Eine halbe Stunde vor der großen Feierlichkeit ist die Zeit der Einsilbigkeit. Laura verschanzt sich hinter ihrem nagelneuen Schulranzen am Eingang der Linnéschule und ist erst mal nervös. Erster Schultag, da darf das Herz schon mal klopfen. Aber klar, sie freut sich auch. Wegen ihres tollen Schulranzens mit Delfinen drauf, wegen der selbst gebastelten Schultüte – auch mit Delfinen drauf. „Und mit den ganzen Süßigkeiten drin. Die sind das Beste am Schulanfang.“ Und natürlich auch, weil sie jetzt endlich lesen lernt. Das ist überfällig. Laura strahlt. Das Eis ist gebrochen. Zumal jetzt endlich auch Sophia, Laura, Emma und Adele eintrudeln. Ihre Freundinnen, die mit ihr eingeschult werden.
Der Eingang der alten Bornheimer Grundschule füllt sich – und mit den Menschen steigt auch der Nervenkitzel. Wuselige Jungen und Mädchen schleppen Ranzen und große bunte Schultüten, jüngere Geschwister tragen kleine nebenher, Eltern, Großeltern, Tanten, Onkel halten Kameras und Webcams im Anschlag.
Ein großer, aufregender Tag, wird Schulleiterin Helga Vogt wenig später bei der Begrüßung sagen. Lauras Mutter, Carla Placentra, kann das nur bestätigen. „Ich bin total nervös, wahrscheinlich viel mehr als meine Tochter.“ Aus doppeltem Grund: Während sie mit Laura Einschulung in die Grundschule feiert, ist der Vater mit dem Sohn bei der Einschulung in der weiterführenden Schule.
Aber nervös sind heute irgendwie alle. Und stolz. Renate Nelius ist mit ihrem Mann extra aus dem fränkischen Kulmbach angereist, um mit Kind und Kegel die Einschulung ihrer Enkeltochter zu feiern. Jetzt trägt sie die Mini-Tüte des jüngsten Enkelchens und ist total stolz auf die Große. Ein bewegender Moment: „Man erinnert sich an die Einschulung der eigenen Kinder und sieht wie die Zeit läuft.“
Ein neuer Abschnitt – für 6220 Schulanfänger in der ganzen Stadt. Und auch Stefanie Wieder wird ganz sentimental zumute, während sie ihren anderthalbjährigen Jüngsten auf dem Arm wippt und der vierjährige Felix neben Papa wartet. „Ich dachte, ich nehme das gelassener, weil ich selbst Lehrerin bin, aber jetzt bin ich doch total aufgeregt.“
Ihr „Großer“, Leon, hat sich mit Schultüte und Ranzen schon zu den anderen Erstklässern ganz vorne in die Turnhalle gepflanzt und wartet ungeduldig, dass es endlich los geht mit Schule. Wie sich das anfühlt, wissen Philipp, Marsel, Lola und Alisa aus der 2b noch sehr genau. Für die Neuen haben sie ein Lied und einen Tanz einstudiert und sind jetzt stolz wie Harry, die Neuen begrüßen zu können – und vorzuführen, dass Schule nicht nur aus Lesen, Rechnen und Schreiben besteht. „Fühlt sich sehr gut an“, nicht mehr die Kleinsten zu sein, sagt Marcel, während gerade die Schüler aus der 2a den Neuen schon mal Singenlernen nach dem Primacanta-Konzept vorführen. Am Ende machen alle mit, wogt der Rhythmus durch die Turnhalle. Sogar die Eltern und Großeltern klatschen im Takt, reiten mit Indianer Kleiner Bär und Musiklehrerin Verena Türk-Ziebarth zum ersten Schultag. Die Anspannung legt sich, zumindest der erste Schultag macht offensichtlich richtig Spaß.
„Das ist immer wieder eine aufregende Sache für alle – für Lehrer, Eltern und die Kinder, die den Neuen entgegenfiebern.“ Martina Kleinfelder-Ditschler spricht aus Erfahrung, hat als Vorstandsmitglied des Fördervereins der Schule schon einige Einschulungen mitgemacht. Jetzt steht sie wie alle Jahre mit weiteren Müttern vor der proppenvollen Turnhalle und schenkt Kaffee für die Gäste aus. Drinnen surren derweil die Webcams, blitzlichtern die Kameras – bis es Ernst wird, die Klassenlehrerinnen kommen und „ihre“ Kinder in die Klassenzimmer holen. Die Schule hat begonnen.

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