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08. Februar 2013

Bordell Frankfurt: Sudfass ist verkauft

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Die Fenster des „Sudfass“ verschönern nur noch bis Endes des Jahres die Frankfurter Nächte.  Foto: Michael Schick

Das Sudfass, Frankfurts berühmtes Bordell, soll Wohnhäusern weichen. Eigentümer Dieter Engel und Verwalter Fred Siegismund, beide alt geworden, haben nach eigenem Bekunden „keinen Bock mehr“. Der Käufer des Grundstücks soll elf Millionen Euro gezahlt haben.

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Natürlich war noch keiner drin. Natürlich weiß auch keiner, was drinnen eigentlich geschieht. Und natürlich sei er jetzt ein wenig wehmütig, sagt Fred Siegismund. Denn obwohl das alles so ist, wie es ist, war das Sudfass mehr als 30 Jahre lang der berühmteste Sauna-Club der Stadt. Obwohl es natürlich gar keine Sauna war, kein Club. Sondern ein Bordell. Jetzt ist es verkauft.

Siegismund, 69, verwaltet das Eroscenter an der Flößerbrücke im Auftrag von Eigentümer Dieter Engel, 75. Seit Jahren war über einen Verkauf des Gebäudes immer wieder spekuliert worden, vor dreieinhalb Jahren hatte sogar bereits ein unterschriftsreifer Vertrag mit dem Bauunternehmen Hochtief über 12,5 Millionen Euro vorgelegen, der in letzter Sekunde wegen der Finanzkrise platzte.

Dass es jetzt endlich so weit ist, begründet Siegismund damit, „dass wir keinen Bock mehr haben“. Sie seien inzwischen beide alte Männer, „Staatsschrott“, wie er sagt. „Es wurde jetzt einfach Zeit.“

Obwohl beide Seiten darüber Stillschweigen vereinbart haben, wird eine Kaufsumme von knapp elf Millionen Euro kolportiert, die das Immobilienunternehmen Quissenz bezahlen soll. Geplant ist ein Abriss des Gebäudes, an dessen Stelle zwischen Oskar-von-Miller-Straße und Mainufer das Wohnquartier Oskar mit knapp 100 Wohnungen auf 8500 Quadratmetern Bruttogeschossfläche entstehen soll.

Direkt an der Flößerbrücke könnte demnach zusätzlich ein etwa 30 Meter hoher Turm als Boardinghouse gebaut werden. Das Grundstück gilt als letztes Puzzleteil der Aufwertung eines Teils der Stadt, der schon ganz bald von der Europäischen Zentralbank und ihrem Neubau dominiert werden wird.

Das allerdings sind wohl bislang nicht mehr als erste Pläne des neuen Besitzers, wenngleich dieser mit Stefan Forster bereits einen Architekten an der Hand hat. Die Stadt plant allerdings aufgrund der „exponierten Lage“ des Ensembles, einen Architektenwettbewerb auszuloben, was wiederum dafür spricht, dass sich nicht nur der Verkauf über Jahre hinzog, sondern dass auch der Neubau noch etwas Zeit brauchen könnte. Vier Frankfurter Architekten sollen demnächst zum Wettbewerb eingeladen werden.

Unzweideutige Skulpturen

Fred Siegismund weist darauf hin, dass er selbst mit Engel ja schon vor Jahren einen eigenen Vorschlag zur Aufwertung des Quartiers unterbreitet habe. Einen „Puff 3000“ mitsamt riesiger Fisch-Skulptur auf dem Dach hatten beide bauen wollen. „Aber die Stadt hatte damals Angst, die Skulptur könne sich zum Wahrzeichen entwickeln“, sagt der Verwalter, dem die Idee noch immer sichtlich gefällt. Im Planungsamt setzte sich dann aber auch eine gewisse Präferenz für ein Wohnquartier durch.

Bis zum Jahresende noch soll nun alles bleiben, wie es ist, vor 2014 werde es keinen Abriss geben, sagt Siegismund. So lange macht er sich noch Gedanken darüber, was mit dem durchaus einzigartigen Inventar geschieht. Das Sudfass verdankt seine Berühmtheit nicht zuletzt der Ausstattung mit italienischen Zimmern, Spiegel-Räumen, unzweideutigen Skulpturen und viel Plüsch. Womöglich werde man zum Abschluss einen Basar machen, sagt der Verwalter, „da finden sich bestimmt Käufer für den ganzen Kram“.

Siegismund selbst wird in jedem Fall im Geschäft bleiben, die Sperrgebietsverordnung hat er als Kläger gerade erst gekippt, wegen eines Massage-Salons in Bornheim, den er betreibt.
Aber natürlich ist das nicht dasselbe: „Wer das Sudfass nicht kennt, hat das Leben verpennt“, reimt er. Noch ist ja immerhin ein Jahr Zeit.

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