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14. März 2013

Der neue Papst Franziskus: "Er war bei uns zu Gast"

 Von 
Natalia Barreiro aus Ecuador zündet im Frankfurter Dom eine Kerze für den neuen Papst an. Foto: Alex Kraus

Große Erwartungen: Die Wahl des neuen Papstes Franziskus bewegt die Gläubigen in Hessen. 1985 forschte er in Frankfurt, sein Neffe lehrt hier regelmäßig als Gastprofessor.

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Als Erhard Kunz am Mittwochabend mit seinen Mitbrüdern im Ignatiushaus Frankfurt zusammensitzt und sieht, wie im fernen Rom Kardinal Jorge Mario Bergoglio als neuer Papst Franziskus auf den Balkon des Petersdoms tritt, da blickt der Frankfurter Jesuitenpater in ein ihm bekanntes Gesicht. „Ich war betroffen, fast sprachlos, dass jemand, den ich doch kenne, Papst wird“, sagt Kunz, „ein Mitbruder.“

Denn der Argentinier Bergoglio, der nun als erster Südamerikaner und erster Jesuit das höchste katholische Kirchenamt ausfüllt, weilte einst an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt. „Er war bei uns im Haus zu Gast“, freut sich der emeritierte Professor Kunz. Mitte der 1980er Jahre habe er „einige Monate in Sankt Georgen verbracht, um sich mit einzelnen Professoren über ein Dissertationsprojekt zu beraten“, meldete die Hochschule, allerdings ohne die Promotion in Frankfurt abzuschließen.

Intensive Gespräche führte der Bergoglio auf dem Frankfurter Campus vor allem mit dem Pastoraltheologen Michael Sievernich, der ihn bereits aus Argentinien kannte. „Er hat sich sehr für die deutsche Theologie interessiert“, erzählt Sievernich. Sein Schwerpunktthema aber sei das Leben und Wirken des Religionsphilosophen Romano Guardini gewesen, zu dem er in der Bibliothek von Sankt Georgen viel Literatur zu finden hoffte.

Schon in Argentinien habe er Bergoglio in den „unter Jesuiten üblichen Gesprächen über Gott und die Welt“ als einen „Mann der asketischen Strenge“ kennen gelernt, sagt Sievernich – und „als einen, der seelsorgerisch für andere da ist: für die Armen, Kranken und Schwachen.“ Seine Wahl zum Papst sei „außerordentlich positiv“ zu werten. „Ich habe mir einen Papst aus der Kirche des Südens gewünscht.“

Der neue Pontifex repräsentiere als Sohn italienischer Einwanderer zudem „die globale Welt mit ihren Migrationsströmen“ und werde die Agenda der Kirche verändern, glaubt der 68-Jährige. Es werde nun verstärkt darum gehen, wie der Glaube „angesichts der Armut in der Welt gerechtfertigt“ werden könne.

Auch für den 79-jährigen Pater Kunz waren die Begegnungen in Frankfurt kein Kennenlernen, sondern ein Wiedersehen mit Bergoglio: „Ich kenne ihn aus einer gemeinsamen Zeit in Rom“, erzählt er. 1974 bis 75 sei das gewesen, „da trafen wir uns zur Generalkongregation, dem höchsten Gremium unseres Ordens.“ Der heute 76-jährige Bergoglio sei „damals unser jüngstes Mitglied“ gewesen.

Aus dieser Zeit, sagt Kunz, sei ihm der Argentinier als „sehr freundlicher Mensch“, in Erinnerung, als „gesprächsbereit, unkompliziert, mitbrüderlich und fromm: Wir haben viele Gottesdienste zusammen gefeiert.“ Und sie hätten über „die großen Fragen“ gesprochen, „die unseren Orden und auch ihn beschäftigten“: Über den Einsatz für die Armen in der Welt, über soziale Gerechtigkeit.

„Als erster Südamerikaner wird er für eine Öffnung der katholischen Kirche hin zu anderen Erdteilen sorgen.“ Das sei „ein wichtiger Schritt mit symbolischer Bedeutung“, sagt Pater Kunz, der sich tief bewegt zeigte vom ersten Auftritt seines alten Bekannten, der die Gläubigen um ihren Segen bat, ehe er seinen erteilte. „Wenn er so weitermacht, wird es gut“, sagt Kunz.

Kontakt habe er mit Bergoglio seit seinem Besuch in Frankfurt nicht mehr gehabt, sagt Kunz. „Nur indirekt: Sein Neffe José Luis Narvaja hat auch in Sankt Georgen studiert.“ Heute lehrt Narvaja regelmäßig als Gastprofessor für Historische Theologie an der Hochschule. Die Bindung des neuen Papstes zu Frankfurt bleibt also erhalten.

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