Aktuell: EZB-Eröffnung Blockupy Frankfurt | Widerstand gegen Pegida in Frankfurt | Zuwanderung in Rhein-Main | Polizeimeldungen

Frankfurt
Berichte und Bilder von allen wichtigen Ereignissen in Frankfurt

19. Januar 2012

Das Goldene Buch der Stadt: Die Signaturen der Prominenz

 Von Walter Budziak
Karlheinz Voß (59), gebürtiger Frankfurter und seit 2011 Protokollchef der Stadt hütet auch das Goldene Buch.

Goldene Bücher. Könige, Staatsoberhäupter, Botschafter und sonstige Prominente verewigen sich darin mit ihrer Unterschrift. Daneben bergen die hochoffiziellen Gästebücher auch einige kuriose Anekdoten. Zum Beispiel die vom Goldenen Buch der Stadt Frankfurt.

Drucken per Mail
Frankfurt –  

Die „Bibel der Stadt Frankfurt“ nennt Karlheinz Voß, im Hauptamt Chef des Protokolls, das Goldene Buch und betont damit die Sorgfalt, mit der es geführt und verwahrt wird. Sakral, groß wie ein Backblech, „im Stil eines Evangeliars“, ist es auch ausgestattet mit einem fingerdicken Einband, bezogen mit Leder und Blattgold.

Eine Intarsie aus Elfenbein prangt auf dem Buchdeckel. Zu sehen sind darauf die Wappen der Adelshäuser, die seit Karl dem Großen im Reich eine königliche oder gar kaiserliche Rolle spielten und somit auch die Geschicke der „freien Reichsstadt“ mitprägten. Der preußische Adler für die Jahre, als das Königreich Preußen Frankfurt einverleibt hatte, und der Adler der Stadt ergänzen die Symbole einer kontinuierlichen und gleichzeitig wechselvollen Stadtgeschichte.

Und die Einträge? Auch hier gilt: Erlesener, ranghöher geht es nicht. Wilhelm II., Deutscher Kaiser und König von Preußen, höchstselbst gab sich 1904 die Ehre, den ersten Band des Goldenen Buchs mit seiner Unterschrift zu adeln. Diese und alle nachfolgenden Signaturen lagern heute bestens gehütet im Institut für Stadtgeschichte, wie beispielsweise auch die des US- Präsidenten J. F. Kennedy, eingetragen 1963 kurz vor seiner Ermordung am 22. November. In Gebrauch ist seit 1968 Band 2 der Sammlung von Einträgen hochrangiger Würden- und Preisträger aus aller Welt. Etwa die Hälfte der Seiten des etwa faustdicken Buchs ist auch nach mehr als vier Jahrzehnten noch leer, was die Erlesenheit der Auswahl unterstreicht.

„Außenminister oder Vizepremier“ sollte man schon sein, sagt Voß, wenn man sich als Politiker im Goldenen Buch verewigen will. „Irgendein Minister“ sei „nicht karätig genug“, ansonsten sollte mindestens ein Bezug zur Stadtgeschichte bestehen, besser noch zur deutschen Geschichte – am liebsten allerdings zur Weltgeschichte, erläutert Voß, der die protokollarischen Prinzipien seit Oktober 1978 überwacht, seit 2011 als Protokollchef. An seinen „Jungferneintrag“ erinnert er sich genau: Prinz Philip, Gemahl der britischen Königin, machte im März 1979 seine Aufwartung.

Geschichte von europäischer oder gar weltweiter Tragweite verbirgt sich hinter so mancher Signatur, bei der Voß vorsichtig blätternd verweilt. Bei den ersten deutsch-französischen Konsultationen im Oktober 1986 unter Leitung von Helmut Kohl und François Mitterrand verbrachte Voß „eine Woche mit dem Kopfkissen am Schreibtisch“, so aufreibend waren die protokollarischen Anforderungen für die hundertköpfigen Delegationen. Der sichtbare Lohn sind zwei Seiten mit den Unterschriften fast aller Kabinettsmitglieder beider Länder. Vergleichbare protokollarische Spuren hinterließen die deutsch-britischen Konsultationen drei Jahre später mit Kohl und Margaret Thatcher an der Spitze.

An ein Ereignis von bewegender Tiefe erinnert sich Voß: Als Jassir Arafat am 16. September 1996 seinen Namen ins Goldene Buch schrieb und „mit besten Grüßen ... vom palästinensischen Volk“ hinzufügte. Im Kaisersaal, wo die Eintragungen meist stattfinden, gehörte auch Ignatz Bubis zu den eingeladenen Gästen. Beide Männer umarmten sich als Zeichen der Versöhnung.

Zur Homepage
1 von 7
Nächste Seite »
comments powered by Disqus
Ressort

Nachrichten und Reportagen aus dem Herzen des Rhein-Main-Gebiets - alles über Frankfurt und seine Stadtteile.

FR-Online

Mit unserem neuen Umschalter im Seitenkopf oben rechts können Sie das Geschehen in Frankfurt und Rhein-Main höher gewichten. Probieren Sie's aus!

Umfrage

Die Frankfurter Rundschau und die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände wollen wissen, was die Menschen an der Region mögen, warum sie hier leben und welche Veränderungen sie für die nächste Zeit erwarten.

Twitter
Top Stellenangebote

Anzeige

Südliche Stadtteile
Östliche Stadtteile
Nördliche Stadtteile
Westliche Stadtteile
Bahn-Verkehr

Sehen Sie hier die aktuellen Bahnhofstafeln:

Frankfurt a.M. Hauptbahnhof Abfahrt und Ankunft
Alle anderen Stationen.

Protest gegen EZB-Eröffnung

Blockupy muss sich widersetzen

Von  |
Das andere Gesicht des  Blockupy-Protests.

Blockupy muss sich widersetzen – nicht nur der folgenschweren Krisenpolitik der EU, sondern auch der Gewalt als Mittel der Auseinandersetzung. Sonst riskiert die Bewegung ihre Existenz. Der Leitartikel. Mehr...

Kommentar Blockupy

Verbrannte Werte

Von  |
Die Rauchschwaden über Frankfurt haben die Werte einer kapitalismuskritischen Bewegung nicht nur vernebelt – sondern erstmal verschluckt.

Bei den Protesten gegen die EZB erlebt Frankfurt beispiellose Gewalt. Doch so berechtigt die Wut gegen die europäische Finanzpolitik auch sein mag – jeder Demonstrant, der sie in Gewalt münden ließ, hat sein politisches Anliegen gezielt verraten. Mehr...

Blockupy EZB

Der Protest muss sein

Der Tag vor den Protesten: Polizisten verstärken die Absperrungen vor der Europäischen Zentralbank (EZB).

Drei Gründe, warum es wichtig ist, das Nein zur Erpressungsspirale aus immer neuen Schulden und immer neuen Einsparungen im Süden Europas vor den Frankfurter EZB-Turm zu tragen.  Mehr...

Premium-Fotostrecke
Frankfurt von oben

Mit dem Hubschrauber unterwegs über der Mainmetropole: Fliegen Sie mit!
Zur Premium-Fotostrecke Frankfurt von oben.

Eintracht: Berichte | Spielplan | Team | FR-Videos

ANZEIGE
- Partner