kalaydo.de Anzeigen

Frankfurt
Berichte und Bilder von allen wichtigen Ereignissen in Frankfurt

30. Oktober 2012

Diskriminiert wegen Hautfarbe: Alltägliche Ausgrenzung in Frankfurt

 Von Hanning Voigts
Für Adeoye M. ist Rassismus ein Teil seines Alltags in Frankfurt.  Foto: ddp

Adeoye M. lebt seit drei Jahren in Frankfurt. Er macht die meisten Rassismus-Erfahrungen nicht mit der Polizei, sondern mit ganz normalen Mitbürgern: Ein schwarzer Frankfurter erzählt vom ganz gewöhnlichen Rassismus in der Stadt.

Drucken per Mail

Adeoye M. lebt seit drei Jahren in Frankfurt. Er macht die meisten Rassismus-Erfahrungen nicht mit der Polizei, sondern mit ganz normalen Mitbürgern: Ein schwarzer Frankfurter erzählt vom ganz gewöhnlichen Rassismus in der Stadt.

Adeoye M. kennt es ganz genau, dieses mulmige Gefühl vor Kontrollen – ganz egal ob am Flughafen, in der U-Bahn oder am Eingang eines Clubs. Rassismus, sagt der 31-Jährige, sei ein Teil seines Alltags. „Und dadurch, dass man ständig damit lebt, erwartet man immer das Schlimmste.“

Eine Schlüsselsituation erinnert M., der in Nigeria geboren wurde und seit drei Jahren in Frankfurt lebt, noch ganz genau: Als er und ein anderer Schwarzer am Hamburger Flughafen als Einzige aus der Schlange gewunken wurden – zu einer spontanen Drogenkontrolle. „Sie haben meine Hände mit Wattestäbchen abgetupft und mich gefragt, ob ich in den letzten Monaten mit Drogen zu tun hatte“, sagt M. Damals sei er neu in Deutschland gewesen und habe sich nichts weiter dabei gedacht. „Aber wenn man eine Weile hier wohnt, dann weiß man, dass es mit der Hautfarbe zu tun hat.“

M. sagt, er kenne in Frankfurt viele Schwarze, die immer wieder von der Polizei kontrolliert würden, wenn sie abends zu Fuß oder mit dem Auto unterwegs seien. Die meisten seien sich sicher, dass das nur an ihrer Hautfarbe liege – so wie bei dem 26-jährigen Studenten aus Kassel, der vor dem Oberverwaltungsgericht Koblenz geklagt hatte. Deswegen sei den meisten Schwarzen, die er kenne, auch jederzeit bewusst, dass sie von Rassismus betroffen sein könnten. „Das vergisst man nie“, sagt M. „Das hat man ständig im Kopf.“

Rassismus-Erfahrung mit Mitbürgern

Er selbst, sagt M., mache die meisten Rassismus-Erfahrungen aber nicht mit Polizisten oder anderen Beamten, sondern mit ganz normalen Mitbürgern. „Man merkt sofort, wie die Leute einen ansehen und anders behandeln“, sagt er. Ständig bekomme er mit, dass Eltern ihre Kinder festhielten, wenn er mit dem Rad vorbeifahre, oder dass Frauen ihre Handtasche besonders fest umklammerten, wenn er abends an ihnen vorbeilaufe. „Viele Leute reden auch extra langsam mit mir und betonen jedes Wort, als sprächen sie mit einem kleinen Kind“, erzählt M. Es komme auch immer wieder vor, dass Leute ihn auf der Straße nach Drogen fragten – oder einfach ungefragt seine Haare anfassten.

Mehr dazu

Auch zu seinem Heimatland Nigeria hätten viele Frankfurter nichts als Klischees im Kopf. „Die fragen mich dann, ob es bei uns Straßen gibt, oder ob wir in Nigeria Vögel essen“, sagt M. und schüttelt lachend den Kopf.

Die größten Probleme, berichtet M., hätten er und andere Schwarze in Frankfurt mit Türstehern. Wenn er am Wochenende in einen Club gehen wolle, höre er ständig Sätze wie „Es ist schon voll“ oder „Deine Klamotten passen nicht“. „Und dabei dürfen oft Weiße rein, die auch nicht anders angezogen sind“, sagt M. Einmal habe ihm ein Türsteher sogar ganz offen gesagt: „Es sind schon genug Schwarze drinnen.“

Immerhin gebe es auch Menschen, die ihm offener begegneten, sagt M. Daher hoffe er, dass die Sensibilität für das Thema Rassismus in Zukunft wachse. Er habe auch das Gefühl, dass sich derzeit etwas tue: „Langsam merkt auch Deutschland, dass Schwarze Teil dieser Gesellschaft sind.“

Jetzt kommentieren

Übersicht

Wir informieren Sie aus der ganzen Region. Nachrichten aus Ihrer Stadt können Sie als Newsfeed abonnieren - klicken Sie dazu bitte auf das orange Symbol.

Übersichtsseite Frankfurt/Rhein-Main

Frankfurt

Rhein-Main

Bad Homburg, Hochtaunus

Bad Vilbel, Wetterau

Darmstadt

Kreis Groß Gerau

Hanau, Main-Kinzig

Main-Taunus

Mainz

Offenbach

Kreis Offenbach

Wiesbaden

Online-Kataloge
In eigener Sache

Die Zukunft der Frankfurter Rundschau ist gesichert. Die Eigentümer betonen, es gibt keinen Einfluss auf das gewachsene politische Profil. Chefredakteur Festerling blickt nach vorne: "Wir haben einiges vor."

Anzeige
Glosse
        

Da steht sie auf ihrem Brunnen in der Klappergasse.

Unglaubliche Geschichten aus dem Frankfurter Alltag - notiert von Frau Rauscher.

Felix Helbig ist tot

Mit nur 32 Jahren starb unser Freund und Kollege Felix Helbig am 13. Februar 2013. Auf dieser Seite erinnern wir uns an ihn und veröffentlichen nochmal seine schönsten und bedeutendsten Texte.

Spezial

Ein Schwarzer gerät in der U-Bahn in Konflikt mit Fahrkarten-Kontrolleuren und der Polizei Frankfurt. Am Ende liegt er im Krankenhaus. Die Polizei sieht sich Rassismus-Vorwürfen ausgesetzt. Das Spezial.


Spezial: Vorwürfe gegen Polizei Frankfurt
Zur Sache

Derege Wevelsiep steigt Mitte Oktober mit gültigem Fahrausweis in eine Frankfurter U-Bahn - und wird nach einem Wortgefecht mit Kontrolleuren von herbeigerufenen Polizisten verprügelt.

Wegen seiner Verletzungen muss er drei Tage im Krankenhaus bleiben.

Die Frankfurter Polizei ermittelt intern gegen vier Beamte des 6. Reviers, die der äthiopischstämmige Diplom-Ingenieur beschuldigt, ihn geschlagen zu haben. Sein Anwalt wirft den Beamten Hausfriedensbruch, Beleidigung und Körperverletzung vor.

Im Internet bricht ein Sturm der Entrüstung los, über soziale Netzwerke wird eine Solidaritäts-Demo organisiert.

Auch der Landtag befasst sich mit dem Fall.

Spezials
Social Media
In Twitter informieren wir als FRlokal über Frankfurt und Rhein-Main. Folgen Sie uns!
Spezial: Frankfurt Flughafen

Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten gleichermaßen: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten. Das Spezial.


Spezial: Der Flughafen wächst weiter
Mountainbike-Touren im Video
Spezial

Frankfurt unter Peter Feldmann - ein Oberbürgermeister sucht seinen eigenen Stil. Das Spezial.


Spezial: Peter Feldmanns Politik
Instrument lernen in Frankfurt
Trompete steht bei kindern hoch im Kurs.

Musik ist etwas Wunderbares - besonders wenn man selbst ein Instrument erlernt. Doch welche Schule in Frankfurt ist für wen die richtige?

Altenhilfe der FR

Spendenkonten, Bankverbindung, Online-spenden und Informationen zu Spendenquittungen.