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08. Juni 2015

Demo-Anmelderin Ester Seitz in Frankfurt: Wer steckt hinter „Widerstand Ost West“?

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Ester Seitz bei einer Kundgebung der „Freien Bürger für Deutschland“ auf dem Frankfurter Roßmarkt.  Foto: peter-juelich.com

Hetze, Hass und Hooligans: Am 20. Juni will der so genannte „Widerstand Ost West“ eine rechte Großdemonstration in Frankfurt abhalten. Hinter dem Netzwerk steht Ester Seitz. Die Aktivistin möchte der Lutz Bachmann Westdeutschlands werden.

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Ester Seitz ist eine vielbeschäftigte Frau. Wer die Facebook-Einträge der jungen Aktivistin aus Neumarkt bei Nürnberg verfolgt, bekommt schon seit Wochen die Namen der vielen Städte zu lesen, die Seitz in politischem Auftrag bereist: Berlin, Dresden, Erfurt, Frankfurt, Karlsruhe. Dazu kommen offenbar unzählige Telefonate, interne Treffen, E-Mails. „Das ist mein Leben!“, verkündete Seitz kürzlich mit einigem Stolz auf Facebook. „So was kann man nicht ,nebenbei‘ machen.“

Ester Seitz, nach eigenen Angaben erst seit Ende letzten Jahres politisch aktiv, hat eine Mission: Sie möchte der Lutz Bachmann Westdeutschlands werden. So wie Bachmann mit seiner Pegida-Bewegung in Dresden zeitweise Tausende Menschen gegen die „Islamisierung des Abendlandes“ auf die Straße gebracht hat, so träumt Seitz davon, am 20. Juni in Frankfurt „alle deutschen Patrioten auf einer Demonstration“ versammeln zu können.

„Widerstand Ost West“ hat sie das Bündnis getauft, das es an diesem Tag erstmals seit den „Hooligans gegen Salafisten“ (HoGeSa) im vergangenen Oktober in Köln schaffen will, in einer westdeutschen Großstadt einen Aufzug gegen Zuwanderung und die „Islamisierung“ durchzusetzen. Demo-Anmelderin Seitz und ihre Mitstreiter bewerben ihr Vorhaben am liebsten mit Superlativen: Man plane die „geilste, größte, spektakulärste Demonstration“, die Deutschland je gesehen habe, heißt es auf der Facebook-Seite von „Widerstand Ost West“.

Selbstverständlich behaupten die Organisatoren der Demo, sie seien nur gegen fundamentalistische Muslime, sie seien lediglich patriotisch gesinnt und hätten mit Neonazis und Rassisten nichts zu schaffen. Wenn man allerdings das Programm der Gruppe liest, wird klar, dass Seitz und ihre Mitstreiter die typischen Inhalte islamfeindlicher Rechtspopulisten vertreten. Da heißt es, „straffällig gewordene Asylbewerber“ müssten sofort „zurück in ihre Heimatländer geführt werden“, da wird behauptet, die aktuelle Zuwanderungspolitik widerspreche „dem Interesse der Menschen und der Wirtschaft“. Außerdem wird wortreich geklagt, wegen des Nationalsozialismus werde vom „deutschen Volk“ verlangt, „dass es seine Schuld zelebriert und seine Identität verleugnet“.

Das rechte Bündnis „Widerstand Ost West“ hofft für seine Demonstration am 20. Juni auf eine ähnlich starke Beteiligung wie bei der Demonstration der „Hooligans gegen Salafismus“ im Oktober vergangenen Jahres in Köln.  Foto: dpa

Zudem fordert die Gruppe allen Ernstes eine Umformulierung des Koran: Alle Aufrufe zur Gewalt, zur Unterdrückung anderer Religionen oder Frauen müssten „aus dem Koran entfernt werden“, heißt es in dem Papier. Nur dann könne der Islam als Religion in Deutschland gelebt werden.

Noch deutlicher wird der bekannte rechte Blogger Michael Mannheimer, der bei „Widerstand Ost West“ als einer von fünf Rednern auftreten will. Die „massiv vorangetriebenen Immigrationswellen“ hätten nur das Ziel, „das deutsche Volk zur Minderheit im eigenen Land zu machen“, raunt Mannheimer in einem Aufruf zu der Demo auf seinem Weblog. Es gehe um „das biologische Überleben unseres Landes“. Bei solchen Floskeln aus dem Vokabular des völkischen Rassismus kann es nicht verwundern, dass im Internet bereits extrem rechte Hooligans und vereinzelte Neonazi-Gruppen Interesse an „Widerstand Ost West“ bekunden.

Ester Seitz selbst ist in den letzten Wochen bundesweit unterwegs gewesen, um für ihr Projekt zu werben. Anfang Mai beteiligte sie sich beim sogenannten „Sturm auf den Reichstag“, für den sich 500 rechte Verschwörungstheoretiker und Neonazis in Berlin versammelten. Kurz zuvor besuchte sie einen Aufmarsch rechtsradikaler Hooligans in Erfurt – mit einem Banner von „Widerstand Ost West“. Und ein Internet-Video zeigt sie Anfang Juni auf einer Demonstration in Karlsruhe, wo sie gemeinsam mit kahlrasierten Hools Parolen wie „Antifa, Hurensöhne“ und „Deutschland – Hooligans“ skandiert.

Es dürfte also eine wilde Mischung aus Islamfeinden aller Couleur, Hooligans und sonstigen Rechtsradikalen werden, die sich in Frankfurt versammelt. Noch ist unklar, ob „Widerstand Ost West“ wie angemeldet auf dem Roßmarkt stattfinden kann – das Ordnungsamt könnte den Aufzug aus Sicherheitsgründen an den Rand der Stadt verlegen. Brisant dürfte der 20. Juni in jedem Fall werden: Neben dem Römerbergbündnis haben bereits unterschiedliche Antifa-Gruppen angekündigt, sich der rechten Demo mit massiven Protesten und Blockaden in den Weg zu stellen.

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