Die Zustände in den vergangenen Jahren hat Sbibo Al Mussauwi noch genau vor Augen. „Wie im Slum“ habe es im Jugendclub an der Ludwig-Landmann-Straße in Hausen ausgesehen. „Keine Toilette, keine Heizung, kein laufendes Wasser. Und der Kühlschrank war auch kaputt“, beschreibt Al Mussauwi die Verhältnisse im alten Jugendclub. Hingegangen ist der mittlerweile 18-jährige trotzdem. Fünf Jahre lang. Fast jeden Tag. Der Grund? Er hat sich wohlgefühlt – genau wie seine Freunde. „Wir haben immer gechillt – mit Joachim“, sagt Mussauwi.
Joachim, Nachname Wöhle, war die zentrale Figur im Jugendclub. Und er ist es auch im Jugendhaus, das als lang erwarteter Nachfolger der alten Bretterbude die Jugendarbeit in Hausen nach vorne bringen soll. Sozialarbeiter Wöhle hatte den Jugendclub am Rande des Brentanobads Mitte der 90er selbst mit aufgebaut. 2001 begann er sich mit Nachdruck für ein neues Gebäude einzusetzen.
Dass bis dahin noch neun weitere Jahre vergehen würden, hätte Wöhle, der 2006 als fraktionsloses Mitglied in den zuständigen Ortsbeirat 7 einzog, damals nicht gedacht. Bis zu 700.000 Euro hat der in Passivhausbauweise und mit einem „grünen Dach“ errichte Neubau die Stadt Frankfurt gekostet.
In einer anderen Galaxie
Der am Mittwoch eröffnete, 210 Quadratmeter große Neubau wurde ab September vergangenen Jahres hochgezogen. Gewerkelt wurde im neuen Jugendhaus bis zum Schluss. Demnächst soll auch noch eine Bühne installiert werden, die in Kombination mit dem vorhandenen Mischpult die Möglichkeiten zu kurzfristigen Auftritten von Musikbands geben soll. Genau wie der bereits fertige Kraftraum gehörte dies zu den Wünschen der Hausener Jugendlichen. Herzstück des hellen und freundlichen „Schmuckstücks“, wie Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld das rotangestrichene Gebäude bei der Eröffnungsfeier nannte, ist das 80 Quadratmeter große Jugendcafe samt offener Küche. Ergänzt wird der zentrale Mittelpunkt durch einen angrenzenden „Mädchenraum“, einem kleinen Fitnessbereich – und Toiletten.
Christian Wernet (CDU), Ortsvorsteher des Ortsbeirats 7, schloss sich dem allgemeinen Lob an. „Ein Sprung in eine andere Galaxie“ sei das neue Jugendhaus, sagte Wernet und lobte auch das Außengelände. Der Bereich, auf dem künftig eine Beachvolleyball-Anlage und ein Hochseilgarten entstehen sollen, ist noch nicht endgültig fertig. Doch sehe es rund um das Jugendhaus „fast so aus wie im Palmengarten“. Vorfreude herrscht auch bei den Jugendlichen. Der 17-jährige Estefanio, sein Kumpel Endres oder eben Sbibo Al Mussauwi – alle sind zufrieden mit dem neuen Gebäude. Sozialarbeiter Wöhle glaubt an eine Signalwirkung. Statt den früher üblichen täglich 15 bis 30 Jugendlichen erwartet er mehr Interessierte.
Der Ansatz des Hauses mit einer offenen und aufsuchenden Jugendarbeit werde auch Kinder und junge Erwachsene aus Praunheim, Westhausen, Rödelheim und Bockenheim anlocken. Die Sozialarbeiter bekommen deswegen Verstärkung. Künftig wird eine dritte Mitarbeiterin eingestellt.
Jugendhaus Hausen, Ludwig-Landmann-Straße 338. Öffnungszeiten: Montags 13 bis 19 Uhr, dienstags 14 bis18 Uhr, mittwochs 13 bis 19 Uhr, donnerstags 15 bis 22 Uhr, freitags, 15 bis 22 Uhr und samstags, 18 bis 22 Uhr. Infos im Internet unter: www.awo-jugendtreff-hausen.de

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