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28. Januar 2011

Burschenschaften: Alle sind böse

 Von Georg Leppert
Alles Opfer. Erkennt man schon an den Mützen. Foto: dapd

Studentenverbindungen beklagen sich über Polizei, Justiz, Politik, die Medien und natürlich die Antifa. Und über ein gewisses überregionales Blatt mit grünem Strich im Titel auch.

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Korporationen

Convent Deutscher Akademiker: Er ist der Zusammenschluss der verschiedenen Dachverbände.

Burschenschaften: Stehen stark in der Kritik, da ihnen zum Teil eine sehr national ausgerichtete Denkweise und Verbindungen zur rechtsradikalen Szene anhaften. Die Burschenschaften selbst sind in zwei Dachverbände aufgegliedert: Deutsche Burschenschaft und Neue Deutsche Burschenschaft. Insgesamt beläuft sich die Zahl der Burschenschaften auf 141 Vereinigungen mit etwa 19.000 Mitgliedern. Sie unterteilen sich in schlagende und nicht schlagende Vereinigungen. Die schlagenden Gruppen führen regelmäßig Fechtkämpfe ( Mensuren) aus, die nicht schlagenden Verbindungen lehnen den Ritus ab. Die Burschenschaften verstehen sich- anders als andere Studentenvereinigungen - als politische Organisationen

Weitere Studentenverbindungen: Es gibt eine kleingliedrige Unterteilung der Verbände. Neben Burschenschaften gibt es etwa die Turner, Sänger und Jägerbünde sowie die Landsmannschaften und Corps. (prnk)

Die ganze Welt hat sich gegen Studentenverbindungen verschworen. Zumindest entsteht dieser Eindruck am Freitag im Presseclub, wo Joachim Schön und Frank Grobe zum Rundumschlag ausholen. Schön ist Vorsitzender des Convents Deutscher Akademikerverbände (CDA). Der Dachverband der Verbindungen in Deutschland hat zu der Pressekonferenz eingeladen. Frank Grobe ist Mitglied der Burschenschaft Teutonia Aachen. Er stellt am Freitag seine Studie „Gewalt gegen Korporationen“ vor, in der 102 Vorfälle aufgezählt sind, die laut Grobe Straftaten gegen Studentenverbindungen darstellen.

Alle sind böse. Vor allem die Linken. Die, so betont Grobe, seien für die meisten der Straftaten verantwortlich. Sachbeschädigungen an Verbindungshäusern, Brandstiftungen an Autos von Korporierten, Beleidigungen, Bedrohungen… fast immer begangen vom linken Spektrum. Vor allem die „selbst ernannte Antifa“ (Grobe) kommt in der Studie ganz schlecht weg.

Rufe nach Selbstschutz

Unmöglich sind aber auch die Medien. Insbesondere die überregionalen. Die berichteten nämlich so gut wie nie über die Angriffe.

Aber es gibt noch eine Steigerung. Die unmöglichste Zeitung unter den unmöglichen Medien ist die Frankfurter Rundschau. Die hatte sich erdreistet zu schreiben, dass es bei mehreren Burschenschaften klare rechtsextreme Tendenzen gibt. Etwa bei der Germania in Kassel, bei der nach FR-Recherchen der mittlerweile gestorbene Neonazi Jürgen Rieger auftrat. Die Berichterstattung, die im vergangenen Jahr im Vorfeld des Rhein-Main-Kommerses in Frankfurt und Darmstadt erschien, ist in der Studie als eine der 102 Straftaten aufgeführt. Die Rede ist von „Verleumdung und übler Nachrede“. Ermittlungen der Staatsanwaltschaft hat es wegen der Artikel in der Frankfurter Rundschau freilich nie gegeben.

Aber die Staatsanwaltschaft ist ja auch böse. Genauso wie die Polizei. Die Behörden „tun viel zu wenig für den Schutz der Verbindungen“, sagt Grobe: „Das Vertrauen in Polizei und Justiz schwindet rapide“, sagt er. Viele Studentenverbindungen zeigten Straftaten schon gar nicht mehr an, da sie der Meinung seien, „dass das ohnehin nichts bringt“. Und dann spricht Grobe plötzlich vom „akademischen Selbstschutz“. Die Rufe danach würden immer lauter. Ins Detail geht er nicht, lieber versichert er schnell: „Sicherheit ist natürlich Sache des Staates.“

Böse ist im Übrigen auch die Politik. Zwar säßen im Bundestag immerhin sechs Burschenschafter. Dennoch seien die Politiker nicht in der Lage, die Studentenverbindungen wirksam zu schützen. Dabei habe die Gewalt gerade an traditionsreichen Hochschulstandorten wie Bonn und Marburg stark zugenommen. „Wenn es so weitergeht, wird es irgendwann ein Todesopfer geben“, sagt Grobe. Dann zeigt er Bilder: von Verbindungsstudenten, die vor einer Versammlung ihr Haus mit Brettern verrammeln, von einem Burschenschafter, der mit gebrochener Nase im Krankenhaus liegt, von acht Korporierten, die am Vatertag mit einem Bollerwagen voller Bier durch Göttingen ziehen und dabei von drei Polizeiautos begleitet werden. „Zu ihrem Schutz“, wie Grobe betont.

Keine Verbindungsart wurde laut der Studie von Angriffen verschont. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Die ganz überwiegende Zahl der Attacken galt Mitgliedern der Deutschen Burschenschaft (DB), die wegen ihrer Nähe zu Rechtsextremen bereits seit Jahren in der Kritik steht.

Es gebe aber „keine Veranlassung, die DB auszuschließen“, sagt Joachim Schön. Und Einfluss nehmen könne er als CDA-Vorsitzender auf einzelne Gruppen schon mal gar nicht. Das findet dann auch ein Vertreter der Deutschen Burschenschaft, der sich im Presseclub spontan zu Wort meldet: „Eine demokratische Gesellschaft“, sagt er, „muss auch Extreme ertragen.“

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