In den vergangenen Monaten gab es häufig Ärger mit Eintracht-Fans.
17. Oktober 2010, Kaiserslautern: Eintracht-Fans kündigen ein „Schlachtfest“ beim Auswärtsspiel in der Pfalz an. Es bleibt friedlich.
12. Februar 2011, Offenbach: Vor dem Spiel gegen Leverkusen überfallen Frankfurter Hooligans in Offenbach eine Kneipe, in der sich Offenbacher und Leverkusener Fans getroffen hatten. Schon im Hinspiel hatte es Ärger gegeben: Weibliche Eintracht-Anhänger mussten sich am Stadion ausziehen. Die Ordner dachten, sie wollten in ihrer Unterwäsche Böller in die Kurve schmuggeln.
5. März 2011, Frankfurt: Beim Rückspiel gegen Lautern gibt es die schwersten Krawalle seit Jahren. Eintracht- und FCK-Fans prügeln aufeinander ein. Das Spiel beginnt mit Verspätung.
30. April 2011, Mainz/Frankfurt: Nach der 0:3-Schlappe in Mainz wollen Eintracht-Fans am Frankfurter Stadion die Mannschaft zur Rede stellen. Es gibt Scharmützel mit der Polizei, ein Zivilpolizist gibt einen Warnschuss ab.
7. Mai 2011, Frankfurt: Platzsturm nach der Niederlage gegen Köln.
14. Mai 2011, Dortmund: Nach einem Tor für die Eintracht zünden Fans Bengalos und Böller, entrollen ein Transparent „Deutscher Randalemeister 2011“.
2. Juli 2011, Bern: Nach dem Freundschaftsspiel gibt es Schlägereien. geo
Dieser Tage war Heribert Bruchhagen in der Mainova-Zentrale in Bockenheim zu Gast. Der Energieversorger gab bekannt, dass er die Eintracht auch weiterhin finanziell unterstützen wird. Bruchhagen, von Beruf Vorstandsvorsitzender des Zweitligisten, mag solche Termine. Doch die Veranstaltung bei der Mainova hatte auch einen bitteren Beigeschmack. Erstmals sprach ein Sponsor öffentlich aus, dass die wiederholten Ausschreitungen der Eintracht-Fans für den Verein nicht nur peinlich und ärgerlich sind, sondern zu einer echten wirtschaftlichen Gefahr werden können. Die Mainova jedenfalls habe durchaus überlegt, das Sponsoring nicht zu verlängern, sagte Vorstandschef Constantin Alsheimer. Mit Bildern von randalierenden Fans will eben kein Unternehmen in Verbindung gebracht werden. Sollte es in der kommenden Saison wieder so viel Ärger geben wie in der abgelaufenen Spielzeit, drohen Sponsoren abzuspringen.
Nicht zuletzt deshalb hat Bruchhagen das Thema Fans zur Chefsache gemacht. „Wir werden jetzt handeln“, sagt der Vorstandschef und klingt entschlossen. Die zahlreichen Vorfälle hätten nicht nur dazu geführt, dass die Eintracht vom Sportgericht dazu verurteilt wurde, das erste Heimspiel vor höchstens 14000 eigenen Fans auszutragen. „Diese Randalierer machen auch unser Image kaputt.“ Das Bild von Eintracht-Anhängern, die beim letzten Saisonspiel in Dortmund am Zaun stehen und das Transparent „Deutscher Randalemeister 2011“ hochhalten, während um sie herum Pyrotechnik gezündet wird, „das wird uns noch acht Jahre lang verfolgen“, glaubt Bruchhagen.
Hoffnungen setzen sie bei der Eintracht auf einen Maßnahmenkatalog, der den Fans dieser Tage präsentiert wird. Er regelt, dass Vergünstigungen wegfallen, wenn es wieder Probleme geben sollte. Bislang dürfen etwa die Ultras ihre großen Fahnen in einem Raum im Stadion aufbewahren, sie dürfen schon Stunden vor dem Spiel in die Arena, um Banner aufzuhängen und Choreografien vorzubereiten. Mit diesen Sonderrechten wird wohl Schluss sein, wenn es noch einmal Ärger gibt.
Und dabei muss es nicht bleiben. Noch ist der Maßnahmenkatalog nicht öffentlich vorgestellt worden, doch dass einzelne Gewalttäter mit Stadionverboten belegt werden können, wenn sie wieder auffällig werden, ist anzunehmen. Im Übrigen: Über den Katalog werde mit den Fans nicht gesprochen, sagt Bruchhagen, die Anhänger müssten ihn einfach akzeptieren.
Die Zeit, in der die Eintracht in erster Linie auf Kommunikation mit den Anhängern setzte, scheint vorbei zu sein. Denn klar ist, dass auch der DFB genau hinschauen wird, was in Frankfurt passiert. Sollte wieder das Spielfeld gestürmt werden, dürfte die nächste Strafe ein Heimspiel ganz ohne Zuschauer sein. Und so würden sich die Sanktionen steigern, bis irgendwann ein Punktabzug in der Tabelle droht.
So weit darf es nicht kommen, sagt auch Polizeidirektor Lutz Wiese, der bei Heimspielen oft Einsatzleiter ist. Er geht von einer „spannenden, aber leider nicht entspannten Saison“ aus. Rund 400 Anhänger bezeichnet Wiese als „Problemfans“, 150 davon seien Hooligans im klassischen Sinne.
Strafen für Ausschreitungen
Hinzu kommen noch knapp 130 Personen, die Stadionverbot haben, aber im Umfeld der Zweitligaarenen für größeren Ärger sorgen könnten. Denn für gewaltbereite Fans sind einige Fahrten zu Auswärtsspielen interessant, obwohl sie nicht ins Stadion dürfen. Das Randale-Potenzial sei „gerade in den neuen Bundesländern“ sehr hoch, sagt Lutz Wiese. Mit Sorge blickt die Polizei etwa auf die Partien in Dresden oder in Rostock. Zumal dort noch ein anderes Problem hinzukommt. Viele Eintracht-Fans zählen politisch eher zum linken Lager, einige Ultras sind regelmäßig auch bei Demonstrationen der Autonomen Antifa dabei, wie etwa zuletzt bei den Protesten gegen die Innenministerkonferenz in Frankfurt. In den Fankurven von Dresden und Rostock herrscht dagegen eine rechte Gesinnung. „Da kommt dann noch eine politische Komponente hinzu“, sagt Wiese.
Dass die Eintracht konsequent gegen Randalierer vorgehen möchte, begrüßt der Polizeidirektor. Seine Beamten wollten den Druck auf die Fans zunächst aber nicht verstärken. „Wir sehen die neue Saison als Neustart“, sagt Wiese. Sollte es aber wieder Probleme geben, werde die Polizei sofort einschreiten: „Dann räumen wir eben einen Zugangsweg zum Stadion, wenn die Fans der gegnerischen Mannschaft kommen, und dann können sich die Eintracht-Fans dort eben nicht mehr treffen.“
Heribert Bruchhagens Unterstützung hätte die Polizei in so einem Fall wohl. Er ist mächtig sauer auf die Randalierer unter den Fans. „Ich kann ja noch nicht einmal mehr ein Freundschaftsspiel in Wehen oder Darmstadt organisieren“, sagt er: „Da bekommen wir 15000 Euro Antrittsprämie und zahlen hinterher 20000 Euro Strafe wegen Fan-Ausschreitungen.“
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