Der Kampf hat begonnen: Die Beschäftigten der Höchster Firma Albach GmbH & Co. KG, kurz Alco genannt, wollen nicht hinnehmen, dass ihr Mutterkonzern den Betrieb nach Süddeutschland verlagert. Die gesamte Belegschaft hat sich am heutigen Freitag Urlaub genommen, um gemeinsam mit Kollegen in der baden-württembergischen Stadt Giengen zu protestieren. Rückendeckung erhalten die Mitarbeiter von der IG-Metall. Die Gewerkschaft will mit der Auseinandersetzung um den Erhalt von Alco in Höchst auch ein Zeichen gegen die Macht von Finanzinvestoren setzen.
Bei Alco an der Königsteiner Straße werden Feuerlöschgeräte hergestellt. Die großen Wasserkanonen kommen unter anderem auf Feuerwehrautos oder Wasserwerfern der Polizei zum Einsatz. Seit den 80er Jahren gehört Alco zur AWG Fittings GmbH, dem europäischem Marktführer in dieser Branche.
Die AWG will ihre Standorte in Höchst und Giengen noch in diesem Jahr aufgeben, um die Firmenaktivitäten in Ballendorf bei Ulm zu konzentrieren. Gleichzeitig will sich das Unternehmen von 120 Mitarbeitern trennen. Ziel sei der Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit, erläutert AWG-Geschäftsführer Stefan Geisperger.
Die rund 30 Mitarbeiter in Höchst stünden nun vor der Wahl, den Umzug mitzumachen oder ihren Arbeitsplatz zu verlieren, sagt Betriebsrätin Manuela Warnke. „Die Stimmung ist nicht positiv.“ Dreher Edwin Wehner hat, wie alle Alco-Mitarbeiter, von den Umzugsplänen seines Arbeitgebers aus einem Feuerwehrmagazin erfahren. Die Geschäftsführung habe die Belegschaft erst zwei Tage später informiert.
Der 64-Jährige geht demnächst in Rente und ist von der Standortverlagerung nicht mehr betroffen. Den Ärger seiner jüngeren Kollegen kann er nachvollziehen. Ein Umzug komme für das Gros der Beschäftigten in Höchst wohl kaum in Frage, glaubt er. „Wer sich etwa gerade eine Wohnung gekauft hat, kann das nicht machen – im Grunde ist das ein Stellenabbau.“
Michael Erhardt, Frankfurter IG-Metall-Chef, sieht das ähnlich. Die geplanten Standortverlagerungen seien das Resultat der Übernahme von AWG durch die Münchner Investmentgesellschaft Paragon vor rund einem Jahr. Es gehe darum, Lohnkosten zu sparen. Am Standort in Ballendorf würden niedrigere Löhne gezahlt: „Das ist eine ganz schlichte unternehmerische Idee.“
Erhardt bezweifelt indes, dass die Rechnung der AWG aufgeht. „Wir glauben nicht, dass sich der Umsatz aus Höchst so einfach verlagern lässt – die Produktion dort ist sehr Know-how-intensiv.“ Der Alco-Betriebsrat plane, einen Sachverständigen einzuschalten, um das „zweifelhafte unternehmerische Konzept“ zu prüfen.
Gleichzeitig wolle sich die IG-Metall mit dem Frankfurter Wirtschaftsdezernat sowie dem Arbeitsamt in Verbindung setzen, um zu diskutieren, wie sich Industriearbeitsplätze in Frankfurt generell erhalten lassen. Die IG-Metall bereite sich darauf vor, anhand von Alco eine „beispielhafte Auseinandersetzung“ zu führen.

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