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Dezernenten- und Bürgermeisterwahl: Frankfurt bekommt einen neuen Bürgermeister

Der Koalition aus CDU und Grünen gelingt die Wahl von fünf Magistratsmitgliedern. Die Grünen erhalten erstmals das Planungsdezernat und Olaf Cunitz (Grüne) wird zudem zum Bürgermeister gewählt. Alle Stimmen der Koalition konnte er aber nicht auf sich vereinen.

        

Große Freude um Mitternacht: Kämmerer Uwe Becker, Bildungsdezernentin Sarah Sorge, Bürgermeister Olaf Cunitz, Umweltdezernentin Rosemarie Heilig und Kulturdezernent Felix Semmelroth (von links) im Plenarsaal.
Große Freude um Mitternacht: Kämmerer Uwe Becker, Bildungsdezernentin Sarah Sorge, Bürgermeister Olaf Cunitz, Umweltdezernentin Rosemarie Heilig und Kulturdezernent Felix Semmelroth (von links) im Plenarsaal.
Foto: Andreas Arnold

Am Ende haben lediglich Rosemarie Heilig, die grüne OB-Kandidatin, und Olaf Cunitz, der neue grüne Bürgermeister, einen leichten Dämpfer bekommen. Heilig erreichte bei den Magistratswahlen in der Nacht von Donnerstag auf Freitag im Römer nur 50 Ja-Stimmen, das sind zwei weniger, als das schwarz-grüne Koalitionslager zu vergeben hätte. Bei Cunitz waren es 51. „Durch ist durch“ lautete aber die schwarz-grüne Devise des Abends. „Das ist okay, ich bin zufrieden“, sagte Heilig, die zum Dank Pralinen an die Stadtverordneten verteilte. Alle weiteren vier Kandidaten für die Magistratswahlen erreichten mindestens alle Koalitionsstimmen. Für Kämmerer Uwe Becker (CDU) votierten rechnerisch (54 Stimmen) sogar zwei Stadtverordnete der Opposition.

Becker wird sechs weitere Jahre den städtischen Haushalt verwalten, Felix Semmelroth (CDU) die Frankfurter Kulturlandschaft pflegen – beides keine leichten Aufgaben in Zeiten kommunaler Finanznot. Semmelroth erreichte 53 Ja-Stimmen. „Plus eins“, heißt das in der Sprache der CDU-Freunde. Ganz neu als Dezernenten im Magistrat sind also Sarah Sorge (52 Stimmen), die sich um die Bildung kümmern wird, Heilig, die das Umweltressort übernimmt, sowie Olaf Cunitz, der zugleich Bürgermeister und Planungsdezernent wird. Heilig wird ihr Amt offiziell am 13. Juli antreten, Sorge und Cunitz starten am 15. März.

Dezernentenwahl in Frankfurt

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Den geheimen Wahlen ging eine dreieinhalbstündige Generaldebatte voraus, in der Sozialdemokraten und Linke, aber auch die FDP Schwarz-Grün attackierten. SPD-Fraktionschef Klaus Oesterling warf der Koalition vor, sie habe vor der Kommunalwahl 2011 die Bürger über die „wahre Finanzlage Frankfurts getäuscht“. Damals seien ständig Projekte im Umfang von 100 Millionen Euro angekündigt worden, von denen heute keiner mehr rede – etwa die Einhausung der Autobahn A661.

Oesterling machte massive „Glaubwürdigkeits-Defizite“ der Grünen beim Flughafenausbau aus und warf ihnen vor, auch hier die Wähler zu täuschen.

Olaf Cunitz, Bürgermeister und Planugsdezernent

Manchmal staunt Olaf Cunitz noch immer. Dass ausgerechnet er, der 43-jährige studierte Historiker, nun der erste Frankfurter Bürgermeister aus den Reihen der Grünen werden soll. Eine „große Verantwortung“ und eine „große Ehre“ nennt der gebürtige Frankfurter das – und diese Bescheidenheit darf man ihm getrost abnehmen.

Freilich: Das ist nur die eine Seite des Olaf Cunitz. Er ist auch ein guter und geschickter Taktiker der Macht. Das hat er seit 2006 als Vorsitzender der Grünen-Fraktion an einer ganz entscheidenden Schaltstelle im Römer bewiesen.

Auch wenn Akten-Studium nun wirklich nicht zu den Lieblings-Disziplinen des Hardrock-Fans gehört: Er ist meist gut informiert und in den vielfältigen Themen der Kommunalpolitik in Frankfurt zu Hause.

Cunitz wird sich dagegen wehren, dass Repräsentier-Termine als Bürgermeister ihn auffressen. Denn als Planungsdezernent in der Nachfolge des glücklosen Edwin Schwarz (CDU) hat sich der Grüne richtig viel vorgenommen: Gemeinsam mit seinen Parteifreunden Rosemarie Heilig (Umwelt) und Stefan Majer (Verkehr) will er eine politische Achse zur ökologischen Modernisierung Frankfurts bilden.

Freilich: Die Beharrungskräfte und Widerstände, auf die ein Planungsdezernent trifft, sind groß. Seine wichtigste Aufgabe: den Wohnungsbau in der wachsenden Stadt ankurbeln. Aber es wird auch nötig sein, den Wildwuchs der Hochhäuser und Bürobauten in geordnete Bahnen zu lenken – gegen den wirtschaftlichen Druck der Investoren. Schließlich stehen noch immer 2,2 Millionen Quadratmeter Büroraum leer. (jg.)

Lothar Reininger, Fraktionschef der Linken, warf Schwarz-Grün eine galoppierende Verschuldung vor. Die Beteiligung privater Investoren an Schulbauten und Brückensanierungen bringe „Hypotheken für die nächsten Jahrzehnte“.

Die FDP-Fraktionsvorsitzende Annette Rinn sagte, die Macht in der Stadtregierung gehe von der CDU zu den Grünen über: „Die CDU macht jetzt auf Kommando Sitz und Platz“.

CDU-Fraktionschef Helmut Heuser und der designierte Grünen-Fraktionsvorsitzende Manuel Stock betonten dagegen die Stabilität und Harmonie der Koalition, auch wenn man sich ab und zu auch mal „mit einem Kaktus streichele“. Die Spitzen von CDU und Grüne versicherten, der heutige Tag sei ein „personeller Meilenstein“. Die Koalition werde nun noch rund vier Jahre lang mit neuem Personal beweisen, dass sie „überzeugend Verantwortung trägt“ für Frankfurt. Den Umgang miteinander nannten beide „vertrauensvoll und aufrichtig“. Man habe keine „Sandkastenspiele“ nötig. Das Thema OB-Wahl, bei der Heilig gegen CDU-Kandidat Boris Rhein antritt, wurde weitgehend vermieden.

Die Debatte machte aber auch deutlich, dass der schwarz-grünen Koalition das Problem Flughafenausbau und Protest gegen Fluglärm erhalten bleiben wird. CDU-Fraktionschef Heuser brachte es fertig, darüber kein einziges Wort zu verlieren. Piraten, SPD und Linke sprachen den Grünen bei diesem Thema die „Ehrlichkeit“ ab. Der Grüne Stock griff die Sozialdemokraten scharf an, die von Anfang an alles für die neue Landebahn getan hätten: „Dieser Lärm ist auch euer Lärm!“

Autor:  Claus-Jürgen Göpfert, Georg Leppert und Jutta Ochs
Datum:  3 | 2 | 2012
Kommentare:  3
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