Mit mehr als fünf Millionen Mitgliedern ist der Deutsche Turner-Bund der zweitgrößte Sportfachverband des Landes. Unter seinem Dach organisieren sich die Landesturnverbände.
Mit 2,4 Millionen Euro und einer Bürgschaft unterstützten die Stadt Frankfurt und das Land Hessen den Neubau, geleitet offenbar auch von der Sorge, der Verband könne nach Berlin umziehen. In einer ersten Planung sollte das Gebäude noch kleiner werden, wurde dann aber laut DTB erweitert, um es besser bewirtschaften zu können.
Kurz vor der Gala der hessischen Turner an diesem Sonntag in Frankfurt wird der bundesweite Dachverband erneut von möglichen Unregelmäßigkeiten rund um den Neubau der Verbandszentrale am Stadion im Stadtwald eingeholt: Nach FR-Recherchen soll der Vizepräsident des Deutschen Turner-Bunds (DTB), Heinz-Joachim Güllüg, dem späteren Generalunternehmer während der Auftragsvergabe auch als Steuerberater gedient haben. Das geht aus Unterlagen hervor, die der FR vorliegen. Der DTB teilte am Freitag auf Anfrage mit, davon „keine Kenntnisse“ gehabt zu haben. Man habe den Vizepräsidenten nun um eine Stellungnahme gebeten.
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Der Vorgang legt den Verdacht nahe, dass Güllüg, im DTB-Präsidium seit 2002 zuständig für Finanzen, gemeinsam mit dem Geschäftsführer der Gartenstadt Gewerbe- und Industriebau GmbH versucht haben könnte, den Betrieb mit dem Bauauftrag des DTB aus einer finanziellen Schieflage zu befreien. Das Unternehmen mit Sitz in Düsseldorf hatte während des Baus dennoch Insolvenz anmelden müssen. DTB-Generalsekretär Hans-Peter Wullenweber hatte dies erst vor wenigen Wochen als Hauptgrund dafür benannt, dass der mit Zuschüssen und Bürgschaften der Stadt Frankfurt errichtete Neubau um mindestens acht Millionen Euro teurer geworden war als geplant.
Gegen den damaligen Geschäftsführer des Unternehmens ermittelt die Staatsanwaltschaft Düsseldorf unter anderem wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung. Ein Sprecher der Behörde erklärte auf Anfrage, die „komplexen Ermittlungen“ seien noch nicht abgeschlossen.
Der DTB teilte am Freitag mit, ein Vertragsverhältnis zwischen dem Vizepräsidenten und der Firma sei dem Verband „nicht bekannt“ gewesen, hätte aber „offengelegt werden müssen“. Güllüg habe sich an der Abstimmung über Angebote im Bauausschuss des Verbands, bei der die „Gartenstadt“ das Rennen machte, nicht beteiligt. Dem DTB sei aber bekannt gewesen, dass der Vize die Firma „kennt und sie für den zu vergebenden Planungsauftrag für geeignet hielt“. Man werde den Vorgang „unter Würdigung aller rechtlichen Aspekte prüfen“.
Güllüg soll die Gartenstadt von 2003 bis zur Insolvenz 2009 beraten haben. Den Auftrag für den Bau erhielt das Unternehmen 2007. Eine erste Zahlung des DTB in Höhe von 400.000 Euro war nach FR-Informationen im Oktober 2007 erfolgt, ein Kredit mit Bürgschaft der Stadt. Am Ende hatten die Kosten bei weitem die Planungen des Dachverbands von mehr als fünf Millionen deutschen Turnern überstiegen. Ursprünglich hatte der Bau 27 Millionen Euro kosten sollen, letztlich waren es mindestens 35 Millionen Euro.
Eine drohende Zahlungsunfähigkeit hatte der DTB zuletzt nur durch Beitragsvorschüsse der Landesverbände verhindern können. Erst kürzlich hatte die FR über Vorwürfe berichtet, wonach beim Bau gegen Umwelt- und Brandschutzaufgaben verstoßen worden sein soll.
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