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05. Oktober 2014

David Garrett in der Festhalle: Kuschelrock von der Stange

 Von Wolfgang Heininger
David Garrett tourt durch Deutschland, Österreich und die Schweiz.  Foto: Michael Schick

Ein „Best of“ David Garrett hätte es werden sollen. Dann aber hatte der begnadete Sologeiger so viele neue Stücke eingeübt, dass seine am Wochenende am Main gestartete Tournee durch Deutschland, Österreich und der Schweiz den Namen „Classic Revolution“ erhielt. Das Crossover enthält auch Klassisches, wenn auch im rockigen Gewand.

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Schon der Beginn gerät bombastisch. Zum – auch visualisierten - Sonnenaufgang von Richard Straußens „Also sprach Zarathustra“ schwebt der „Stargeiger“ in der Festhalle per Seilzug zur Bühne. Und schon brennt das erste kleine Feuerwerk ab.

Apropos Feuerwerk. Die Lichtshow während der zwei Stunden reiner Spielzeit ist gigantisch. Angereichert wird sie mit Goldlametta-Wolken, gegen den der Millionärs-Konfettiregen bei Jauch aussieht wie eine Wunderkerze gegen einen Kugelblitz. Und selbst die altehrwürdige Bosch-Stradivari aus dem Jahr 1716 – wenn sie es denn war – sprüht Funken.

Da werden nicht nur Lichtkegel und Laser durch den Raum gejagt, sondern auch mehrere Meter hohe Gasfeuerbälle und -fontänen abgefeuert, die auch in 20 Metern Entfernung unmittelbar nach dem Emporschießen ihre Hitzewellen verbreiten. „Das nenne ich mal Warmspielen“, kommentiert David Garrett treffend.

Feuerblitze zu den Tagen des Zorns

Überwältigend wird diese Symbiose von Lichteffekten und Musik insbesondere bei dem furiosen „Dies irae“ (Tage des Zorns) aus dem Verdi-Requiem und dem „Lacrimosa“ aus dem unvollendeten Requiem Mozarts, der über der Komposition 1791 starb. Ausgerechnet zwei Stücke über den Tod und den Schmerz der Hinterbliebenen machten an diesem doch für Spaß und Unterhaltung konzipierten Abend den stärksten Eindruck.

Ein unterhaltsamer Abend war es durchaus, den Garrett, seine Band, die Neue Frankfurter Philharmonie und sechs TänzerInnen des Deutschen Fernsehballetts zum Auftakt ihrer neuen Crossover-Tournee durch den deutschsprachigen Raum den rund 7000 Besuchern boten. Dazu hatte der Solist zusammen mit seinem Arrangeur und Dirigenten Franck van der Heijden ein Potpourri nach seinem eigenen Bekenntnis: „Die Musikrichtung ist völlig egal. Eine gute Komposition ist eine gute Komposition.“ zusammengestellt.

Da wird geräubert, was das Zeug hält

Und so räuberten Garrett und van der Heijden, was das Zeug hielt. Beethovens „Pathétique“, Orffs „Carmina Burana, Verdi, Mozart und Folklore gesellten sich zu Bon Jovi, Bruce Springsteen, Bob Dylan und Abba bis hin zum 2013er Hit „Wrecking Ball" von Miley Cyrus. Hauptsache eingängig – eben populär. Wie auch die Eigenkompositionen von Garrett und seinem Arrangeur. Nichts für die Ewigkeit, eher Kuschelrock von der Stange. Und schon gar keine „Classic Revolution“, wie die Tour heißt.

Der Genuss war also nicht ungetrübt. Metallisch hart und klirrend schnitt der elektronisch verstärkte Geigen-Klang durch die Luft. Ob das einstige Musikwunderkind Garrett wirklich so gut ist, wie viele Kritiker sagen, wurde nicht erkennbar. Dazu müsste der geneigte Hörer wohl ein rein klassisches Konzert besuchen.

Zudem erschlug die Rock-Formation die Instrumente der Philharmoniker, speziell das Holz. Dass sich in deren Reihen auch zwei Fagotte abmühten, war nur zu sehen, nicht zu hören. Am Ende überdeckte die Band sogar zeitweise den Solisten. Das alles war demnach furchtbar schlecht abgemixt und kann allenfalls teilweise der schlechten Akustik in der Festhalle angelastet werden. Zu allem Überfluss meinten die Veranstalter dem Zeitgeist nach dem WM-Sommermärchen nicht nur durch den Queen-Song „We are the Champions“ huldigen zu müssen – was nicht weiter betrüblich gewesen wäre -, sondern

dazu auch noch deutsche Fahnen schwenken zu müssen.

Trotz der Erfolge ein wenig verloren

Dazwischen ein David Garrett, der trotz seiner großen Erfolge immer schüchtern, suchend und etwas verloren wirkt. Ein 34-Jähriger, dem seine Eltern in seinen ersten beiden Lebensjahrzehnten bis hin zu seinem Nachnamen vorschrieben, was er zu tun und zu lassen hatte. Der nach seinem Ausbruch nach New York auch das Geige-Spielen, das ihm der Vater im Alter von drei Jahren beigebracht hatte, trotz bestehender Plattenverträge neu erlernte. Der rastlos von Termin zu Termin hetzt. Sich selbst und seine Musik noch nicht gefunden hat.

Bezeichnend die Mosaiksteinchen, die der gebürtige Aachener aus seinem Privatleben preisgab. Da ist Garrett zwischen den Auftritten zu sehen – nicht mit Freunden oder auf Party, sondern vor Erschöpfung schlafend im Tourwagen. Und da schickt ihm seine Mutter, die sich für ein paar Tage in seiner New Yorker Wohnung aufhält, die SMS: „Man merkt, dass du schon lange keine Freundin hast. Die Butter im Kühlschrank ist seit über einem Jahr abgelaufen.“

Kurzentschlossene können sich das Spektakel am heutigen Sonntag um 20 Uhr in der Festhalle ansehen und -hören. Das Crossover im Oktober unter anderem noch in der O2-Arena in Berlin (11.), der Leipziger Arena (14. und 15.) und der Olympiahalle München (21. und 22.) zu erleben. Weitere Infos unter david-garrett.de.

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