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Frankfurt
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10. Mai 2015

Demo: Entspannt voran fürs Cannabis

 Von 
Ungewohnte Kontraste: die Alte Oper nebst Zuhörerinnen der Startkundgebung.  Foto: Michael Schick

Legalisierung von Cannabis - das Thema hat am Samstag mehr Menschen als in den Vorjahren auf die Straße gelockt: „Bier macht dick, Schnaps macht krank, ich bin Kiffer, Gott sei Dank.“

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Die Beharrlichkeit der Hanf-Initiative Frankfurt scheint Früchte zu tragen. Seit elf Jahren organisieren die Aktivisten der Initiative den lokalen Ableger des „Global Marijuana March“, der stets an einem Mai-Samstag in Hunderten Städten weltweit begangen wird, um für die Legalisierung von Cannabis zu werben. Am Samstag war es wieder so weit. Doch statt der rund 200 üblichen Verdächtigen, die sich in den letzten Jahren bei der Demo blicken ließen, gingen diesmal zwischen 500 und 600 Menschen für freie Joints auf Frankfurts Straßen. Vom Opernplatz gingen sie bis zum Gesundheitsamt und wieder zurück.

Im ersten Moment bietet die Demo am Samstagmittag das übliche Bild. Fröhliche Menschen mit bunten Klamotten und Rastazöpfen recken Schilder mit Sätzen wie „Bier macht dick, Schnaps macht krank, ich bin Kiffer, Gott sei Dank“ oder „Cannabis auf Rezept“ in die Höhe. Dazwischen Politiker der Linken, Piraten und Grünen. Touristen machen Fotos. Und am Straßenrand stehen gelangweilte Polizisten.

Eine derartige Szenerie kennt man aus den letzten Jahren. Doch der Wind hat sich in den vergangenen zwölf Monaten gedreht – in der Debatte um die Legalisierung von Cannabis steckt derzeit so viel Bewegung wie noch nie. Auch lokal: So wurde vergangene Woche im Stadtparlament beschlossen, dass die Legalisierung der medizinischen Anwendung von Cannabis seitens der Stadt unterstützt werden soll.

Nicht gefährlicher als Alkohol

Diesen Punkt greift am Samstag auch Martin Kliehm auf, der für die Linke im Stadtparlament sitzt und auf der Auftaktkundgebung der Demo spricht. Für Kliehm kommt der Vorstoß der schwarz-grünen Römerkoalition einem „sehr faulen Kompromiss“ gleich. Statt passiv auf ein Bundesgesetz zu warten, solle man darauf drängen, den Anbau von Hanf für den Eigenbedarf zu ermöglichen. Nur so könne man gewährleisten, dass die Menschen, die schon legal Cannabis konsumieren dürfen, nicht mehr von Lieferengpässen betroffen seien.

Kliehm erntet am Samstag für seine emotional vorgetragene Rede viel Applaus. Kein Wunder: Gerade das Argument, Cannabis für Menschen mit Parkinson, ADHS oder Rheuma zugänglich zu machen, damit diese keinen Chemiemix mehr schlucken müssen, ist mittlerweile weithin akzeptiert. „Als Medikament ist das doch okay, Cannabis ist doch nicht gefährlicher als Alkohol“, befindet etwa Peter Kahles, der mit Anzugshose und locker um den Hals geschwungenem Pulli interessiert am Rand der Demo steht.

Doch die Versorgung von Kranken mit einem Naturheilstoff, den man vor Ort anbauen könnte, ist nur ein Thema der Demonstranten. Apostolos, der aus Nürnberg zur Demo angereist ist, bricht am Samstag eine Lanze für das Recht auf Selbstbestimmung. Er fragt sich, warum sich Menschen besaufen dürfen – was häufig aggressives Verhalten zur Folge habe –, während das „entspannte“ Kiffen kriminalisiert werde. „Schluss mit Krimi“ ruft passend dazu ständig jemand in die Menge hinein. Und die jubelt.

Klar geht es auch um Genuss

Klar geht es auch um Genuss. Das merkt man schon an den grinsenden Gesichtern und dem süßlichen Geruch, der die Demo am Samstag auf Schritt und Tritt begleitet. Doch Kliehm hat noch viele andere Argumente parat. So könne man mit legalem Marihuana dafür sorgen, dass die Konsumenten keinen verunreinigten „Stoff“ kauften, der Haarspray, Dünger oder Blei enthalte. Man könne die Geldquelle von Drogenkartellen lahmlegen. Und sich das Geld sparen, das derzeit für die Verfolgung von Delikten rund um Cannabis ausgegeben werde. „Ich bin mir ganz sicher, solche Kontrollen machen den Polizisten auch keinen Spaß“, mutmaßt Kliehm am Ende seiner Rede.

Apropos Polizei: Die zieht nach Ende des Demozugs eine positive Bilanz: „Das lief völlig problemlos“, so ein Sprecher. Anders sieht das Ingrid Wunn von der Hanf-Initiative. „Ich bin entsetzt über das Auftreten der Polizei“, sagte sie am Sonntag. So hätten die Beamten die Personalien von rund 20 Demoteilnehmern, die anscheinend gekifft hatten, aufgenommen. „So etwas hatten wir noch nie“, so Wunn.

Kopfschütteln löste das Verhalten der Beamten bei den Mitgliedern der Piratenpartei aus. Diese wurden zeitweise am Verteilen von Hanfsamen – die wie Kürbiskerne in jedem Bioladen zu finden sind –, gehindert. Erst nachdem die Polizisten gegoogelt hatten, was da verteilt wurde, durften sie weitermachen. „Die Frankfurter Polizei hat gerade ein Problem, was Demokratie betrifft“, so Alexander Schnapper, politischer Geschäftsführer der hessischen Piraten. Das Verhalten zeigt auch eines: dass beim Thema Hanf womöglich doch noch ein langer Weg zu gehen ist.

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