Die Broschüre verzeichnet alphabetisch und auf elf Stadtplan-Ausschnitten Anbieter nachhaltiger Waren und Dienstleistungen in Frankfurt und Umgebung, vom Alnatura-Bio-Supermarkt bis zum Velotaxi. Es ist die achte Auflage seit der Gründung 2004.
Der redaktionelle Schwerpunkt im zweiten Heftteil beschäftigt sich mit Frankfurt auf dem Weg zur Green City: mit Beiträgen etwa über Solarenergie, Elektromobilität und Klimaschutz. Frühere Schwerpunkte waren Grüngürtel, Wasser- und Umweltmanagement.
Erhältlich ist der Plan, Auflage 40.000 Stück, 28 Seiten, in vielen städtischen Einrichtungen und zum Download unter www.umweltforum-rhein-main.de
Fein, der neue Frankfurter Agenda-Stadtplan ist da! Was kann man damit machen? „Nachhaltig einkaufen und genießen – Adressen für Frankfurt und Umgebung“ steht vorne drauf. Das ist gut für die Umwelt. Mal sehen, wie weit man damit kommt. Die erwachsene Testperson (hungrig) macht sich am nördlichen Stadtrand auf den Weg und klappert die eingezeichneten Stationen ab.
Erste Frankfurter Station im Plan: Bonames. Was gibt es da Nachhaltiges? Einen Standort für ein Carsharing-Auto der Stadtmobil-Gruppe. Jawohl, da steht auch ein Auto bereit im Hof der Homburger Landstraße 652, das ich mir umweltfreundlich mit anderen Leuten teilen kann. Ich möchte jetzt aber lieber zu Fuß gehen bis zum nächsten Stadtplan-Eintrag. Wo ist der? In Eschersheim. Oder in Ginnheim. Oder in Praunheim. Alles Carsharing-Parkplätze, jetzt auch von „book-n-drive“, aber auch die kann ich nicht essen. Mein Hunger wächst.
Gesund einkaufen um die Ecke
Seit 2004 gibt das Umweltforum Rhein-Main jährlich den Agenda-Stadtplan heraus. „Die Idee entstand im Gespräch mit rund 160 Unternehmen und unserem runden Tisch zur Bio-Vermarktung“, erinnert sich Hans-Georg Dannert vom Umweltforum. „Da haben wir gesehen, dass es ein Riesenpotenzial gibt, sowohl, was die Flächen in und um Frankfurt angeht, als auch bei der Nachfrage aus der Bevölkerung.“
Der runde Tisch kam seinerzeit überein: Nachfrage für den Öko-Landbau ist da, aber Rhein-Main hinkt im Vergleich zu anderen Regionen noch hinterher. Dem sollte der Agenda-Stadtplan abhelfen, und zwar nicht nur in Sachen Bio. Das Ziel: Nutzer sehen auf einen Blick die nächstgelegene Möglichkeit, etwa umweltfreundliche Baustoffe zu finden, aber auch Beratung in Sachen Nachhaltigkeit oder eben Carsharing-Autos.
Und was zu essen. Nach einer Dreiviertelstunde Fußmarsch erreicht die erwachsene Testperson entkräftet das Freya-Reformhaus an der Eschersheimer Landstraße, kurz vor der U-Bahn-Station Hügelstraße. Ein weiter Weg. Aber dafür gibt’s jetzt vegetarische Fleischwurst. Oder Aubergine-Knoblauch-Frikadellen (zwei Stück 5,40 Euro). Und eine Nussecke für hinterher.
Wie kam Freya in den Agenda-Stadtplan? „Die Macher haben mich angeschrieben, ich habe es an den Chef weitergeleitet“, sagt Filialleiter Andreas Gschweng. Der Chef der Reformhauskette fand die Idee offenbar gut: Seine neun Filialen in Frankfurt und Bad Soden sind drin im Heft. Ob deshalb mehr Kunden in den Laden kommen – Gschweng kann es nicht sagen. Auf den Agenda-Stadtplan angesprochen hat ihn jedenfalls niemand. „Trotzdem“, sagt er, „das ist sicher eine gute Sache.“ Findet auch Friedel Umscheid, die zufällig gerade da ist. 40 Jahre lang hat sie dieses Reformhaus geführt, bis 1990. Viel kann sie erzählen darüber, was sich in dieser langen Zeit alles verändert hat in den Eschersheimer Ladenzeilen. Und wo es inzwischen überall Bioläden gibt.
Aber wo sind all die Bioläden im Agenda-Stadtplan? Ein paar sind drin, manche nur im Register ohne Eintrag in den Kartenteil, viele fehlen. Es gibt zwei Metzger und ein einziges Restaurant. Der Großteil der etwa 200 Einträge sind Carsharing-Standorte. „Wir haben alle angeschrieben“, sagt Projektleiter Axel Wirz vom Umweltforum, aber die Restaurants hätten kaum reagiert. „Kann sein, dass die Bioläden ihr Geld zusammenhalten müssen“, sagt Hans-Georg Dannert. Ein Eintrag in die Broschüre kostet 95 Euro plus Mehrwertsteuer, mit Logo und Vermerk im Kartenteil steigt der Preis auf bis zu 200 Euro. Für ein Jahr, wohlgemerkt. „Wir müssen die Druckkosten decken“, sagt Axel Wirz, „aber wir laufen den Betrieben auch nicht hinterher.“ Fazit: Der Agenda-Stadtplan ist eine feine Sache für Freunde der Umwelt und des Carsharings. Wer Hunger hat, sollte erst nachschauen und dann loswandern.
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