Zwölf Uhr mittags, 1. Polizeirevier Innenstadt, 3. Stock. Peter Seiler tritt aus dem Aufzug und steuert mit schnellen, energischen Schritten sein Büro an. Der Erste Polizeihauptkommissar hat nicht viel Zeit, es soll nur ein Zwischenstopp auf dem Revier werden. „Na, hast du auch schön Kaffee gemacht?“, scherzt der Polizeibeamte mit Kollegin Susanne Rolfing. Beide lachen. Hat sie sogar. Seiler staunt. „Klasse“, freut er sich, grinst und setzt sich hin. Aber nicht lange, Seiler hat nicht viel Zeit, gerade erst hat er knapp zwei Stunden Gespräch hinter sich und in wenigen Minuten will der 52-Jährige gemeinsam mit Rolfing weiter ins Allerheiligenviertel, also um die Ecke vom Revier. Das hat er einer Bewohnerin versprochen, als er sich am Dienstag im Ortsbeirat 1 vorstellte. Peter Seiler ist nicht nur Leiter für Einsatz und Organisation im ersten Revier, sondern auch der neue Kontaktbeamte und damit erster Ansprechpartner für alle Frankfurter Bürger in Alt- und Innenstadt.
Und als sich Seiler vor dem Stadtteilparlament identifizierte, meldete sich auch gleich eine Frau aus dem Publikum zu Wort – mit einem Problem, das genau in Seilers neuen Wirkungsbereich fällt: Ein Händler im Allerheiligenviertel, so berichtete die Frau, werde von Dealern bedroht und gezwungen ihre Drogen zwischenzulagern. Heute also wird er ihren Hinweis verfolgen: „Dann gehen wir mal hin und wenn es so stimmt, geben wir eben die Anzeige auf“, bestimmt der Kontaktbeamte. Seiler hält seine Versprechen. Zeitnah. Das ist eines seiner Lieblingswörter. Immer, wenn er über seine neuen Schützlinge, die Bürger in der City, spricht, verwendet er es. Also oft. Seiler ist ein Mensch, bei dem die Augen immer mitzulächeln scheinen. Nur bei „zeitnah“ nicht. Da senkt Seiler das graumelierte Haupt und blickt seinem Gegenüber fest in die Augen.
Als neuer Kontaktbeamter hat der Polizeibeamte viel vor. Das Revier soll für die Bürger „noch transparenter“ werden. Kräftig soll die Werbetrommel gerührt werden mit Flyern und einem E-Mail-Postfach. Auch mehr Personal ist geplant. Denn: „Wir sind das mit Abstand am stärksten belastete Revier mit dem meisten Diskotheken und der Zeil, über die pro Stunde 13.000 Personen laufen.“ Er wünscht sich, dass die Beschwerden der Bürger langfristig weniger werden. Der Leiter für Einsatz und Organisation weiß, wovon er spricht. Seit mehr als 30 Jahren ist er in Frankfurt im Einsatz, zuletzt am Flughafen in der operativen Einheit. Wer jedoch glaubt, der Kontaktbeamte arbeite den Bürgern zu, täuscht sich. „Die Anwohner müssen mitmachen, wir sind auf ihre Hinweise angewiesen“, betont Seiler. Er ist überzeugt, dass vieles kommunikativ und durch Aufmerksamkeit gelöst werden kann. „Die Polizei ist erst dann gefragt, wenn nichts mehr geht. Eigentlich.“
Schon oft hat er miterlebt, dass viele Probleme sich ansammelten, hochkochten und dann viel zu spät behandelt wurden. „Wenn ein Bürger eine Ruhestörung von vor drei Wochen meldet, ist auch nichts mehr zu machen.“ Außerdem unterliegen Viele einem Missverständnis: Die Polizei kann niemanden einfach mal wegsperren. „Für die Untersuchungshaft ist die Justiz zuständig, nicht wir.“ Seiler und Kollegen sind mehr eine Art Zulieferer. Um etwas zu bewirken im Viertel, braucht es dem Kontaktbeamten nach ein ganzes Bündel an Maßnahmen: Zusammenarbeit mit anderen Behörden und frühzeitiger Einsatz der Anwohner. Soziale Kontrolle. „Mein Appell an die Frankfurter ist deshalb: Achtet darauf, was um euch herum passiert. Und wenn es sein muss, meldet es den Behörden oder uns!“ Zeitnah.
Kontaktnummer von Peter Seiler: 069/755 101 52, Vertreter Stephan Waldschmidt: 069/755 101 53.
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