kalaydo.de Anzeigen

Frankfurt
Berichte und Bilder von allen wichtigen Ereignissen in Frankfurt

10. Mai 2012

Blockupy: Grüne gegen Blockupy-Verbot

 Von Claus-Jürgen Göpfert und Felix Helbig
Blockupy wirft Schatten voraus. Foto: dapd

In der Frankfurter Römer-Koalition gibt es einen heftigen Streit um die geplanten Blockupy-Proteste. Die Grünen forderten erneute Verhandlungen - unterdessen ist auch ein gefälschtes Flugblatt aufgetaucht.

Drucken per Mail
Blockupy

Die Blockupy-Aktionstage vom 16. bis 19. Mai in Frankfurt sollen sich gegen die Finanzpolitik der Europäischen Union (EU) richten. Aus Sicht der Protestierenden werden durch die Sparpolitik etwa in Griechenland oder Spanien die sozialen Systeme zugrunde gerichtet.

Mehr als 80 Gruppen wollen sich beteiligen, zu den Anmeldern gehören die Partei Die Linke und Attac. Mehrere zehntausend Teilnehmer werden zu den Aktionen erwartet, die allerdings derzeit noch von der Stadt verboten sind.

Das völlige Verbot der geplanten Blockupy-Proteste durch Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) wird vom Koalitionspartner Grüne abgelehnt. In der jüngsten Koalitionsrunde soll es deshalb einen heftigen Streit gegeben haben. „Diese Entscheidung ist unglücklich und bedauerlich“, sagte Fraktionschef Manuel Stock der Frankfurter Rundschau. „Das Demonstrationsrecht ist uns Grünen verdammt wichtig“, fügte er hinzu.

Auch die Vorstandssprecher der Frankfurter Grünen, Martina Feldmayer und Omid Nouripour, nannten das Verbot der viertägigen Aktion gegen die europäische Krisenpolitik am Himmelfahrts-Wochenende „bedauerlich“. Sie forderten erneute Verhandlungen zwischen der Stadt und den Anmeldern der Demonstrationen, „damit auch in Frankfurt gewaltfreie Proteste stattfinden können“.

Die Situation verschärfte sich dadurch, dass mittlerweile auch die Blockupy-Großdemonstration am 19. Mai sowie die Mahnwache der Ordensleute für den Frieden, die diese seit mehr als 20 Jahren jeden Himmelfahrtstag vor der Deutschen Bank halten, von der Stadt verboten worden sind. Das Büro von Ordnungsdezernent Frank erklärte diese nachträgliche Verbotsverfügung damit, dass das Ordnungsamt es zeitlich nicht geschafft habe, kurzfristig alle Verbotsverfügungen auszufertigen. Insgesamt hat die Stadt angemeldete Versammlungen an 13 Plätzen verboten, hinzu kommen zwei Demonstrationen, die untersagt wurden.

Die Grünen waren nach eigener Darstellung durch Frank vorab nicht über seine Entscheidung informiert worden. „Wir waren überrascht davon“, sagte Bürgermeister Olaf Cunitz der FR. Er betonte: „Das Demonstrationsrecht ist ein besonders geschütztes Gut.“ Die Frankfurter Grünen befürchten jetzt, bundesweit an den politischen Pranger gestellt zu werden. „Das Verbot darf kein politisches Signal werden“, bangt Cunitz. Im Internet ist es das bereits: Beim Kurznachrichtendienst Twitter etwa müssen sich die Grünen seit Tagen von aufgebrachten Nutzern fragen lassen, ob sie ihre Koalition mit der CDU angesichts des Blockupy-Verbots nicht überdenken sollten.

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Sven-Christian Kindler nannte die Entscheidung des Ordnungsdezernenten „ungeheuerlich“. Der Protest gegen die „neoliberale Krisenpolitik“ sei „notwendig und gerechtfertigt“ und müsse sich auch direkt an die Adressaten richten können, sagte er der FR. „Die Stadt muss Möglichkeiten aufzeigen, wie er durchgeführt werden kann. Es ist nicht verhältnismäßig, wenn ein Dezernent das so komplett verbietet.“ Ähnlich äußerten sich am Mittwoch mehrere Vertreter der Grünen-Jugend, die das Verbot als „nicht haltbar“ bezeichneten.

Die Frankfurter Grünen betonten zugleich, dass Gewalt in der politischen Auseinandersetzung keinen Platz haben dürfe. „Die bisherigen Occupy-Proteste in Frankfurt haben sich daran gehalten“, betonten Feldmayer und Nouripour. Das Anliegen der Blockupy-Demonstranten sei „aus unserer Sicht mehr als berechtigt“.

Über die 13 Eilanträge gegen die Demonstrationsverbote will das Verwaltungsgericht Frankfurt in erster Instanz am kommenden Sonntag, 13. Mai, entscheiden. Es wird damit gerechnet, dass der Rechtsstreit dann vor dem Hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel fortgesetzt wird.

Kompliziert wurde die Lage am Mittwoch auch dadurch, dass ein gefälschtes Flugblatt in Frankfurter Briefkästen auftauchte. In der Wurfsendung mit dem Signet der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES) werden die Bürger dazu aufgerufen, am 18. Mai Sperrmüll auf die Straße zu stellen. Nach Einschätzung des Ordnungsdezernates sollen damit Demonstranten mit Wurfgeschossen munitioniert werden. Eine erste Fälschung dieser Art soll es bereits zum 31. März gegeben haben, als es bei einer Demonstration gegen die Finanzpolitik der EU gewalttätige Ausschreitungen gab.

Jetzt kommentieren

Übersicht

Wir informieren Sie aus der ganzen Region. Nachrichten aus Ihrer Stadt können Sie als Newsfeed abonnieren - klicken Sie dazu bitte auf das orange Symbol.

Übersichtsseite Frankfurt/Rhein-Main

Frankfurt

Rhein-Main

Bad Homburg, Hochtaunus

Bad Vilbel, Wetterau

Darmstadt

Kreis Groß Gerau

Hanau, Main-Kinzig

Main-Taunus

Mainz

Offenbach

Kreis Offenbach

Wiesbaden

Online-Kataloge
In eigener Sache

Die Zukunft der Frankfurter Rundschau ist gesichert. Die Eigentümer betonen, es gibt keinen Einfluss auf das gewachsene politische Profil. Chefredakteur Festerling blickt nach vorne: "Wir haben einiges vor."

Anzeige
Glosse
        

Da steht sie auf ihrem Brunnen in der Klappergasse.

Unglaubliche Geschichten aus dem Frankfurter Alltag - notiert von Frau Rauscher.

Felix Helbig ist tot

Mit nur 32 Jahren starb unser Freund und Kollege Felix Helbig am 13. Februar 2013. Auf dieser Seite erinnern wir uns an ihn und veröffentlichen nochmal seine schönsten und bedeutendsten Texte.

Spezial

Ein Schwarzer gerät in der U-Bahn in Konflikt mit Fahrkarten-Kontrolleuren und der Polizei Frankfurt. Am Ende liegt er im Krankenhaus. Die Polizei sieht sich Rassismus-Vorwürfen ausgesetzt. Das Spezial.


Spezial: Vorwürfe gegen Polizei Frankfurt
Zur Sache

Derege Wevelsiep steigt Mitte Oktober mit gültigem Fahrausweis in eine Frankfurter U-Bahn - und wird nach einem Wortgefecht mit Kontrolleuren von herbeigerufenen Polizisten verprügelt.

Wegen seiner Verletzungen muss er drei Tage im Krankenhaus bleiben.

Die Frankfurter Polizei ermittelt intern gegen vier Beamte des 6. Reviers, die der äthiopischstämmige Diplom-Ingenieur beschuldigt, ihn geschlagen zu haben. Sein Anwalt wirft den Beamten Hausfriedensbruch, Beleidigung und Körperverletzung vor.

Im Internet bricht ein Sturm der Entrüstung los, über soziale Netzwerke wird eine Solidaritäts-Demo organisiert.

Auch der Landtag befasst sich mit dem Fall.

Spezials
Social Media
In Twitter informieren wir als FRlokal über Frankfurt und Rhein-Main. Folgen Sie uns!
Spezial: Frankfurt Flughafen

Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten gleichermaßen: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten. Das Spezial.


Spezial: Der Flughafen wächst weiter
Mountainbike-Touren im Video
Spezial

Frankfurt unter Peter Feldmann - ein Oberbürgermeister sucht seinen eigenen Stil. Das Spezial.


Spezial: Peter Feldmanns Politik
Instrument lernen in Frankfurt
Trompete steht bei kindern hoch im Kurs.

Musik ist etwas Wunderbares - besonders wenn man selbst ein Instrument erlernt. Doch welche Schule in Frankfurt ist für wen die richtige?

Altenhilfe der FR

Spendenkonten, Bankverbindung, Online-spenden und Informationen zu Spendenquittungen.