Die tiefhängende Wolkendecke reißt auf und Frankfurts Galopprennbahn präsentiert sich im schönsten Herbstsonnenlicht. Im weißen „VIP-Zelt“ am Geläuf, die Skyline im Hintergrund, versammelt sich eine kleine Schar zur Pressekonferenz, in der nur eine Person wirklich erleichtert ist: Die Konkursverwalterin Hildegard Hövel. Sie hat am Tag zuvor die Verantwortung für die Anlage nach fast zwei Jahren abgegeben – und in die Hände der Frankfurter Hippodrom GmbH gelegt.
Hinter ihr steht der Bad Homburger Anwalt Manfred Hellwig – er ist der vorläufige Sieger in einem heftigen Gerangel um die traditionsreiche Bahn in Niederrad. 1886 wurden da schon Pferderennen ausgetragen. 2009 war der Renn-Klub Frankfurt dann insolvent geworden – Hövel musste sich kümmern. Sie bekam bis in die jüngsten Tage hinein immer neue „Übernahme-Angebote“ des mit Hellwig konkurrierenden Rennvereins Frankfurt auf den Tisch – er hatte mit dem Anwalt zusammen zunächst den Rennbetrieb fortgeführt, doch dann überwarfen sich beide Seiten.
Gründer des Frankfurter Renn-Klubs, der jetzt wieder auflebt, war 1896 der Frankfurter Industrielle und Chemiker Arthur von Weinberg, der unter anderem dem Vorstand der Degussa angehörte.
Die Zahl der Renntage ist zuletzt geschrumpft. Die Betreiber versuchten, neues Publikum zu gewinnen. So gibt es seit dem Jahre 2000 auch einen „Renntag des Handwerks“. Er ist mit einem Volksfest verbunden, auf dem sich Handwerksbetriebe präsentieren. Dieser Anlass lockte bis zu 10.000 Besucher an das Geläuf.
Auf dem Gelände gibt es auch eine kleinere Golfanlage, zu der neun Löcher gehören.
Störende Fragen
Und dieser Konflikt stört die Pressekonferenz doch empfindlich. Ein Herr im Publikum, der sich nicht vorstellt, fragt immer wieder, warum der Rennverein nicht zum Zuge gekommen sei. „Die geforderte Bankbürgschaft von einer Million Euro ist nicht eingegangen“, kommentiert Hövel gequält. „Da weiß ich aber was ganz anderes“, kommt der Konter.
Es habe nur vage Versprechungen gegeben, aber keine belastbare Bürgschaft, berichtet Hövel. Trotz des schwelenden Streits setzt die Stadt Frankfurt eindeutig auf Hellwig und seine Hippodrom GmbH. Alfred Gangel, der Leiter des städtischen Liegenschaftsamtes, erzählt, dass die Kommune „ein unbefristetes Angebot“ hinterlegt habe, „51 Prozent der Anteile der Hippodrom GmbH zu erwerben“. Gangel fügt zögernd hinzu: „Aber nur, wenn Not am Mann ist.“ Eigentlich wollte die Stadt sich endlich aus der Rennbahn zurückziehen – nachdem sie den Betrieb über Jahrzehnte hinweg durch immer neue finanzielle Zugeständnisse gesichert hatte. So musste der Renn-Klub etwa die Miete für das städtische Gelände nicht zahlen.
Der neue Mieter Hellwig zahlt. 36000 Euro Jahresmiete, sagt Gangel. Als die Konkursverwalterin überdies eine sechsstellige Summe als Sicherheit verlangte, habe der Jurist per Bankboten das Geld in bar auf den Schreibtisch Hövels kippen lassen. Wird erzählt.
Doch über solche Details spricht Hellwig bei der Pressekonferenz nicht. Lieber reden alle über den Rennbetrieb, der jetzt für 2011 gesichert ist. „Neun Renntage“ verspricht Christiane Weil-Dassbach, die neue Präsidentin des neuen Frankfurter Renn-Klub. Der betreibt im Auftrag der Hippodrom GmbH jetzt die Galopprennbahn. Im Vorstand des Renn-Klubs sitze, so die Besitzerin eines Gestüts im Odenwald, auch der Frankfurter FDP-Vorsitzende Dirk Pfeil.
Auch Golf geht weiter
Mit solchen Namen im Hintergrund und mit dem Geld der Stadt hat Hellwig begonnen, die Rennbahn zu sanieren. Mehr als eine Million Euro flossen schon in die Sanierung der Sandbahn. Das Geld stammt aus einer Gesamtsumme von drei Millionen Euro, die die Kommune stellt. „Aus dem Etat“, wie Gangel ganz verlegen sagt. Dem Vernehmen nach kommt die Summe aber aus der Erbpacht, die die chinesische Huarong Gruppe dafür zahlt, dass sie auf dem städtischen Rennbahn-Gelände gerade ein Hotel hochziehen darf.
Es muss halt irgendwie weitergehen auf der Rennbahn. Und auch auf der Golfanlage in der Mitte des Geländes. Nach der Insolvenz des Betreibers der Golfanlage kam es dort zur Zwangsräumung. Jetzt hat eine neugegründete „Weinberg Golfakademie“ den Betrieb übernommen. Hinter der steht, genau: Manfred Hellwig. „Von Golf versteh’ ich aber nichts“, sagt er bescheiden.

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