Er kommt. Und löst damit im Römer hektische Betriebsamkeit beim Protokoll aus. Bundespräsident Christian Wulff besucht Frankfurt. Erst zum zweiten Mal überhaupt. Am 22. Februar will der Politiker sprechen, wenn der Erweiterungsbau des Städel-Museums eröffnet wird.
Noch Anfang Oktober, als sich Wulff ins Goldene Buch der Stadt eingetragen hatte, war das eine gute Nachricht. Heute ist eine gewisse Beklommenheit im Römer zu spüren. Schließlich taumelt der höchste Mann im Staate seit Wochen durch seine Affären, jeden Tag wird ein neues Kapitel enthüllt.
Man stelle sich vor, dass Journalisten im Städel, Frankfurts allerheiligstem Kulturtempel, plötzlich Fragen nach Wulff-Ferien auf Sylt oder Saltkrokan formulieren!
Was könnten wir ihm schenken?
Karlheinz Voß, der städtische Protokollchef, versucht tapfer, die offizielle Linie zu halten: Der Besuch Wulffs sei „Ausdruck der besonderen Wertschätzung des Standortes Frankfurt“. Besonders schwierig ist für das Protokoll die Frage des Gastgeschenks. Schließlich weiß man ja, dass Wulff bei allen seinen Reisen gerne mal was mitnimmt.
Andererseits konnten wir lesen, dass der Bundespräsident ja schon alle Geschenke hatte: von Aufenthalten in einem Landhaus in der Toskana bis hin zu eigens ihm gewidmeten Büchern.
Wulff einfach eine Museumsufer-Familienkarte zu überreichen, verbietet sich: zu schäbig für die fünftgrößte deutsche Stadt. Doch es gibt ein anderes schönes Präsent: Die ehemalige Dienstvilla der Frankfurter Oberbürgermeister am Lerchesberg steht schon seit Jahren leer.
Wie wäre es mit einem ausgedehnten Wochenende für den Bundespräsidenten? Das bisschen Fluglärm gibt es gratis dazu.

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