Frankfurt
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04. November 2011

Chaos auf den Straßen: Vom täglichen Frankfurter Verkehrs-Wahnsinn

 Von Claudia Michels
Kein Raum für schräge Kunst: Nur am Straßenrand darf Rabbatz gemacht werden.  Foto: Michael Schick

Ein Kirchturm steht mitten auf dem Bürgersteig, die Berliner Straße ist eine Barriere auf dem Weg zum Main und vorm Hauptbahnhof herrscht ein Durcheinander von Rampen, Gittern, Zäunen - in Frankfurt herrscht verkehrstechnisch jeden Tag der Wahnsinn.

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Ein Kirchturm steht mitten auf dem Bürgersteig, die Berliner Straße ist eine Barriere auf dem Weg zum Main und vorm Hauptbahnhof herrscht ein Durcheinander von Rampen, Gittern, Zäunen - in Frankfurt herrscht verkehrstechnisch jeden Tag der Wahnsinn.

Es ist ja nicht so, dass Frankfurt keine Baustellen hätte. Doch seit eh und je scheint Konsens, dass der allermeiste Raum für den (Auto-)Verkehr abgeteilt und für Fußgänger tabu ist. Und wenn die Straßenbauer abgezogen sind, sieht das selten anders aus.

Wenigstens wächst die Zahl der Zweifler, wie sich am Donnerstag zeigte. Einer Führung der Bundesstiftung Baukultur, die ab Hauptbahnhof über Gutleut- und Berliner Straße gen Osten führte und dabei schlimme Autokreuzungen und Schnellstraßen passierte, schlossen sich 100 Interessierte an. „Das Thema in die Medien zu kriegen, damit es von Architekten aufgenommen wird“ – das war für den Stiftungsvorsitzenden Michael Braum das Ziel.

Die These: „Schneisen, Trassen. Straßenkreuzungen – der Verkehr rast heute durch unsere Städte und überholt vielerorts die Baukultur.“ Braum fragte in die Runde beim Start: „Wann hat einer von Ihnen zuletzt mal über die Schönheit einer Straße nachgedacht?“ Von Schönheit war auf der Tour tatsächlich nur am Rande die Rede. Etwa am Rand des Bahnhofsvorplatzes, dessen „gut eingefasste bebaute Kanten“ der Stadtplaner Willi Hüsler aus Zürich lobte. Um zu ergänzen, das dortige Durcheinander von Rampen, Gittern, Lüftungen und Aufzügen, Zäunen, Treppen, Schildern, Stellwänden, Unter- und Überführungen sei „radikal auszumisten“. Und auch auf dem Weg durchs Bahnhofsviertel entfuhr einer Teilnehmerin der Satz: „Wirklich tolle Häuser hier!“

Berliner wird schmaler gemacht

Dann hatte man nur noch mit dem täglichen Verkehrs-Wahnsinn zu tun, etwa an der Gutleut-/ Weserstraße, wo der Turm der Weißfrauenkirche mitten auf dem Bürgersteig steht, seit man der Kirche beim Bau des Theatertunnels den Kirchplatz abgeschnitten hat. Jener Tunnel hat auch die Berliner Straße zur Schlucht gemacht und das Karmeliterkloster auf eine Insel verbannt. Nur ein Steg hält noch die zwei Hälften der Bethmannstraße zusammen.

Das zu betonen, hatte man Performance-Künstler angeheuert. Die wollten Reisekoffer über all die Straßen wuchten und akrobatische Kunststücke machen. Dann kam die Stadtpolizei und verhinderte das Event; nur am Rand von Autoschneisen ist Kunst erlaubt. So wandte sich der Tross zur Berliner Straße. „Wenn Sie hier links reinschauen, sehen Sie das Goethehaus“, informierte Moderatorin Ursula Stein. Es gab aber keinen, der einen Blick riskiert hätte.

Doch die Berliner Straße, erfuhr man zum Schluss, wird bald schmaler gemacht, also langsamer. Der Plan, sagte Planungsamtsleiter Dieter von Lüpke, „hat eine Chance auf Durchsetzung“.

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