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16. Januar 2013

Bahnhofsviertel: Die Drogenszene konzentrieren

 Von Lukas Gedziorowski
Die FDP sieht in den Druckräumen ein Problem... Foto: peter-juelich.com

Drei Druckräume gibt es im Bahnhofsviertel. Zwei zuviel, findet die FDP im zuständigen Ortsbeirat 1. Sie will die Drogenkonsumräume zusammenlegen, damit es im Viertel zu weniger Konflikten kommt. Profis der Hilfeorganisationen wundern sich über den Vorstoß.

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Drei Druckräume gibt es im Bahnhofsviertel. Zwei zuviel, findet die FDP im zuständigen Ortsbeirat 1. Sie will die Drogenkonsumräume zusammenlegen, damit es im Viertel zu weniger Konflikten kommt. Profis der Hilfeorganisationen wundern sich über den Vorstoß.

Fast ein Jahr ist es her, seit sich 48 Bewohner des Bahnhofsviertels in einem offenen Brief an die Stadt über die Drogenszene beschwert haben. Unerträglich sei der Drogenkonsum geworden, hieß es darin; die Rede war von Verfolgung, Überfällen und Gewalt durch Abhängige. Die Stadt gelobte Besserung durch mehr Polizeieinsatz. Mittlerweile ist es um das Thema ruhiger geworden.

Nun macht die FDP im Ortsbeirat 1 erneut auf Konflikte zwischen Anwohnern des Viertels und Drogenabhängigen aufmerksam. Weil sich Letztere an den wenigen Orten im Bahnhofsviertel konzentrierten, vor allem vor den Drogenkonsumräumen und am Kaisersack, schlägt die FDP in einem Antrag vor, die drei Drogenkonsumräume in Nidda- und Elbestraße sowie in der Mainzer Landstraße zusammenzulegen. Der Magistrat solle prüfen, ob sich durch eine zentrale städtische Anlaufstelle Belastungen für Anwohner vermindern ließen und ob dadurch Hilfsdienste und Betreuung der Drogenkranken verbessert werden könnten.

Missverstandene Aids-Hilfe

Nach Aussagen von Ortsbeiratsmitglied Konstantinos Holzer (FDP) ist der Antrag Resultat eines Gespräches einiger Mitglieder der FDP-Ortsgemeinschaft 1 mit Jürgen Klee, Fachbereichsleiter Drogen bei der Aids-Hilfe Frankfurt. Diese betreibt die Einrichtung La Strada in der Mainzer Landstraße. Doch auf Nachfrage der FR nennt sich Klee „überrascht“ von dem Vorstoß und spricht von einem „Missverständnis“. Er sei froh, dass es mehrere Einrichtungen gebe; mit nur einer wäre man überfordert: „Keine Einrichtung ist entbehrlich.“

Das Problem liege woanders. „Es gibt kaum einen Szeneplatz“, sagt der Fachbereichsleiter. „Im Bahnhofsviertel gibt es wenige Nischen und nur wenige Orte, wo sich Abhängige aufhalten können, außer in der Öffentlichkeit.“ Klee fordert daher einen Ort, wo der Kleinhandel mit Drogen organisiert und unter besseren Bedingungen stattfinden könne. Doch da jeder, der einen Raum dafür zur Verfügung stelle, sich strafbar mache, müssten die Politiker die gesetzlichen Möglichkeiten für eine solche Einrichtung schaffen.

"Zehn Jahre zu früh"

„Eine Zusammenlegung ist momentan unmöglich“, sagt Klee. „Der Antrag der FDP kommt zehn Jahre zu früh.“ Er rechnet damit, dass sich die Szene bis dahin verkleinern wird, weil es immer weniger junge Konsumenten gebe. Bis dahin sei „keine Einrichtung entbehrlich“.

Auch Wolfgang Barth vom Drogennotdienst in der Elbestraße sieht den Antrag der FDP skeptisch. „Das wäre zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorstellbar und kontraproduktiv“, sagt er. „Durch ein dezentrales Angebot lässt sich die Konzentration an einem Ort vermeiden.“ Es sei notwendig, die Hilfe in dieser Form zu erhalten.

Wenige Beschwerden

Barth berichtet, es gebe nur wenige Beschwerden und die Zusammenarbeit mit der Polizei funktioniere hervorragend. Sollten sich doch einmal mehrere Abhängige vor der Tür der Einrichtung sammeln, forderten die Mitarbeiter diese auf, reinzukommen oder sich wieder zu verteilen. Wenn das nicht klappe, interveniere die Polizei. Im vergangenen Jahr habe sich die Präsenz der Beamten im Stadtteil noch verstärkt.

Dem Institut für Suchtforschung der Fachhochschule Frankfurt zufolge fanden im Jahr 2011 in Frankfurter Drogenkonsumräumen 213361 Konsumvorgänge statt. Registriert wurden 4714 Einzelpersonen. Täglich werden die Räume fast 600 Mal genutzt.

Der Ortsbeirat 1 tagt am Dienstag, 22. Januar, in der Mensa der Paul-Hindemith-Schule, Schwalbacher Straße 71-77. Beginn ist um 19 Uhr.

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