Ein 40 Tonnen schwerer Tieflader schiebt sich durchs Frankfurter Bankenviertel, begleitet von Männern und Frauen in Strahlenschutzanzügen. „Dies ist ein außerplanmäßiger Castor-Transport“, hören erstaunte Passanten aus einem Lautsprecher. „Wir müssen leider mit dem hochgefährlichen Atommüll durch die Innenstadt. Halten Sie am besten Fenster und Türen geschlossen.“ Am Opernplatz blockieren Demonstranten den Weg. Mit ihrer Sitzblockade zwingen sie das Gefährt mit dem giftigen Atommüll dazu, die Route zu ändern.
Das alles folgt einer exakten Choreografie, wie beim echten Castor-Transport – ist aber keiner: Atomkraftgegner protestieren damit gegen den echten Atomtransport in das niedersächsische Gorleben. Dieser startet am 24. November und bringt wieder radioaktiven Müll aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague in das deutsche Zwischenlager. Gemeinsam mit anderen Organisationen hat das Kampagnennetzwerk Campact daher in zehn deutschen Städten entlang der Castor-Route zu Protestaktionen aufgerufen.
„Es darf kein weiterer Castor nach Gorleben rollen“, fordert Astrid Goltz von Campact. Für Gorleben hätten sich die Verantwortlichen vor 35 Jahren aus rein politischen Gründen entschieden, etwa weil der Salzstock in der Nähe der Grenze zur damaligen DDR lag. „Geologen haben schon damals gesagt, dass sich der Standort überhaupt nicht als Endlager eignet.“ So gebe es keinen ausreichenden Schutz davor, dass Wasser von oben in den Salzstock eintritt und in Verbindung mit dem Salz die Atomfässer angreift.
Zwar hat Bundesumweltminister Norbert Röttgen vor wenigen Tagen angekündigt, neben Gorleben auch alternative Standorte für ein Endlager zu prüfen. Die Atomkraftgegner fordern allerdings, den „maroden Salzstock“ bei der Suche von vorneherein auszuschließen. Deshalb soll auch kein Müll mehr dorthin gebracht werden: „Jeder Castor, der in Gorleben in einer Halle abgestellt wird, hilft diesen Standort zu zementieren“, sagt Gerhard Förster von der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg.
„Gerade jetzt, wo andere Standorte ins Gespräch kommen, finde ich es wichtig, ein Zeichen gegen Gorleben zu setzen“, sagt eine Demonstrantin. Sie hofft, dass ihre Protestaktion „die Leute wachrüttelt“. Ein Passant sagt, er selbst sei auch gegen Atomkraft. Aber er fürchtet: Durch Aktionen wie diese „wird sich nicht viel ändern. Frankfurt ist doch eine Bankenstadt, das interessiert hier keinen.“
Am 23. November wird der falsche Castor in Berlin vor dem Bundesumweltministerium sein Ziel erreichen. Auf einem zehn Meter hohen, aufblasbaren X, dem Symbol des Widerstands, sammeln die Castorgegner während ihrer Tour durch Deutschland Unterschriften gegen das Lager in Gorleben. Die wollen sie dem Minister in Berlin dann präsentieren.

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