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Frankfurt
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01. Juli 2012

Die Ärzte Konzert Festhalle: "Mosch, Frankfurt, mosch!"

 Von Thomas Stillbauer
Die Ärzte spielten in der Festhalle. Foto: Andreas Arnold

Mit Punkrock bei Sauna-Temperaturen haben die Ärzte an zwei Abenden die Frankfurter Festhalle zum Überkochen gebracht. Farin Urlaub, Bela B. und Rodrigo Gonzalez dirigieren dreistündige Familientreffen ohne Misstöne.

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Mit Punkrock bei Sauna-Temperaturen haben die Ärzte an zwei Abenden die Frankfurter Festhalle zum Überkochen gebracht. Farin Urlaub, Bela B. und Rodrigo Gonzalez dirigieren dreistündige Familientreffen ohne Misstöne.

Gefühlte fünfundsiebzig Grad im Wartezimmer Frankfurter Festhalle – du musst kerngesund sein, wenn du zu den Ärzten gehst. Und das war’s dann auch mit den Medizinmännerwortspielchen. Versprochen.

„Willkommen in der größten Sauna Deutschlands“, begrüßt Farin Urlaub (das ist der lange Blonde mit der schwarzen Gitarre) die feuchtvergnügt aneinander pappende Menge: „Wir haben ein paar Aufgüsse für euch dabei.“ Zu dem Zeitpunkt sind schon drei Lieder gespielt, „Tamagotchi“, „Bettmagnet“ und als erstes: „Ist das noch Punkrock?“, alle vom jüngsten Album der drei Berliner. Oh ja, das ist noch Punkrock. Oder sagen wir: wieder Punkrock.

Denn die Ärzte, seit 1982 unter dem bescheidenen Motto „Die beste Band der Welt“ unterwegs, hatten ihre ruhigeren Phasen. Mal trennten sie sich für fünf Jahre, mal produzierten sie Juxplatz-Taugliches wie „Männer sind Schweine“, das ihnen inzwischen so unangenehm ist, dass sie es nicht mehr spielen. Aber jetzt sind sie wieder unterwegs, und die Ärzte live, „Fiasko“, Schrei nach Liebe“, „Junge“: das ist Punkrock. Garantiert. Auch wenn gleich zu Beginn ein Teddybär mit der Aufschrift „Stefanie“ auf die Bühne fliegt und der Beworfene sich für den Rest des Abends Stefanie Urlaub nennt.

26 Lieder - dann noch Zugabe

Nebeneinander stehen die drei auf der Bühne. Bela B. haut sein Schlagzeug wie immer im Stehen und gibt zwischendurch den gepflegten Conférencier mit Headset-Mikro, Bassist Rodrigo Gonzalez tauscht mit Stefanie schon mal die Instrumente (Pardon übrigens, falls sich Stephanie mit ph schreiben sollte). Vor ihnen die tobende Festhalle, die noch nie so dermaßen voll ausgesehen hat.

Eines der vielen Phänomene um diese Band ist die entwaffnende Einheit mit ihrem Publikum. Wer das Spektakel eine Weile auf sich wirken lässt, hat den Eindruck, da trifft sich ein großes ulkiges Knäuel, und in Frankfurt hat diese homogene Familie eben 13.500 Mitglieder – an zwei Abenden hintereinander. Niemand, scheint’s, lässt die Hände unten, wenn die Ärzte ihre Leute zum Pantomime-Klatschen auffordern (und es ist wirklich nichts zu hören); alle setzen sich, wenn die Ärzte darum bitten, auf den Boden. Weiß der Henker, wo sie den Platz dafür hernehmen. Und es ist kein Wunder, wenn dich ein Mann anlächelt, der ein „Ihr nehmt doch alle Drogen“-T-Shirt trägt, und dir ein Bier reicht. Nein, nicht über den Kopf schüttet. Schenkt.

26 Lieder spielen die Ärzte allein bis zur Zugabe (und dann noch mal 13 – im Ernst). Die Stücke der neuen Platte wirken live einen Tick saftiger, auch die von Bela und Rodrigo komponierten und gesungenen; sie fallen gegen Urlaubs Wucht etwas ab, aber das ist Geschmackssache, genau wie der Sound in der Sauna Festhalle. Obwohl: Der ist keine Geschmackssache, der ist untenrum gewohnt sumpfig. Aber wen wundert’s im Feuchtbiotop.

"Lauter für die DVD"

Die vielen Kameras, die an Schnüren durch den Saal flitzen und im pogenden Pulk mitrocken: „Die sind von Google Maps“, sagt Stefanie Urlaub. Neiiiin, natürlich nicht. Die nehmen die Show auf für eine Live-DVD. „Und ihr seid unsere Edelstatisten!“ Das Publikum ist begeistert. „Bisschen lauter für die DVD!“ – „YEAH!“ – „Bisschen leiser für die DVD!“ – „Yihi!“ – „Pantomime-Klatschen für die DVD!“ – „...“

Das Beste, was eine Gruppe Fünfzigjähriger auf die Bühne bringen kann, die von Menschen im Alter von zehn bis siebzig vergöttert wird, ist Selbstironie. Das geht sehr schön mit einem Lied wie „zeiDverschwÄndung“ (die Großbuchstaben kürzen „Die Ärzte“ ab), in dem es heißt: „Hast du nichts Besseres zu tun als die ,Die Ärzte‘ zu hörn?“ Das geht auch sehr schön mit dem Hinweis während der schier endlosen Zugabe: „Kein Problem, wenn ihr platt seid. Ihr dürft ruhig nach Hause gehen. Wir spielen hier noch ein bisschen weiter. Mosch, Frankfurt, mosch!“ Und was tut Frankfurt? Moscht.

Wenn es die Ärzte nicht gäbe, müsste man sie im Labor züchten. „Das Ende ist noch nicht vorbei“, heißt ihre aktuelle Tournee. Danach wollen sie eine Pause machen – „auf unabsehbar lange Zeit“, wie sie verlauten ließen. Zurzeit verkaufen sie Tickets für die Tournee „Das Comeback“. Sie beginnt im Oktober.

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