Sonne und satte 19 Grad am Wochenende, ab jetzt gibt es definitiv keinen Grund mehr, das Fahrrad stehen zu lassen. Das Eis ist Vergangenheit, nur ein wenig getrockneter Schlamm als letzte Erinnerung an das Hochwasser ist auf dem Mainradweg hinter Fechenheim übrig geblieben. Egal, der laue Fahrtwind streicht weich über die Wangen, die harte Realität holt Radler erst kurz vor der Mainkur wieder ein. Der löchrige Gehweg vor dem Gebrauchtwagenhändler und Bier Hannes nebenan bietet keinen Hinweis mehr auf die Radspur und ist auch an diesem Morgen – wie so oft – von Glassplittern übersät und von einem Kurzparker zugestellt.
Von maroden Radwegen mag Fritz Biel vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club in Frankfurt trotzdem nicht sprechen. Allenfalls von „Altlasten“, letzten noch nicht sanierten Pisten. „In der Stadt ist in den vergangenen Jahren viel gemacht worden.“
Viele Altlasten
Wer von Osten Richtung City radelt, hat es allerdings mit verdammt viel Altlasten zu tun. Erster Versuch über Fechenheim und dann am Main entlang. Holpriges Pflaster, geflickter Teer und Kanaldeckel lassen nicht gerade genussvoll gleiten, aber wenigstens ist die Radspur markiert, was kurz vorm alten Ortskern schon nicht mehr gilt. Ab jetzt gewinnt der Stärkere, erst in der Starkenburger Straße Richtung Main ist wieder eine schmale Spur mit weißer Farbe vom Gehsteig abgetrennt. Hilft aber auch nicht viel. Der Teer auf den knappen 90 Zentimetern ist löchrig, von Wurzeln der Bäume am Straßenrand aufgeworfen, unpassierbar und über weite Strecken ohnehin zugeparkt. Radfahren geht schöner.
Vom Osten her kommend allerdings nur bedingt. Auch die Gerade entlang der Hanauer, präsentiert sich holprig und obendrein riskant, weil alle Autofahrer, die reihenweise aus Bau- und Supermarkt-Parkplätzen oder Geschäftseinfahrten schießen, grundsätzlich von der eigenen Vorfahrt überzeugt sind. Radverkehr? Hier nicht. Die Hanauer ist auch für Biel und den ADFC ein dauerndes Ärgernis. „Der Querschnitt der Straße müsste komplett umgestaltet werden.“
Holprige Radwegpflaster
Dennoch bleibt er dabei, nicht von „marode“, sondern viel eher von „ungeeignet“ zu reden. Und da gibt es für den Lobbyisten des innerstädtischen Radverkehrs einiges zu bemängeln. Die hohen Bordsteinradwege aus den 80ern etwa, mit ständigem Auf und Ab vor jeder Einfahrt. Oder dass viele Radwegmarkierungen noch nicht über Einfahrten und Kreuzungen hinweggeführt werden, um Autofahrern zu signalisieren, auf Vorfahrt zu achten. Oder dass Nebenstraßen bis heute in Sachen Radspuren außen vor sind. Oder dass holprig gewordenes Radwegpflaster wie entlang der Bockenheimer Landstraße auch noch mit Pflanzkästen zugestellt ist.
Sünden der 80er. Für Biel im Rückblick verzeihlich – wütend wird er allerdings, wenn selbst nagelneue Pisten als Slalomstrecken angelegt werden, wie aktuell entlang der Friedberger Landstraße. Laternenmasten stehen mitten in der nagelneuen Radspur. „Und das trotz Jahrzehnten Radwegplanung“. Und obwohl an anderer Stelle das Ideal von Radweg par excellence realisiert worden ist. Etwa auf dem Teilstück der Adickesallee vor dem Polizeipräsidium oder der Bereich Friedrich-Ebert-Anlage/Platz der Republik.
Verbesserung schon lange beschlossen
2002 hätten die Stadtverordneten beschlossen, Bau- und Planungsstandards gemeinsam mit dem ADFC zu entwickeln, sagt Biel. Fehlanzeige bis heute. „Dafür haben wir in Frankfurt ein Sammelsurium an Radwegen“ – je nach Gusto des Bauleiters.
Immerhin, Frankfurt lässt bauen. Verkehrsreferent Ingmar Bolle verweist stichwortartig allein auf die Radspur im Bereich Neeb-, Heide- und Saalburgstraße. Auf den Lückenschluss am Fischstein, die neue Spur entlang der Mörfelder Landstraße, den Radweg zwischen Harheim und Nieder-Erlenbach. Und die Stadt baut weiter, sagt er: die Kurt-Schumacher soll noch im laufenden Jahr eine Radspur kriegen, ebenso Textor-, Hedderich- und die Wilhelm-Epstein-Straße.
Außerdem soll endlich auch die seit Jahren angekündigte Radroute von der Innenstadt bis Alt-Fechenheim kommen. Von der Kurt-Schumacher- via Sonnemannstraße, Ostpark Ratsweg, Erlenbruch, sagt Bolle. Bislang bleibt über diese Route nur die Matschpiste durch die sumpfige Aue oder die schmale Stolperpiste entlang des Erlenbruchs. Allerdings auch nur bis zu den U-Bahn-Stopps Schäfflestraße und Johanna-Tesch-Platz – die haben Geh- und Radspur unter sich begraben.

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