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Dezernentenwahl in Frankfurt: Späte Sieger

        

 Freude: Die scheidende Bürgermeisterin Ebeling mit Umweltdezernentin  Heilig (rechts).
Freude: Die scheidende Bürgermeisterin Ebeling mit Umweltdezernentin Heilig (rechts).

Lange Nacht im Römer: Alle fünf Mitglieder der neuen Stadtregierung sind gewählt, aber erst kurz vor Mitternacht können CDU und Grüne endgültig jubeln. Zuvor gab's Hohngelächter und scharfe Kritik für die Koalition bei der Redeschlacht mit der Opposition.

Es wurde eine lange Nacht im Römer. Erst um kurz vor Mitternacht bricht bei CDU und Grünen der finale Jubel los: In geheimen Wahlen sind alle fünf Mitglieder der Stadtregierung durchgekommen. Endlich ist die Zeit da, sich zur Siegesfeier in verschiedene Kneipen rund um den Römer zu zerstreuen. Auch Oberbürgermeisterin Petra Roth, der gerade die Ärzte nach überstandener Lungenentzündung wieder Gesundheit bescheinigt haben, zieht mit los.

Stunden zuvor gehen CDU und Grüne am Donnerstagabend selbstbewusst und locker in die Redeschlacht mit der Opposition. Trotz signifikanter Versprecher lobt CDU-Fraktionschef Helmut Heuser die „solide Partnerschaft“, die „reißfeste Beziehung“ mit den Grünen. Allerdings redet er zunächst von einer „rot-grünen Koalition“ und will dem designierten Bürgermeister Olaf Cunitz (Grüne) auch nur das „eingeschränkte Vertrauen“ der CDU mit auf den Weg geben. Er korrigiert sich.

Olaf Cunitz, Bürgermeister und Planugsdezernent

Manchmal staunt Olaf Cunitz noch immer. Dass ausgerechnet er, der 43-jährige studierte Historiker, nun der erste Frankfurter Bürgermeister aus den Reihen der Grünen werden soll. Eine „große Verantwortung“ und eine „große Ehre“ nennt der gebürtige Frankfurter das – und diese Bescheidenheit darf man ihm getrost abnehmen.

Freilich: Das ist nur die eine Seite des Olaf Cunitz. Er ist auch ein guter und geschickter Taktiker der Macht. Das hat er seit 2006 als Vorsitzender der Grünen-Fraktion an einer ganz entscheidenden Schaltstelle im Römer bewiesen.

Auch wenn Akten-Studium nun wirklich nicht zu den Lieblings-Disziplinen des Hardrock-Fans gehört: Er ist meist gut informiert und in den vielfältigen Themen der Kommunalpolitik in Frankfurt zu Hause.

Cunitz wird sich dagegen wehren, dass Repräsentier-Termine als Bürgermeister ihn auffressen. Denn als Planungsdezernent in der Nachfolge des glücklosen Edwin Schwarz (CDU) hat sich der Grüne richtig viel vorgenommen: Gemeinsam mit seinen Parteifreunden Rosemarie Heilig (Umwelt) und Stefan Majer (Verkehr) will er eine politische Achse zur ökologischen Modernisierung Frankfurts bilden.

Freilich: Die Beharrungskräfte und Widerstände, auf die ein Planungsdezernent trifft, sind groß. Seine wichtigste Aufgabe: den Wohnungsbau in der wachsenden Stadt ankurbeln. Aber es wird auch nötig sein, den Wildwuchs der Hochhäuser und Bürobauten in geordnete Bahnen zu lenken – gegen den wirtschaftlichen Druck der Investoren. Schließlich stehen noch immer 2,2 Millionen Quadratmeter Büroraum leer. (jg.)

Heuser findet schöne Sprachbilder für das Bündnis mit den Grünen. Eine Koalition sei „die Kunst, den Koalitionspartner mit einem Kaktus zu streicheln.“ Gerade die Vorstandssprecherin der Grünen in Frankfurt, Martina Feldmayer, sei da immer „mit einer Distel gut bei der Hand“ gewesen. Lachen bei CDU und Grünen. „Vertrauensvoll und unaufgeregt“ gehen CDU und Grüne zu Sache: „Koalitions-Kabale mögen andere machen – wir wollen das nicht.“ Das ist ein Seitenhieb auf die Bundesregierung.

Dezernentenwahl in Frankfurt

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Heuser lobt die scheidenden Magistratsmitglieder. Langer Beifall auch der CDU für Bürgermeisterin Jutta Ebeling (Grüne), die am 14.März in Ruhestand geht. Sie sei eine „verlässliche Partnerin“ gewesen. Dünner fällt schon der Beifall der CDU aus, als Heuser auf den scheidenden Planungsdezernenten Edwin Schwarz (CDU) zu sprechen kommt. „Seit 40 Jahren im Römer – als Frankfurter Bub bist du stolz auf diese Lebensleistung und dazu hast Du auch allen Grund.“

Souverän absolviert der designierte neue Fraktionsvorsitzende der Grünen, der erst 29 Jahre alte Manuel Stock, seine Antrittsrede. Lange setzt er sich mit dem Protest gegen die neue Landebahn des Flughafens auseinander. „Wir Grüne waren immer dagegen“, ruft er unter Hohngelächter gerade der SPD.

SPD kritisiert Grüne bei Haltung zum Flughafen-Ausbau

Prompt kontert der Grüne. Die SPD habe „fest an der Seite von Roland Koch“ für die Landepiste gekämpft, auch im Frankfurter Magistrat dafür gestimmt: „Dieser Lärm ist auch euer Lärm.“

SPD-Fraktionschef Klaus Oesterling rechnet mit Schwarz-Grün scharf ab. Vor der Kommunalwahl 2011 habe die Koalition die Bürger über die Finanzlage getäuscht. Ständig seien neue 100 Millionen Euro teure Projekte lanciert worden, wie etwa die Einhausung der Autobahn A661 – seit fast einem Jahr höre man nichts mehr davon. Der Haushaltskommission der Stadt falle nur ein, „wo nicht mehr gespart werden darf“. Mehrfach fordert Oesterling den Rücktritt des ehrenamtlichen CDU-Stadtrats Lutz Raettig, der als Lobbyist für die Börsenfusion und gegen die Interessen der Stadt eingetreten sei. Den Grünen hält der SPD-Mann beim Flughafen-Ausbau massive „Glaubwürdigkeits-Defizite“ und „Wählertäuschung“ vor.

Sitzverteilung im Römer.
Sitzverteilung im Römer.

Auch Lothar Reininger, Fraktionschef der Linken, lässt kein gutes Haar an Schwarz-Grün. Die Koalition häufe Schulden auf.

Einen tiefgreifenden politischen Umbruch macht die FDP-Fraktionschefin Annette Rinn aus. Die Macht in der Stadtregierung gehe von der CDU zu den Grünen über. Böse Zungen hätten bisher davon gesprochen, dass die CDU von den Grünen am Nasenring durch die Arena geführt werde. „Künftig macht die CDU auf Kommando Sitz und Platz.“

Doch erst einmal fühlen sich CDU und Grüne in dieser Nacht als Sieger. Sie haben sich Freunde „von außerhalb“ eingeladen, um den Sieg zu feiern. Für Olaf Cunitz ist etwa der Ex-FSV-Manager Bernd Reisig gekommen. Interessierter Beobachter ist der freie OB-Wahl-Kandidaten Jean Jules Tatchouop, der im strahlend weißen Anzug erschienen ist.

Autor:  Claus-Jürgen Göpfert und Jutta Ochs
Datum:  3 | 2 | 2012
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