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U2 in Frankfurt: Bühne für die Großen

Konzertmanager Ossy Hoppe spricht im FR-Interview über das U2-Konzert im Eintracht-Stadion.

U2-Tourveranstalter und Ur-Gestein Ossy Hoppe.
U2-Tourveranstalter und Ur-Gestein Ossy Hoppe.
Foto: FR/Schick

Herr Hoppe, wie geht’s Bono?

Offensichtlich so gut, dass er heute im Stadion spielen wird. Es läuft alles wie geplant.

Werden Sie ihn treffen?

Auf jeden Fall. Vor der Show, wenn die Band so weit ist, werden wir miteinander reden.

Da gibt es also keine Aufregung mehr bei Ihnen?

Die Vorbereitungen sind seit Monaten im Gange. Da arbeiten Profis. Außerdem ist es nicht das erste U2-Konzert für mich, sondern bereits das elfte.

Ist die U2-Tournee, die Sie zusammen mit Marek Lieberberg veranstalten, das wichtigste Einzelgeschäft des Jahres?

Es ist für uns als kleinere Firma natürlich wichtig, einen Act zu haben, der weltweit Bedeutung besitzt. Da freuen wir uns.

Die Tickets im – nicht ausverkauften – Stadion kosten zwischen 68 und 177 Euro. Wo, glauben Sie, liegt die Schmerzgrenze für die Fans?

Ich bin ein Verfechter der Billig-Tickets gewesen in der Vergangenheit. Aber es hat sich gezeigt, dass der Fan die Preise zahlt, die aufgerufen werden, wenn er ein Konzert gern sehen will und die Qualität stimmt. Im Übrigen erfindet nicht der Veranstalter die Preise. Das sind Vorgaben, die wir bekommen.

Zur Person

Ossy Hoppe gehört wie Marek Lieberbeg zu den Veteranen des Konzert-Geschäfts in Deutschland. Seine Karriere
begann, als er 1973 eine Band fragte, ob er mit auf Tour gehen dürfe. Der Name der Band: Deep Purple.


Wizard Promotions gründete der heute 60-Jährige im Jahr 2004. Hoppe betreut unter anderem U2, Metallica, Sting und Eric Clapton. Seine Firma
promotet auch Nachwuchs-Künstler wie Jamie Cullum und Kings Of Leon.

Das heißt, das Management einer Band wie U2 nennt Ihnen eine Summe, und Sie müssen dann sehen, wie Sie diese Summe finanzieren?

Also, in den Gesprächen geben wir Empfehlungen, wann aus unserer Sicht die Schmerzgrenze erreicht ist. Bei U2 darf man nicht vergessen, dass es die momentan größte Produktion im Musikgeschäft ist, die sehr viel Geld kostet. Allgemein gilt aber bei Verhandlungen: Wir können auch nein sagen.

Die Konzertveranstalter sind die Gewinner in der Dauerkrise der Musikindustrie. Selbst alte Bands steigen aus der Gruft und gehen auf Tour. Glauben Sie, dass der Trend anhält?

Ich denke, es wird sich halten. Die Veranstalter haben aber nicht immer positive Ergebnisse verbucht. Da für viele Bands nicht mehr Tonträger-Verkäufe, sondern Konzerte die Haupteinnahmequelle geworden sind, schrauben sie ihre Ansprüche hoch. Aber nicht jeder, der viel Geld verlangt, ist auch viel Geld wert.

Trotzdem geht’s Ihnen doch gut.

Wir als Wizard Promotions können uns nicht beschweren. Zumal wir ein sehr kleines Team mit neun Leuten sind und kostenbewusst arbeiten.

Im Veranstaltungsgeschäft sind langjährige persönliche Kontakte Gold wert. Die Scorpions kennen Sie lange. Bei deren Abschiedstournee sind Sie aber nicht mit im Boot.

Weil ich nicht an den Erfolg glaubte. Ich habe nicht erwartet, dass das Interesse so groß sein würde. Da sehen Sie, wie oft man falsch liegen kann. Aber das ändert nichts daran, dass die Scorpions und ich gute Freunde sind.

Die waren neulich ja auch Gast bei Ihrem 60. Geburtstag.

Genau.

Treue zahlt sich also aus?

Also, wenn Sie Loyalität haben wollen, dann kaufen Sie sich einen Hund. Klar gibt es loyale Künstler, aber Sie sind nicht davor gefeit, plötzlich nicht mehr erste Wahl zu sein.

Im Frankfurter Stadion sind Konzerte selten. Gibt es zu wenige Superstars?

Ein entscheidender Punkt ist, dass das Stadion nicht genug Kapazität hat. Ins Münchner Olympiastadion gehen 70000 bis 74000 Zuschauer, in die Schalke Arena bis zu 55000. In Frankfurt ist bei knapp über 40000 Schluss. Wenn eine Band dann nur zwei, drei Konzerte in Deutschland spielt, geht sie in die großen Stadien.

Auch Auftritte junger, hoch gehandelter Bands gehen oft an Frankfurt vorbei. Die spielen in Berlin, Hamburg, München und Köln. Das war’s.

Viele dieser Bands müssen plötzlich in aller Welt spielen. Da bleiben nur wenige Deutschland-Termine übrig. Dann wollen die Plattenfirmen, dass die Bands dort spielen, wo die Firma ihren Sitz hat, Berlin zum Beispiel. Und dann ist die Frage: Welches sind die wichtigsten Medienstädte?

Frankfurt jedenfalls nicht.

Eben. Das sind die von Ihnen genannten Städte. Und wir haben hier auch nicht die große Auswahl an Spielstätten.

Warum sitzt aber Ihre Firma in Frankfurt und nicht in Berlin?

Ich bin ja in Frankfurt aufgewachsen bei meinen Großeltern und habe hier auch studiert. Dann bin ich viel in der Welt rumgekommen. Ich bin kein Berliner. Ich bin ein Frankfurter. Hier sind meine Jugendfreunde und – wichtig für einen Veranstalter – die Stadt liegt verkehrsgünstig.

Interview: Volker Mazassek

Datum:  9 | 8 | 2010
Kommentare:  1
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