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30. Dezember 2014

Drogen: Ein Joint kostet den Führerschein

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Wer nach dem Genuss eines Joints Auto fährt, riskiert seinen Führerschein.  Foto: imago/Christian Ohde

Fahrerlaubnisbehörden müssen bei Cannabis deutlich strenger sein als bei Alkohol. Die Polizei meldet den Besitz von Cannabis nicht nur der Staatsanwaltschaft, sondern auch der Führerscheinbehörde.

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Wer nach dem Genuss eines Joints Auto fährt, riskiert seinen Führerschein. Ist der Lappen aber erst einmal weg, wird die Fahrerlaubnis in der Regel nur nach einer Medizinisch Psychologischen Untersuchung (MPU) neu erteilt. Wer diese Untersuchung bestehen will, muss monatelang auf den Konsum von Cannabis verzichten.

Seit kurzem gilt für Cannabiskonsumenten beim Autofahren ein Grenzwert von 1,0 Nanogramm Tetrahydrocannabinol (THC) pro Milliliter Serum, das aus dem Blut gewonnen wird. Eine solche THC-Konzentration zirkuliert allerdings auch dann noch im Blut, wenn die berauschende Wirkung längst verflogen ist.

Wie Alexander Kremer von der Fahrerlaubnisbehörde auf Anfrage erläuterte, ist in Frankfurt allerdings ein anderer Messwert ausschlaggebend als der aktuelle THC-Wert. Wer Drogen konsumiert, ist der gültigen Rechtssprechung nach grundsätzlich nicht geeignet ein Fahrzeug zu führen, so Kremer. „Ausnahme: Cannabis.“ Hier werde unterschieden, ob ein einmaliger, gelegentlicher oder regelmäßiger Konsum vorliegt. Um das herauszufinden, werde nicht der aktuelle THC-Wert betrachtet, sondern eine andere Substanz gemessen, die THC-Carbonsäure (THC-cooh), die im Körper abgelagert wird. „Wir gucken in die Vergangenheit“, so Kremer

Werden mehr als 150 Nanogramm THC-cooh nachgewiesen, wird von einem regelmäßigem Konsum ausgegangen und der Führerschein eingezogen. Das ist auch der Fall, wenn bei jemandem 100 bis 150 Nanogramm gemessen werden und von einem „gelegentlichen Konsum“ die Rede ist. Wenn der Führerschein neu beantragt wird, müssen auch Gelegenheitskonsumenten in der Regel eine Medizinisch Psychologische Untersuchung (MPU) bestehen, im Volksmund „Idiotentest“ genannt.

Cannabis beruhigt und verlangsamt Reaktion

Ziel sei, dass eine klare Trennung von Cannabisrausch und Autofahren erwartet werden kann. Das bedeute im Klartext, etwa nach einem Joint am Wochenende, das Auto „ein, zwei Tage stehen zu lassen“. Eine der wenigen Zahlen, die es gibt, sind die 1200 Anträge für eine Neuerteilung des Führerscheins im Jahr. Da seien dann aber „alle drin“, so Kremer: Unfallverursacher, Alkohol- und Drogenkonsumenten. Grob geschätzt würden sich die Cannabis- und Alkoholkonsumenten in etwa die Waage halten.

Nach Angaben des Freiburger Wissenschaftlers Volker Auwärter ist ein mittelfristiger Verzicht auf den Cannabiskonsum die Voraussetzung dafür, die MPU zu bestehen. Auwärter kritisierte im Gespräch mit der FR die „Ungleichbehandlung“ von Alkohol- und Cannabiskonsumenten. Wer mit dem Alkohol-Grenzwert von 0,5 Promille im Blut erwischt werde, dürfe seinen Führerschein behalten. Auwärter forderte eine Reform der Fahrerlaubnisverordnung, damit ein kontrollierter Cannabiskonsum zugelassen werden könne. Ansonsten laufe die Praxis der Führerscheinbehörden auf eine „Sanktionierung durch die Hintertür“ hinaus.

Die Polizei ist verpflichtet, den Besitz von Cannabis nicht nur der Staatsanwaltschaft, sondern auch der Führerscheinbehörde anzuzeigen. Während die Staatsanwaltschaft Verfahren bis zu sechs Gramm Eigenbesitz einstellt – wie von einer Sprecherin bestätigt wurde, lässt sich das Nachspiel bei der Führerscheinbehörde nicht verhindern.

Nach Angaben der Polizei wurden bis zum Stichtag 1. September in diesem Jahr bei rund 400 Autofahrern „berauschende Mittel“ festgestellt, darunter nicht nur Cannabis, sondern auch Kokain und Amphetamin. Die Beamten seien für die „Drogenerkennung im Straßenverkehr“ geschult, heißt es in einer Stellungnahme. Wer kontrolliert wird, muss einen Koordinationstest absolvieren, der oft durch Speichel- und Urintests ergänzt wird. Während Alkohol enthemmt und „mutiger“ macht, wirke Cannabis beruhigend. Gefahren könnten zu spät erkannt, eine Reaktion könne zu langsam erfolgen.

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