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Frankfurt
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03. November 2010

Die Vorgeschichte:: Der Mahner spricht

 Von Matthias Arning
Der Politikwissenschaftler und Autor Alfred Grosser.  Foto: FR/Michael Schick

Der französische Publizist steht zu seiner Kritik an Israels Palästina-Politik und sieht sich damit auch im Dienst der Humanität. Er wird in Frankfurt zum Gedenken an die Judenverfolgung sprechen, auch wenn der Zentralrat der Juden ihn nicht am Rednerpult sehen möchte.

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Alfred Grosser will die Gedenkveranstaltung zum 9. November in der Paulskirche als Gelegenheit nutzen, um sich selbst als aufrechten Mahner darzustellen. Er werde die Geschichte aus den 60er Jahren aus Paris erzählen, wie er sich bei der Deutschen Botschaft dafür eingesetzt habe, dass eine Broschüre zur deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts aus dem Verkehr gezogen werden musste, weil sie die Reichspogromnacht 1938 nicht erwähnt hatte, berichtete der Publizist am Mittwoch im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau. Damit wolle er dokumentieren, dass er sich während der Nachkriegszeit stets dafür eingesetzt habe, die nationalsozialistische Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden in angemessener Erinnerung zu halten.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hatte daran Zweifel angemeldet. Grosser komme als Redner der Gedenkveranstaltung am kommenden Dienstag in der Paulskirche nicht in Frage, weil er die Leiden der Juden über den Vergleich mit dem Leiden der Palästinenser der Gegenwart relativiere, hielt Generalsekretär Stephan Kramer dem Publizisten vor. Außerdem habe sich Grosser in der Kontroverse zwischen dem Schriftsteller Martin Walser und dem früheren Präsidenten des Zentralrats Ignatz Bubis ausdrücklich auf die Seite Walsers gestellt. Daher sollte die Stadtregierung besser einen anderen Redner suchen. OB Petra Roth lehnte das zu Beginn der Woche aber ab.

Eine unerfreuliche Diskussion

Grosser findet diese Diskussion „unerfreulich“, aber „ich rege mich nicht auf“, hebt der heute in Paris lebende 85-Jährige hervor. In Frankfurt geboren, emigrierte die Familie jüdischen Glaubens 1933 nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten nach Frankreich. Unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs setzte sich Grosser für eine Versöhnung zwischen Deutschen und Franzosen ein. Deswegen stiftete die Polytechnische Gesellschaft im vorigen Jahr unter Beteiligung der deutsch-französischen Gesellschaft auch eine nach Grosser benannte Professur an der Goethe-Universität zur Erforschung der Bürgergesellschaft.

Bereits am 9. November des Jahres 1947 sei er wieder in Frankfurt am Main gewesen, erinnerte sich Grosser im Gespräch mit der FR. Damals sei für ihn nicht anders als dem gerade erst aus dem KZ gekommenen Walter Kolb an der Spitze der Stadtregierung klar gewesen, „eine gemeinsame Aufgabe zu haben: Wir mussten uns um das zukünftige Deutschland kümmern.“

Ein Deutschland, das sich die Verteidigung der Menschenrechte und die Verhinderung jeder Diskriminierung nach den Erfahrungen mit der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik zum Grundsatz machen sollte. „Wenn man allerdings Hitler gründlich austreiben will, muss man überall auf der Welt für die Menschenrechte eintreten“, setzte Grosser hinzu, um gleich deutlich zu machen: Auch dieses Thema werde er zum Ende seiner auf etwa eine halbe Stunde angesetzten Rede zum 9. November in der Paulskirche zur Sprache bringen.

Zu diesem Thema gehört für den Autoren, der zuletzt das Buch „Von Auschwitz nach Jerusalem“ veröffentlicht hatte, auch der kritische Bezug zu Israel. Mit Israels Palästinenser-Politik ist Grosser überhaupt nicht einverstanden, darüber müsse man auch mit Vertretern Jüdischer Gemeinden in Deutschland reden können, sagte der Politikwissenschaftler. Allerdings habe er eher das Gefühl, man gehe ihm aus dem Weg.

„Die Jüdische Gemeinde muss sich öffnen“, empfahl Grosser. In diesem Zusammenhang sei das, was dem früheren UN-Diplomatren Stéphane Hessel gerade in Frankreich widerfahre, ein überaus abschreckendes Beispiel. Der in Berlin geborene spätere französische Widerstandskämpfer, der das Konzentrationslager Buchenwald überlebt hatte, sei kürzlich in den Gazastreifen gereist, um sich ein Bild der dortigen Lage zu machen. Noch bevor er sich zu der Situation geäußert habe, sei er zuhause heftiger Kritik ausgesetzt gewesen. Als weiterführend könne er das nicht empfinden, betonte Grosser.

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