Ein Hauch von Wehmut liegt auf der Ebene 3 der Zeilgalerie. Just über dem doppelstöckigen Laden mit den Klamottenbergen von H&M. So schieben sich allerlei Erinnerungen in die Wohlfühl-Einkaufsatmosphäre, die dort am laufenden Meter zu haben ist.
Mit Millioneninvestitionen hat der neue Eigentümer die Zeil-Galerie aufgehellt, erleuchtet und auf Zukunft getrimmt. Die Wehmut hängt an dem Vergangenen: Auf Ebene 3 sind die letzten Teile der uralten, ratzekahl abgerissenen Fabrik Degussa ausgestellt. Hinter jedem der gesammelten Überbleibsel des Weltkonzerns, vom Konferenzsessel bis zum Spindschlüssel, ist ein Vergessener zu ahnen, lauter Menschen, die mit einer 120 Jahre alten Frankfurter Tradition verbunden waren. Verlorene Arbeitsplätze ohne Ende, das außerdem.
Auf Ebene 3 der Zeilgalerie weht noch ein Hauch der nun restlos verschwundenen Degussa vom Mainufer, einst kaum zehn Minuten Fußweg entfernt...
Foto: Souvenir FrankfurtAn manchem der Gegenstände im Laden von „Souvenir Frankfurt“ erkennt man noch die Spuren des Gebrauchs, eine abgeschabte Sitzfläche auf dem cremefarbenen Lederbezug des Walter-Knoll-Sessels, Jahrgang 1985. Helle Fingerspuren auf den nummerierten runden Messing-Anhängern der Schlüssel zu den Spinden. „Souvenir Frankfurt“ verkauft die Nummern-Plättchen jetzt mit Halskette, für 45 Euro das Stück.
„Der Preis enthält die Zeit, die wir damit beschäftigt waren“, beantwortet Judith Hartnack von „Souvenir Frankfurt“ fragende Blicke. Es hat gedauert, ehe sie und ihre beiden Kollegen Virginia Schultheis und Jürgen Zeller in den neun zum Abbruch stehenden Gebäuden der alten Degussa am Main die von den Aufkäufern verschenkten Reste zusammen hatten. „Wir wollten Türen haben, da haben sie uns den ganzen Konferenzraum angeboten“, berichtet Zeller. Jenen Saal, den sie in der Degussa mal „Halle des Volkes“, mal „Halle für alle“ nannten. Ein Foto an der Wand zeigt den großen, leeren Raum mit den reihenweise akkurat an den langen Tisch gerückten cremefarbenen Konferenzsesseln. Am 1. April 1968 hat die Geschäftsführung auf der daneben hängenden gerahmten Urkunde einem Mitarbeiter „25 Jahre Verdienste um die Degussa“ bescheinigt. Das Traditionslogo mit Sonne (links) und Mondsichel (rechts) besiegelte die Zugehörigkeit zur großen Degussa-Familie, die in ihren besten Zeiten mehr als 30.000 Mitarbeiter hatte.
„Man hat gemerkt, was das für eine Machtzentrale war“, erinnert sich Jürgen Zeller an die Rundgänge über das Gelände.
Aufgeschlossen hatten ihnen die Entwickler der DIC, die die ganze verlassene Fabrik der „Deutschen Gold- und Silberscheideanstalt“ auf dem historischen Gelände der Frankfurter Münze 2005 gekauft hatten. Bei DIC war bekannt, dass „Souvenir Frankfurt“ mehr als Traditionskitsch, nämlich Erinnerungen sammelt. In Form der Dinge, in denen die Erinnerungen bewahrt sind.
Im Laden, den „Souvenir Frankfurt“ als Zwischenmieter nutzt, starren Besucher gleich auf die runden Siemens-Wanduhren aus den Degussa-Fluren: vier Stück, jede aus einer anderen Epoche. Und jede haben die Souvenirjäger zum Leben erweckt. So tickt die 1873 gegründete Firma wieder, bloß anders. Es ist eben „die Kombination aus Produkt und Story“, die das einzigartige Frankfurt-Souvenir ausmacht.
„Stadtgeschichten“ heißt die Themenreihe der Andenkenverkäufer – geboren damals beim Abbruch des Technischen Rathauses. Diskussionsabende gehören dazu – diesmal aber, zur erst so umstrittenen Zukunft des Degussa-Geländes, wollte „keiner reden“. Doch ist „jeder Besucher eingeladen, zur Ausstellung eigene Geschichten hinzuzufügen“.
Zeilgalerie, Ebene 3, bis 23. Februar.
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