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22. November 2012

Eintracht Frankfurt - 1. FC Kaiserslautern: Polizist gegen Polizist

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Bengalisches Feuer im Fanblock während des Spiels Eintracht gegen Kaiserslautern im März 2011. Foto: dpa

Im März 2011 prügeln sich vorm „Problemspiel" Eintracht gegen Kaiserslautern Fans der beiden Clubs rund ums Waldstadion. Die Polizei schreitet ein. Und knüppelt urplötzlich auf zwei unbeteiligte dienstfreie Kollegen ein. Das Missverständnis landet vor Gericht.

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Im März 2011 prügeln sich vorm „Problemspiel" Eintracht gegen Kaiserslautern Fans der beiden Clubs rund ums Waldstadion. Die Polizei schreitet ein. Und knüppelt urplötzlich auf zwei unbeteiligte dienstfreie Kollegen ein. Das Missverständnis landet vor Gericht.

Im Frühjahr 2011 wurden Hans-Jürgen L. und Dennis D. von der Polizei verprügelt. Das ist mal was anderes, denn eigentlich sind Hans-Jürgen L. und Dennis D. selbst die Polizei. Es ist der 3. März, im Waldstadion spielt die Eintracht gegen den 1. FC Kaiserslautern. Nicht nur für die Frankfurter Polizei ein „Problemspiel“ mit „Problemfans“, und tatsächlich zieht solch ein Problemfan in einem Sonderzug voller Kaiserslauterner Schlachtenbummler kurz vor dem Stadion die Notbremse, weil draußen an den Gleisen gleichgesinnte Eintracht-Krawallschachteln einen warmen Empfang vorbereitet haben.

Und los geht's mit allem, was so zum Arsenal dazugehört: Dachlatten, Knallfrösche und Fäuste fliegen durch die Gegend, der Mensch wird kurzzeitig des Menschen Wolf, allerdings verbotswidrig auf dem sich zufällig zwischen den beiden Fehdeparteien gelegenen Privatgrundstück von Hans-Jürgen L., der seit seiner Kindheit dort wohnt, und die war in den 60ern. Noch während die Hunnen durch seinen Garten marodieren, macht sich der an diesem Tag krankgeschriebene Polizist an die Aufräumarbeiten, assistiert von seinem Nachbarn Dennis D., der auch keinen Dienst hat. Als beide gerade Dachlatten zwecks Entsorgung in den Händen halten, kommt es zum Auftritt der aktiven Polizisten.

Robert R. und André K. sind an jenem Tag bereits sechs Stunden im Dienst. Sie haben erlebt, wie Kollegen durch geschmissene Flaschen verletzt wurden, sie haben sich stundenlang Polizei-Schmähgesänge angehört - kurz: sie sind nicht gerade bester Stimmung, als sie auf die bedachlatteteten Kollegen in Zivil treffen, und schon tanzt der Knüppel, und Dennis D. kassiert ein paar blaue Flecken, ebenso wie Hans-Jürgen L., dem zudem der Schleimbeutel im Ellenbogen platzt, der später herausoperiert werden muss.

Ohne Vorwarnung verhauen

Ohne Vorwarnung seien sie verhauen worden, sagen die Opfer. Mit Vorwarnung, sagen die Angeklagten. Dennis D. kennt den Mann, der ihn verprügelt hat, sogar: Er hat bei André K. seine „Schlagstock-Ausbildung genossen“. Die Prügel hat der Lehrling dem Meister mittlerweile verziehen, beim Bier unter Kollegen. „Ich war zu schnell und du zu langsam“, sagt André K. heute zu seinem Ex-Azubi.

Denn unstrittig ist, dass beide die Hiebe nur kassierten, bis sie ihre Dachlatten wegwarfen – danach war Ruhe. Das hätte aber keiner von ihnen verlangt, sagen die Opfer. Hätten sie wohl, sagen die Angeklagten.

Falsche Solidarität

Aussage gegen Aussage, Polizist gegen Polizist. Die als Zeugen vor das Amtsgericht geladenen Kollegen sagen sämtlich zugunsten der Angeklagten aus, alle wollen die Aufforderung zum Dachlattenwegwurf gehört haben, doch der Richter versteht das als „falsch verstandene Solidarität“, droht sämtlichen Zeugen mit einem Verfahren wegen Falschaussage und verurteilt Robert R. schließlich wegen gefährlicher Körperverletzung im Amt in einem minderschweren Fall zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen à 60 Euro, also 7200 Euro. Das Verfahren gegen André K. wird gegen eine Zahlung von 1000 Euro an Ärzte ohne Grenzen eingestellt.

Er könne ja verstehen, sagt der Richter, dass es im Eifer des Gefechts zu Kurschlusshandlungen komme. Und wie André K. so goldrichtig bemerkt hatte: „Man steht ja nicht da rum wie ein nasser Sack, sondern hat eine gewisse Spannung im Körper.“ Richtig schlimm findet der Richter, dass Robert R. bis heute von der Richtigkeit seines damaligen Tuns durchdrungen sei. Dabei sehe Hans-Jürgen L. mit seinem gemütlichen Zwirbelschnurrbärtchen nun wirklich nicht aus wie ein böllernder, pöbelnder, gewaltsuchender Dachlattenschläger. Das täten die alle nicht, sagt Robert R.

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