Spricht man Nabil Miskinyar auf Said Khobaib Sadat an, bekommt kaum etwas Schlechtes zu hören. „Ein netter Kerl“ sei der Imam des afghanischen Kulturvereins, meint der Präsident des afghanischen Satellitensenders Ariana Afghanistan TV – zumindest im persönlichen Umgang. Jahrelang hatte Miskinyar Sadat Sendezeit für ein selbstproduziertes Programm eingeräumt, ehe man Ende vergangenen Jahres getrennte Wege ging. „Seine Ideologie“ sei das Problem gewesen, erklärt Miskinyar. Viele Zuschauer hätten die Ansichten des Vorbeters als fundamentalistisch empfunden.
Probleme mit Sadats Ideologie haben auch die deutschen Behörden. Seit fast sieben Jahren versuchen sie den vom Verfassungsschutz als „Hassprediger“ eingestuften Geistlichen abzuschieben. 2010 sorgte Sadat für Furore, als bekannt wurde, dass er dem Afghanischen Kulturverein vorsteht, der in Enkheim ein leerstehendes Gebäude in einer Moschee umwandeln will. Auf Druck des Integrationsdezernats gab der Verein kurz darauf bekannt, sich von Sadat getrennt zu haben. Eine Lüge, wie sich vor wenigen Wochen herausstellte. Ausgerechnet ein Video-Mitschnitt von Sadats eigener Sendung belegt, dass dieser nach wie vor im Verein aktiv ist. Der Vereinsvorstand behauptet, Sadat lediglich als „Hausmeister“ und Ansprechpartner für Handwerker weiter beschäftigt zu haben.
"Es bedarf eines klaren Signals des Vereins"
Eine Erklärung, die man im Ortsbeirat 16 nicht hinnehmen will. Mehrfach hatten die Politiker in den vergangenen Monaten den Kontakt zum Verein gesucht und versucht, die Wogen zu glätten. Die Brücke, die man dem Verein seinerzeit bauen wollte, ist vorerst eingerissen. In einem Antrag fordert die Fraktion „Wir Bergen-Enkheimer“ (WBE) keine weiteren Gesprächstermine mit Vereinsvertretern anzusetzen. „Zumindest so lange wie sich der Verein nicht nachhaltig und eindeutig von Sadat getrennt hat“, ergänzt der Fraktionsvorsitzende Reinhard Müller. „Es bedarf eines klaren Signals.“ Erst danach könne wieder über Gespräche nachgedacht werden.
Ähnlich beurteilt das auch Ortsvorsteher Helmut Ulshöfer (Grüne). Seine Partei sieht sich durch die Vorgänge im Kulturverein getäuscht, und damit entfalle auch die Arbeitsgrundlage. „Wenn der Verein aber mit offenen Karten spielt und seinen Worten Taten folgen lässt, bin ich der letzte, der einen Dialog verweigert“, so Ulshöfer, „allerdings ist mein Glaube daran ziemlich schwach.“ Den endgültigen Kurs in Sachen Kulturverein wird der Ortsbeirat in seiner heutigen Sitzung festlegen. Eines aber steht bereits im Vorfeld fest: Mit dem „netten Kerl“ Sadat, möchte der 16er nichts zu tun haben.

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