Johannes Faupel legt einen Frühstart hin. Er dreht den Ton ohne Vorwarnung auf – aus Versehen, bis auf das Level der Original-Lautstärke. Die Kameraleute, Tonassistenten und Fotografen, die sich vor der Box und dem Lautsprecher drängen, zucken zusammen, machen instinktiv einen Schritt rückwärts. „Ja Leute, das ist leider so bei uns“, ruft Ursula Fechter in die kurze Lärmpause.
Die Vorsitzende der BI Sachsenhausen und ehemalige OB-Kandidatin ist glücklich über die Aktion von Johannes Faupel und Bernd Mey, ihren Mitstreitern aus der Sachsenhäuser BI. Mey hat soeben seinen feuerwehrroten 73er Landrover mit der Behelfs-Aufschrift „Lärmwehr Frankfurt“ rückwärts in die Sackgasse gefahren, in der das Wohnhaus von Familie Roland Koch steht, am Rande eines waldreichen Erholungsgebiets.
Die Montagsdemo im Terminal 1 organisieren am 14. Mai ebenfalls Aktivisten der BI Sachsenhausen. Beginn ist um 18 Uhr.
Auch das Bundesverfassungsgericht wollen die Sachsenhäuser bald anrufen. BI-Vorsitzende Ursula Fechter berichtet von der Vorbereitung der Musterklage
Alle Wecker klingeln um 18.10 Uhr. Jeder Teilnehmer solle einen mitbringen, fordert die BI. Motto: „Wir sind wach und stellen klar, Herr Posch“
Dann hat Mey die Rückklappe des Wagens geöffnet und das Equipment entblößt, mit dem sie an einem beschaulichen Vormittag im Frühling den Fluglärm zu einem zurückbringen wollen, der ihn zu verantworten hat. Petra Roth, Volker Bouffier und Fraport-Chef Stefan Schulte seien die nächsten, hatte Faupel schon vor der Aktion angekündigt. „Danach fangen wir von vorne an“, ergänzt er, „bis die Landebahn geschlossen ist.“
Jetzt aber dreht Johannes Faupel erst mal wieder auf. Und es ist sofort klar: Das war kein Störgeräusch eben, keine Fehlschaltung – das ist Fluglärm. Faupel ist Fachjournalist und Werbetexter. Er weiß genau, was die Medien brauchen, wie er sie für sein Anliegen interessieren kann. Jetzt schnappt er sich ein Dezibel-Meter und postiert sich vor dem verschnörkelten Eisentor der Koch-Villa. Die Kameras halten drauf, das Dezibelmeter steigt: 70, dann 75, das typische Flugzeug-Dröhnen schwillt an, 80 jetzt und schließlich der Höchstwert: 85,8 Dezibel.
Fluglärm-Demo vor dem Privathaus von Roland Koch in der Pfingstbrunnenstraße in Eschborn. Johannes Faupel und Bernd Mey kommen mit ihrem "Lärmmobil" vorbei und machen 20 Minuten lang Krach.
Foto: Andreas ArnoldFaupel brüllt gegen den Lärm an: „Unter 60 Dezibel sinkt der Pegel bei mir nie, 60 ist piano, fortissimo ist 88.“ Die Geräusche nimmt ein Freund gerade live in Faupels Büro auf, ganz im Süden von Sachsenhausen – da wo es noch vor einem Jahr so beschaulich war. Von dort werden sie auf einen Webradio-Server gespielt und über ein Smartphone und einen Endverstärker in die Box geleitet – und schließlich in den Vorgarten des ehemaligen CDU-Ministerpräsidenten und jetzigen Baukonzern-Chefs. Für den Fall, dass der Wind gedreht hätte, haben sie einen weiteren Mann in Flörsheim postiert.
Zum Schluss schmeißt Faupel Koch noch eine CD in den Briefkasten. „Zum Kennenlernen: 20 Minuten Nordwest-Landebahn-Fluglärm.“ Die Botschaft dürfte angekommen sein. Niemand unter den Unterstützern, die sich in der Sackgasse versammelt haben, glaubt, dass Koch und Co. jetzt ihre Meinung ändern. Die Aktion begeistert sie trotzdem. Faupel erzählt: Selbst die meisten Nachbarn seien einverstanden gewesen, als er vorab in den vier Wohnstraßen Flugblätter verteilt habe.
„Der hier zieht sich fein raus und hat es relativ ruhig“, sagt Julia Wolf aus Hochheim mit einem Nicken in Richtung Koch-Grundstück. „Ich finde es richtig gut, dass der Lärm zu dem zurückgetragen wird, der ihn hauptsächlich zu verantworten hat und der vielleicht am meisten davon profitiert.“
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