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28. Juli 2014

Ein-Cent-Stücke : Die Gier und die gute Tat

 Von Hannah Weiner
Das Vertrauen des Künstlers wurde belohnt, obwohl das Geld in der ersten Nacht weg war.  Foto: epd

Das Wort "Vertrauen" auf dem Pflaster der Frankfurter Zeil, gebildet aus 54.000 Ein-Cent-Stücken: Die Kunstaktion von Ralf Kopp zeigt das ambivalente Verhältnis der Frankfurter zu Geld.

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Immerhin war es am Ende nicht nur Gier, die das Geld schon innerhalb von einer Nacht verschwinden ließ. 54.000 Ein-Cent-Münzen hatte der Künstler Ralf Kopp in Form des Wortes „Vertrauen“ am 17. Juli vor die Katharinenkirche auf der Zeil platziert (die FR berichtete). Was passiert, wenn 540 Euro einfach so unbeobachtet auf der Straße in Frankfurt liegen, war die Fragestellung des Kunstprojektes „Gier frisst: Vertrauen“. Während des Tages sei das Geld noch unangetastet geblieben, doch in der Nacht ab 2 Uhr sei innerhalb von eineinhalb Stunden alles abgeräumt worden, musste der Darmstädter Künstler feststellen. Das Experiment war eigentlich auf zwei Wochen angelegt.

Ausstellung

Die das Kunstprojekt begleitende Ausstellung „Gier frisst: Vertrauen“ ist noch bis Donnerstag, 31. Juli, werktags von 14 bis 19 Uhr in der Katharinenkirche zu sehen.

Die Finissage ist donnerstags um 18 Uhr.
Ralf Kopp zeigt hier weitere Kunstobjekte, die sich mit dem Verhältnis des Menschen zu Geld auseinandersetzen. (prhw)

Die Ein-Cent-Stücke bildeten die jeweils einen Meter hohen und einen halben Meter breiten Buchstaben. Kopp wollte mit dieser Kunstaktion die Verführbarkeit von Passanten testen. Er habe vorher keine genaue Vorstellung von dem gehabt, was passieren könne, sagt er. Das Projekt sollte testen, ob „Vertrauen“ stärker sei als die Gier nach Geld.

Eine Kamera dokumentierte den gesamten Zeitraum. Sie sei allerdings so platziert gewesen, dass keiner der Passanten zu identifizieren sei. So konnte Kopp nachvollziehen, dass sich auch augenscheinlich Gutsituierte bedienten. „Ich durfte wesentlich mehr positive Erfahrungen machen als negative“, resümiert der Künstler trotzdem. Denn obwohl das Geld schon nach 14 Stunden weg war, konnte er auch gute Taten beobachten.

So hätten Passanten Münzen dazugelegt – sogar noch spät nachts. Den Großteil des Geldes haben vier Jugendliche abgeräumt. Allerdings steckten sie es nicht in die eigene Tasche, sondern in die Plastiktüte eines Obdachlosen. „Er hat es nötiger gebraucht als wir“, fanden sie.
„Ich bin sehr stolz auf euch und tief berührt“, sagte Kopp zu Elisha und Niclas, zwei der vier Jugendlichen, mit denen er sich daraufhin traf. Ihre Geschichte: Sie waren in besagter Nacht in der Stadt unterwegs. Der Obdachlose sprach sie an und fragte nach Geld. Kurze Zeit später fanden sie die Cent-Stücke vor der Kirche. Die Jugendlichen holten den Mann und halfen ihm, das Geld einzusammeln. Dieser kündigte an, dass er mit anderen Bedürftigen teilen wolle.

Niclas erzählt außerdem, dass ein „gut gekleideter Herr“ sie aufforderte, das Geld besser selbst einzustecken – nachdem er sich bereits selbst bedient habe. Ralf Kopp freut sich über das Ergebnis seines sozialen Experiments: „Ich habe mir gewünscht, dass Menschen es einstecken, die es wirklich nötig haben. Schön, dass das nun wenigstens zum Teil in Erfüllung gegangen ist.“

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