Der Anführer der Occupy-Bewegung Frankfurt, Wolfram Siener, hat sich nach einer Morddrohung gegen seine Familie von der Spitze der Protestbewegung zurückgezogen.
Proteste in Frankfurt
Foto: Verena Hölzl
Proteste in Frankfurt
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Er brillierte in einer Talkshow, bei den Protesten am Wochenende in Frankfurt wurde er gefeiert wie ein Held: Mit dem 20-jährigen Wolfram Siener hatte die deutsche Occupy-Bewegung binnen weniger Tage eine charismatische Führungsfigur gefunden. Doch nun zieht Siener sich zurück. Der Grund ist offenbar eine Drohung gegen seine Familie.
Es ging alles sehr schnell, erst der Auftritt bei "Maybritt Illner", als er sich den Frust von der Seele redete und Tausenden damit aus dem Herzen sprach. Dann die Proteste in Frankfurt am Samstag, bei denen Wolfram Siener ein paar Hundert Menschen erwartet hatte - es kamen 5000. Siener hatte tagelang kaum geschlafen, er schwankte zwischen Euphorie und Erschöpfung. Aber er war Teil von etwas, das sehr schnell immer größer wurde. Er war ein sehr wichtiger Teil.
Wolfram Siener.
Foto: dpa
Wolfram Siener.
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Am Montag ging alles wieder ganz schnell. Was am Morgen zunächst als Gerücht im Frankfurter Protestcamp vor der Europäischen Zentralbank die Runde machte, wurde bald Gewissheit: Siener, gerade einmal 20 Jahre alt, zieht sich nach nur wenigen Tagen schon wieder zurück von seinem Posten als Sprecher der Occupy-Bewegung in Deutschland.
Der Grund ist nach Angaben eines schnell neu gegründeten Sprechergremiums ein Drohanruf gegen seine Familie. Ein offenbar unbekannter Mann hatte sich demnach am Sonntag bei Sieners Eltern gemeldet und erklärt, er werde Gewalt gegen die Familie anwenden, falls Siener sich nicht augegenblicklich von seinem Posten zurückziehe. Siener selbst bestätigte die Drohung beim Kurznachrichtendienst Twitter.
Ein Verlust für die Medien
Die Occupy-Bewegung, die am Wochenende von New York in vielen Demonstrationen um die Welt gegangen war, verliert damit in Deutschland ein charismatisches Gesicht. Mehr aber auch nicht, hieß es im Frankfurter Protestcamp, wo am Montagmorgen eilig eine Handvoll neuer Sprecher berufen wurde. Natürlich bedauere man den Rückzug, hieß es dort, vor allem seien die Drohungen zu verurteilen. "Es kommt aber nicht darauf an, wer Sprecher ist, es kommt darauf an, dass wir hier sind", sagte einer der Aktivisten.
Occupy: Frankfurt - Proteste vor der EZB (17.10.2011)
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Occupy: Frankfurt - Proteste vor der EZB (17.10.2011)
Mehr als 5000 Demonstranten kamen allein in Frankfurt zusammen.
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Einige sind geblieben. Wie in New York campen nun auch in Frankfurt Kritiker der Finanz-Branche in der Nähe der Banken.
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Der Protest, der in den USA begann, breitet sich nun auch in Europa aus.
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In Frankfurt zeigen Demonstranten, dass die Probleme anderer Länder, auch unsere Probleme sind.
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Sie sehen nun weitere Momentaufnahmen von den Protesten...
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Vor dem Sitz der Europäischen Zentralbank versammeln sich Tausende Demonstranten. Sie protestieren in Anlehnung an die US-Aktion "Occupy Wall Street" gegen die Macht der Banken.
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Blockupy Frankfurt
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Demonstranten auf dem Weg zu den Reichen
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Demonstranten auf dem Weg zu den Reichen
Vor dem Apartmentkomplex des Chefs der Bank JP Morgan Chase, Jamie Dimon und dem Haus des Medienmoguls Rupert Murdoch skandierten die Demonstranten: "Die Menschen brauchen einen neuen Robin Hood!".
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Weit kamen sie allerdings nicht, denn viele Häuser werden hier von privaten Sicherheitskräften bewacht, die die Demonstranten vom Eintreten abhielten.
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Vor dem Apartment von John Paulson, einem Hedgefondbesitzer, der im Jahr 2007 rechtzeitig gegen den Immobilienmarkt gewettet hatte und damit rund 3,7 Milliarden Dollar verdiente, überreichten sie symbolisch einen Check: fünf Milliarden Dollar von den 99 Prozent.
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Damit griffen die Demonstranten den Hauptslogan der seit Mitte September stattfindenden Proteste auf. Sie beschreiben sich selbst als die 99 Prozent der Bevölkerung, die sich von dem einen Prozent der Reichsten hintergangen fühlen. Hier passieren sie eine Privatschule der Reichen in der Upper East Side.
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Die Menschen protestierten gegen die ungleiche Verteilung des Reichtums in den USA und fordern eine höhere Besteuerung der Reichen sowie Reformen im Sozialsystem.
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Seit dem 17. September protestieren die Wall-Street-Kritiker. Damals waren es erst 1000 Menschen, die vor der New Yorker Börse demonstrierten.
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Inzwischen sind es täglich mehrere tausend, die auf die Straßen gehen.
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Auch Gewerkschaften, Mietervereine und Zusammenschlüsse einzelner Berufsgruppen haben sich den Wall-Street-Kritikern angeschlossen.
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Zusammengehalten wird die Protestbewegung von der Wut darüber, dass vor allem die Mittelschicht und die ärmere Bevölkerung unter den Folgen der Finanzkrise zu leiden haben.
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Die Bewegung hat sich inzwischen auf andere Städte ausgeweitet. Am 3. Oktober haben sie vor dem Rathaus in Los Angeles demonstriert, ebenso fanden große Aufmärsche in Boston, Chicago und Philadelphia statt.
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Doch so nah kamen die Demonstranten den Superreichen dort bisher nicht, wie hier vor einem Haus in der Upper East Side New Yorks.
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In New York haben die Demonstranten ihr Lager im Zuccotti-Park in der Nähe der Wall Street aufgeschlagen.
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Die Demonstranten sehen sich in der Tradition des arabischen Frühlings, sie campen aber wie die jugendlichen Protestierer in Spanien.
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Im Zuccotti-Park wird alles von Freiwilligen organisiert. Das gemeinsame Essen...
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...und das Aufräumen und Saubermachen.
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Ähnlich wie bei den Demonstrationen in Kairo oder Damaskus spielt das Internet eine große Rolle. Die Menschen nutzen die sozialen Netzwerke, um sich zu vernetzen und zu den Protestaktionen zu mobilisieren.
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Von diesem selbstorganisierten Medienzentrum im Zuccotti-Park versorgen die Freiwilligen die Internetseite "Occupy Together" (Zusammen besetzen) mit Liveberichten von den Demonstrationen.
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Am Samstag sollen die Proteste auch in Deutschland beginnen: Das globalisierungskritische Netzwerk Attac hat zu einer Kundgebung vor der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt aufgerufen. In Berlin wollen Demonstranten vor das Bundeskanzleramt ziehen.
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Der Marsch zu Millionären: Am Dienstag sind rund 500 Wall-Street-Kritiker durch die New Yorker Upper East Side marschiert, eine Gegend, in der die Superreichen New Yorks leben.
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Es ist ein Verlust vor allem für die Medien, die nach Personalisierung dürsten und in Siener schnell den Star der Bewegung ausgemacht hatten. Als "Hoffnungsträger der Generation Occupy" bezeichnete Spiegel Online den "Bankenkritiker Siener", die Berliner Tageszeitung titelte "Der talentierte Mr. Siener". Ziemlich viel Ehre für einen 20-Jährigen, der sich nach seinem Schulabbruch vor einigen Jahren nun gerade auf ein Studium vorbereitete, ehe die Proteste kamen.
Das könnten auch in der Occupy-Bewegung einige so sehen. Schon am Wochenende war Siener während der Demonstration auch angefeindet worden, er spiele sich zum Sprecher auf, ohne gewählt zu sein, hieß es vereinzelt. Im Protestcamp halten es manche deshalb für möglich, dass die Drohung aus der Bewegung selbst gekommen sein könnte. Beweise dafür gibt es aber nicht.