kalaydo.de Anzeigen

Frankfurt
Berichte und Bilder von allen wichtigen Ereignissen in Frankfurt

15. Juli 2011

Chaotische Fans: Nie mehr Randalemeister

 Von Georg Leppert und Ingo Durstewitz
Frankfurter Fans feiern sich selbst mit Feuerwerkskörpern und einem Transparent als "Deutscher Randlemeister 2011".  Foto: dpa

Eintracht Frankfurt will gegen Chaoten in der Fankurve durchgreifen – nicht zuletzt, weil Sponsoren abzuspringen drohen. Die meisten Fans wollen den Verein beim Wiederaufstieg unterstützen, doch mit etwa 400 Randalierern hat es zuletzt immer wieder Ärger gegeben.

Drucken per Mail
Randale

In den vergangenen Monaten gab es häufig Ärger mit Eintracht-Fans.
17. Oktober 2010, Kaiserslautern: Eintracht-Fans kündigen ein „Schlachtfest“ beim Auswärtsspiel in der Pfalz an. Es bleibt friedlich.
12. Februar 2011, Offenbach: Vor dem Spiel gegen Leverkusen überfallen Frankfurter Hooligans in Offenbach eine Kneipe, in der sich Offenbacher und Leverkusener Fans getroffen hatten. Schon im Hinspiel hatte es Ärger gegeben: Weibliche Eintracht-Anhänger mussten sich am Stadion ausziehen. Die Ordner dachten, sie wollten in ihrer Unterwäsche Böller in die Kurve schmuggeln.
5. März 2011, Frankfurt: Beim Rückspiel gegen Lautern gibt es die schwersten Krawalle seit Jahren. Eintracht- und FCK-Fans prügeln aufeinander ein. Das Spiel beginnt mit Verspätung.
30. April 2011, Mainz/Frankfurt: Nach der 0:3-Schlappe in Mainz wollen Eintracht-Fans am Frankfurter Stadion die Mannschaft zur Rede stellen. Es gibt Scharmützel mit der Polizei, ein Zivilpolizist gibt einen Warnschuss ab.
7. Mai 2011, Frankfurt: Platzsturm nach der Niederlage gegen Köln.
14. Mai 2011, Dortmund: Nach einem Tor für die Eintracht zünden Fans Bengalos und Böller, entrollen ein Transparent „Deutscher Randalemeister 2011“.
2. Juli 2011, Bern: Nach dem Freundschaftsspiel gibt es Schlägereien. geo

Dieser Tage war Heribert Bruchhagen in der Mainova-Zentrale in Bockenheim zu Gast. Der Energieversorger gab bekannt, dass er die Eintracht auch weiterhin finanziell unterstützen wird. Bruchhagen, von Beruf Vorstandsvorsitzender des Zweitligisten, mag solche Termine. Doch die Veranstaltung bei der Mainova hatte auch einen bitteren Beigeschmack. Erstmals sprach ein Sponsor öffentlich aus, dass die wiederholten Ausschreitungen der Eintracht-Fans für den Verein nicht nur peinlich und ärgerlich sind, sondern zu einer echten wirtschaftlichen Gefahr werden können. Die Mainova jedenfalls habe durchaus überlegt, das Sponsoring nicht zu verlängern, sagte Vorstandschef Constantin Alsheimer. Mit Bildern von randalierenden Fans will eben kein Unternehmen in Verbindung gebracht werden. Sollte es in der kommenden Saison wieder so viel Ärger geben wie in der abgelaufenen Spielzeit, drohen Sponsoren abzuspringen.

Nicht zuletzt deshalb hat Bruchhagen das Thema Fans zur Chefsache gemacht. „Wir werden jetzt handeln“, sagt der Vorstandschef und klingt entschlossen. Die zahlreichen Vorfälle hätten nicht nur dazu geführt, dass die Eintracht vom Sportgericht dazu verurteilt wurde, das erste Heimspiel vor höchstens 14000 eigenen Fans auszutragen. „Diese Randalierer machen auch unser Image kaputt.“ Das Bild von Eintracht-Anhängern, die beim letzten Saisonspiel in Dortmund am Zaun stehen und das Transparent „Deutscher Randalemeister 2011“ hochhalten, während um sie herum Pyrotechnik gezündet wird, „das wird uns noch acht Jahre lang verfolgen“, glaubt Bruchhagen.

Hoffnungen setzen sie bei der Eintracht auf einen Maßnahmenkatalog, der den Fans dieser Tage präsentiert wird. Er regelt, dass Vergünstigungen wegfallen, wenn es wieder Probleme geben sollte. Bislang dürfen etwa die Ultras ihre großen Fahnen in einem Raum im Stadion aufbewahren, sie dürfen schon Stunden vor dem Spiel in die Arena, um Banner aufzuhängen und Choreografien vorzubereiten. Mit diesen Sonderrechten wird wohl Schluss sein, wenn es noch einmal Ärger gibt.

Und dabei muss es nicht bleiben. Noch ist der Maßnahmenkatalog nicht öffentlich vorgestellt worden, doch dass einzelne Gewalttäter mit Stadionverboten belegt werden können, wenn sie wieder auffällig werden, ist anzunehmen. Im Übrigen: Über den Katalog werde mit den Fans nicht gesprochen, sagt Bruchhagen, die Anhänger müssten ihn einfach akzeptieren.

Die Zeit, in der die Eintracht in erster Linie auf Kommunikation mit den Anhängern setzte, scheint vorbei zu sein. Denn klar ist, dass auch der DFB genau hinschauen wird, was in Frankfurt passiert. Sollte wieder das Spielfeld gestürmt werden, dürfte die nächste Strafe ein Heimspiel ganz ohne Zuschauer sein. Und so würden sich die Sanktionen steigern, bis irgendwann ein Punktabzug in der Tabelle droht.

So weit darf es nicht kommen, sagt auch Polizeidirektor Lutz Wiese, der bei Heimspielen oft Einsatzleiter ist. Er geht von einer „spannenden, aber leider nicht entspannten Saison“ aus. Rund 400 Anhänger bezeichnet Wiese als „Problemfans“, 150 davon seien Hooligans im klassischen Sinne.

Strafen für Ausschreitungen

Hinzu kommen noch knapp 130 Personen, die Stadionverbot haben, aber im Umfeld der Zweitligaarenen für größeren Ärger sorgen könnten. Denn für gewaltbereite Fans sind einige Fahrten zu Auswärtsspielen interessant, obwohl sie nicht ins Stadion dürfen. Das Randale-Potenzial sei „gerade in den neuen Bundesländern“ sehr hoch, sagt Lutz Wiese. Mit Sorge blickt die Polizei etwa auf die Partien in Dresden oder in Rostock. Zumal dort noch ein anderes Problem hinzukommt. Viele Eintracht-Fans zählen politisch eher zum linken Lager, einige Ultras sind regelmäßig auch bei Demonstrationen der Autonomen Antifa dabei, wie etwa zuletzt bei den Protesten gegen die Innenministerkonferenz in Frankfurt. In den Fankurven von Dresden und Rostock herrscht dagegen eine rechte Gesinnung. „Da kommt dann noch eine politische Komponente hinzu“, sagt Wiese.

Dass die Eintracht konsequent gegen Randalierer vorgehen möchte, begrüßt der Polizeidirektor. Seine Beamten wollten den Druck auf die Fans zunächst aber nicht verstärken. „Wir sehen die neue Saison als Neustart“, sagt Wiese. Sollte es aber wieder Probleme geben, werde die Polizei sofort einschreiten: „Dann räumen wir eben einen Zugangsweg zum Stadion, wenn die Fans der gegnerischen Mannschaft kommen, und dann können sich die Eintracht-Fans dort eben nicht mehr treffen.“

Heribert Bruchhagens Unterstützung hätte die Polizei in so einem Fall wohl. Er ist mächtig sauer auf die Randalierer unter den Fans. „Ich kann ja noch nicht einmal mehr ein Freundschaftsspiel in Wehen oder Darmstadt organisieren“, sagt er: „Da bekommen wir 15000 Euro Antrittsprämie und zahlen hinterher 20000 Euro Strafe wegen Fan-Ausschreitungen.“

Jetzt kommentieren

Übersicht

Wir informieren Sie aus der ganzen Region. Nachrichten aus Ihrer Stadt können Sie als Newsfeed abonnieren - klicken Sie dazu bitte auf das orange Symbol.

Übersichtsseite Frankfurt/Rhein-Main

Frankfurt

Rhein-Main

Bad Homburg, Hochtaunus

Bad Vilbel, Wetterau

Darmstadt

Kreis Groß Gerau

Hanau, Main-Kinzig

Main-Taunus

Mainz

Offenbach

Kreis Offenbach

Wiesbaden

Online-Kataloge
In eigener Sache

Die Zukunft der Frankfurter Rundschau ist gesichert. Die Eigentümer betonen, es gibt keinen Einfluss auf das gewachsene politische Profil. Chefredakteur Festerling blickt nach vorne: "Wir haben einiges vor."

Anzeige
Glosse
        

Da steht sie auf ihrem Brunnen in der Klappergasse.

Unglaubliche Geschichten aus dem Frankfurter Alltag - notiert von Frau Rauscher.

Felix Helbig ist tot

Mit nur 32 Jahren starb unser Freund und Kollege Felix Helbig am 13. Februar 2013. Auf dieser Seite erinnern wir uns an ihn und veröffentlichen nochmal seine schönsten und bedeutendsten Texte.

Spezial

Ein Schwarzer gerät in der U-Bahn in Konflikt mit Fahrkarten-Kontrolleuren und der Polizei Frankfurt. Am Ende liegt er im Krankenhaus. Die Polizei sieht sich Rassismus-Vorwürfen ausgesetzt. Das Spezial.


Spezial: Vorwürfe gegen Polizei Frankfurt
Zur Sache

Derege Wevelsiep steigt Mitte Oktober mit gültigem Fahrausweis in eine Frankfurter U-Bahn - und wird nach einem Wortgefecht mit Kontrolleuren von herbeigerufenen Polizisten verprügelt.

Wegen seiner Verletzungen muss er drei Tage im Krankenhaus bleiben.

Die Frankfurter Polizei ermittelt intern gegen vier Beamte des 6. Reviers, die der äthiopischstämmige Diplom-Ingenieur beschuldigt, ihn geschlagen zu haben. Sein Anwalt wirft den Beamten Hausfriedensbruch, Beleidigung und Körperverletzung vor.

Im Internet bricht ein Sturm der Entrüstung los, über soziale Netzwerke wird eine Solidaritäts-Demo organisiert.

Auch der Landtag befasst sich mit dem Fall.

Spezials
Social Media
In Twitter informieren wir als FRlokal über Frankfurt und Rhein-Main. Folgen Sie uns!
Spezial: Frankfurt Flughafen

Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten gleichermaßen: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten. Das Spezial.


Spezial: Der Flughafen wächst weiter
Mountainbike-Touren im Video
Spezial

Frankfurt unter Peter Feldmann - ein Oberbürgermeister sucht seinen eigenen Stil. Das Spezial.


Spezial: Peter Feldmanns Politik
Instrument lernen in Frankfurt
Trompete steht bei kindern hoch im Kurs.

Musik ist etwas Wunderbares - besonders wenn man selbst ein Instrument erlernt. Doch welche Schule in Frankfurt ist für wen die richtige?

Altenhilfe der FR

Spendenkonten, Bankverbindung, Online-spenden und Informationen zu Spendenquittungen.