Am Mittwoch hat Manuela Rottmann wieder einmal bewiesen, wie jammerschade es ist, dass sie im Sommer als Umweltstadträtin aufhört. Wie die grüne Dezernentin den 200 Kongressgästen aus der ganzen Republik Frankfurt als bunte, gastfreundliche Wildnis für Mensch und Tier schilderte, das dürfte so manchen ins Grübeln darüber gebracht haben, wo es nun schöner ist: draußen in der Natur – oder drinnen in der Frankfurter Stadtnatur.
In Frankfurt nämlich, berichtete Rottmann den Gästen im Senckenbergmuseum, gebe es 14 Fledermausarten. In Frankfurt sei man stets auf der Suche nach neuen Wegen, die möglichst weit um einen alten Baum herumführen. Damit der stehen bleiben kann. In Frankfurt, jawohl, gebe es auch einen internationalen, lauten, heftig umstrittenen Flughafen. „Aber was Sie vielleicht nicht wissen“, sagte Rottmann: „Frankfurt hat auch einen früheren Hubschrauberlandeplatz, an dem mehr als 90 Vogelarten leben.“ Die Leute in der Stadt tun auch was für Steinkauz, Mauersegler – kurzum: Wir haben hier ganz schön Kompetenz in Sachen Ballungsraumnatur. „Frankfurt ist extrem in dem, was die Stadt abreißt und neu baut“, sagte Rottmann, „umso erstaunlicher, was hier trotzdem alles kreucht und fleucht.“
Genau darum geht es bei der „Biologischen Vielfalt in Kommunen“, über die jede Menge Fachleute, Umweltbeauftragte, Bürger- und sogar Oberbürgermeister seit Mittwoch und noch bis Donnerstagnachmittag im Museum reden: um die Frage, wie wir es schaffen, der Natur in der Stadt Lebensraum zurückzugeben.
Breites Bündnis gegründet
Bis 2020 soll beispielsweise die „Durchgrünung der Siedlungen“ deutlich verbessert werden, sagte Ursula Heinen-Esser, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium. Es geht tatsächlich darum, etwa wieder Wälder auf städtischen Brachflächen anzulegen – und gemeinsam mit den Bürgern weitere Ideen zu entwickeln. Dabei ruhen die Hoffnungen besonders auf einem Verein, der am Mittwochabend in Frankfurt gegründet wurde: „Kommunen für biologische Vielfalt“ heißt er und 57 Gründungsmitglieder hatte er – jedenfalls bis gestern Nachmittag. „Es werden stündlich mehr“, sagte Ursula Heinen-Esser. Jedes Mitglied ist eine Stadt, eine Gemeinde oder ein Landkreis. Ein starker Anfang, aber auch dafür ist Frankfurt ja bekannt, nicht erst seit hier 1990 das Klimabündnis der europäischen Städte und Gemeinden gegründet wurde.
75 Prozent der Bundesbürger leben in den Ballungsräumen, sagte Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz: Urbane Lebensräume seien also „der Schlüssel, um die Leute mitzunehmen“. Den Menschen klarzumachen, dass ihnen die biologische Vielfalt vor der Haustür hilft, etwa bei der Bewältigung der Folgen des Klimawandels – auch den Kleingärtnern: Das ist das Ziel, für das sogar die Bundesregierung zunächst bis 2014 Geld bereitstellt.
Apropos Vielfalt: Gestern habe sie einen Artikel über „das Wüten der Anakonda in den Everglades“ gelesen“, sagte Stadträtin Rottmann den Gästen: „Da ist mir die Nilgans doch noch lieber.“
Ihr schon. Dass manchen die Vielfalt aber auch zu viel werden kann in der Stadt, zeigte schon die Menü-Auswahl der Tagung im Senckenbergmuseum: Gereicht wurde Pichelsteiner Eintopf – mit Wildschwein. Aber so war es gar nicht gemeint. Eigentlich hätte es Nilgans geben sollen, geschossen am Sossenheimer Mainufer, und das wäre durchaus auch so gemeint gewesen, jedenfalls ein bisschen: dass nicht alle Frankfurter die gefiederten Neubürger aus Afrika hier haben möchten. In der Küche war allerdings nicht genug Platz zum Rupfen.
Aber aufgeschoben ist nicht aufgeflogen: Die Gänse wurden tiefgefroren. Nächster geplanter Landeanflug überm Kochtopf: zum Frankfurter Vogeltag im Mai.

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