KarmaKonsum heißen der Blog und der kleine Laden im Nordend, die Christoph Harrach gegründet hat. Doch wenn man ihn nach seinem Beruf fragt, kommt der Mittdreißiger ins Schwimmen. Er ist gelernter Betriebswirt und war früher Yogalehrer. Durch Yoga kam er auf eine Menge Sinnfragen, die ihn schließlich zu dem Beschluss führten, seine Arbeitskraft nicht nur zum Geldverdienen zu nutzen, sondern sie auch global gesehen sinnvoll einzusetzen. Er wollte etwas bewegen.
So kam er zunächst zu Hessnatur, einem Öko-Textilunternehmen, bis er sich 2007 selbstständig machte und KarmaKonsum gründete, wo 2008 auch Noel Klein-Reesink miteinstieg. Sowohl Name als auch Inhalt des Projekts sind dabei von Mohammad Yunus aus Bangladesch inspiriert, der 2006 den Friedensnobelpreis für seine Garmeen-Bank erhielt. Diese vergibt Microkredite an Kleinunternehmer, um sie darin zu unterstützen, sich eine Existenz aufzubauen und so der Armut entgegenzuwirken. Harrach war begeistert von der Idee, Armut durch wirtschaftliche Methoden entgegenzuwirken. Also überlegte er für sich selbst, wo man „im Kapitalismus einen Hebel ansetzen“ könne, und kam auf den Konsum. Mit einer Mischung aus dem Prinzip von Angebot und Nachfrage und der buddhistischen Karmatheorie von Ursache und Wirkung wollte er nachhaltige Unternehmen fördern.
„In ganz vielen Bereichen sehen wir, dass es so wie bisher nicht mehr weiter geht. Ich glaube daran, dass es eine große Strömung in der Gesellschaft gibt, die etwas ändern will, aber sie ist noch nicht organisiert“, sagt Harrach. Da gebe es Menschen, die nur mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren, eine kleine Gruppe, die sich für Handarbeit und selbst Genähtes interessiert, eine Familie, die ihr Haus mit Solarenergie vom Dach heizt. „Wir bringen Vordenker zusammen und erhoffen uns, dass sie sich inspirieren und dann zu Meinungsbildnern werden.“
Um Interessierte auf diese Treffen aufmerksam zu machen, bloggt er, hält Vorträge und veröffentlicht mit KarmaKonsum Trendforschungen und Studien. So soll auch die Wirtschaft auf ihn aufmerksam werden, denn sein drittes Standbein ist die Beratung von Unternehmen. Bisher sind es allerdings ausschließlich Ökounternehmen, denn konventionellen Firmen steht er in diesem Punkt skeptisch gegenüber. „Ich möchte nicht zum Erfüllungsgehilfen von Greenwashing werden“, sagt er dazu und meint, dass er nicht einer Marke einen grünen Anstrich verpassen will.
„Der Wandel muss von innen heraus passieren“, sagt er. „Nicht weil eine geile Zielgruppe am Markt ist, sollen die Unternehmen sich ändern, sondern weil diese geile Zielgruppe auch bei ihnen arbeitet und etwas ändern will.“ Über diesen inneren Wandel schreibt er seine Doktorarbeit. „Ich glaube an den Megamarkt Nachhaltigkeit, das ist eine industrielle Revolution wie damals der Computer, und da werden noch ganz neue Ideen entstehen“, fasst Harrach zusammen. Als Berufsbeschreibung fallen ihm nach diesem Reflektieren mehrere Bezeichnungen ein: Trendforscher, zum Beispiel, das träfe es aber noch nicht ganz. Gleichzeitig sei er Blogger und Change Designer. „Ich gestalte den Wandel. Das tue ich dadurch, dass ich die kleinen Bewegungen stärke, aber auch aufbereite für die Wirtschaft.“ Nach diesem Satz wirkt er zufrieden – jetzt scheint er seine Bezeichnung gefunden zu haben.

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