwarz „repräsentieren die drei Arbeiten jede auf ihre Art eine überzeugende Lösung der Wettbewerbsaufgabe“. Noch aber sei die Ausstellung diverser Entwürfe aus der zweiten Phase der Konkurrenz nichts anderes als ein Werkstattbericht, der noch bis zum 28. September zu sehen ist und dazu dienen soll, eine Debatte in Gang zu setzen: Darüber, was die Frankfurter für eine angemessene Erinnerung halten. An einen Ort der Täter. Von dort aus stellten die Nationalsozialisten von 1940 an die Weichen in die Vernichtung.

Erinnerungsstätte an der Großmarkthalle – Dokumentation des Wettbewerbs, Ausstellung im Atrium des Stadtplanungsamts, Kurt-Schumacher-Straße 10, bis 28. September

Autor:  Matthias Arning
Datum:  3 | 9 | 2010
Kommentare:  7
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