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23. Januar 2013

Eintracht Frankfurt: Dream-Team im Schacht

 Von Thomas Kilchenstein und Georg Leppert
Ewige Helden: Charly Körbel, Bum-Kun Cha, Anthony Yeboah, Bernd Hölzenbein und Uwe Bindewald. Foto: Alex Kraus

Die Eintracht lässt ihre Legenden in der U-Bahnstation "Willy-Brandt-Platz" hochleben. Fans haben darüber abgestimmt, wer in die beste Adler-Elf aller Zeiten plus Trainer jenseits aller Einsatzzeiten gehören sollte. Die Aufstellung von Säulenheiligen gibt es jetzt unter Tage zu sehen.

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Es geht ein Raunen durch die Panorama-Bar im Schauspielhaus, als die zwei Legenden die Treppen hinaufsteigen. Foto-Handys werden in Stellung gebracht, eine Gasse bildete sich, Blitzlichter, dann kommen sie, ein wenig schüchtern zunächst: Anthony Yeboah und Bum kun Cha, die zwei wohl besten Stürmer, die im letzten halben Jahrhundert je für Eintracht Frankfurt Tore erzielt haben. Und was für Tore, mit links, mit rechts, mit Köpfchen, wie sie es wollten, gegen wen sie es wollten.

Und auch jetzt stehlen sie allen die Show, Karl-Heinz Körbel, Bernd Hölzenbein und Jürgen Grabowski mögen es verzeihen. Cha und Yeboah, die beiden Ausnahmeangreifer − sie sind die Stars bei der Präsentation der Säulen der Eintracht am Theaterplatz − auch ohne Stollenschuh, dafür im edlen Zwirn.

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Klubchef Heribert Bruchhagen und Vorstandskollege Axel Hellmann begrüßen die beiden Kicker persönlich, ein Strahlen geht über ihr Gesicht. Natürlich sind auch sie glühende Fans, wie alle im Raum, Hellmann ist 41, er hat Yeboah einst als Knirps zugejubelt, im alten Waldstadion noch. Bruchhagen war, Anfang der 90er, Manager beim Hamburger SV, als der Ghanaer die Bundesliga aufmischte. Dann gesellt sich Karl-Heinz Körbel dazu, der treue Charly, er hat mit beiden zusammengespielt, viele Schlachten geschlagen. „Tony, du siehst viel besser aus als früher.“

15.000 aktive Fans

Im April vergangenen Jahres hatten die Eintracht und die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) dazu aufgerufen, die beste Eintracht-Elf aller Zeiten zu wählen. Und die Fans beteiligten sich rege. Mehr als 15.000 stimmten im Internet darüber ab, welche Konterfeis an den Säulen in der U-Bahnstation Willy-Brandt-Platz hängen sollen. Und dieses Dream-Tream ist es geworden: Oka Nikolov im Tor, Uwe Bindewald, Karl-Heinz Körbel, Bruno Pezzey in der Abwehr, Jay-Jay Okocha, Alex Schur, Jürgen Grabowski, Uwe Bein im Mittelfeld und vorne: Bernd Hölzenbein Tony Yeboah und Bum kun Cha. Mehr Offensive geht nicht, mehr Leidenschaft nicht, mehr Eintracht auch nicht. Was hat dieser Verein einst für sagenhafte Kicker hervorgebracht! So manche Gänsehaut lief da der Versammlung kollektiv über die Rücken. Es war ein ganz besonderer Moment, fast so, als sei die Zeit stehen geblieben.

Nun hängen diese Legenden im U-Bahn-Schacht. Dass ausgerechnet diese Haltestelle zur Ruhmeshalle der Eintracht wurde, hat im Wesentlichen zwei Gründe, wie VGF-Geschäftsführer Werner Röhre am Mittwoch erklärte. Zum einen sei der Willy-Brandt-Platz eine zentrale Station. Und zum anderen gebe es nur an dieser Haltestelle zahlreiche „gleichartige Säulen in einem engen Abstand“.

Für den Vorstandschef Heribert Bruchhagen ist die Wahl eine „tolle Idee“. Auch wenn es schwierig sei, Spieler aus verschiedenen Generationen zu vergleichen. Die Präsentation der Säulen, unter anderem unter den Augen des ehemaligen Verteidigungsministers Franz-Josef Jung (CDU), sei ein großartiger Tag für die Eintracht: „Das hier ist die Eintracht, darüber sollten auch die Leute nachdenken, die dem Verein schaden“, sagte Bruchhagen in Anspielung auf Zuschauer, die am Samstag beim Auswärtsspiel in Leverkusen gezündelt hatten.

Keiner von 1959

Dass bei der Wahl vor allem Spieler aus den vergangenen drei oder vier Jahrzehnten gut abschnitten, wundert Matthias Thoma, den Chef des Eintracht-Museums, nicht. Natürlich sei es merkwürdig, dass aus der Meistermannschaft von 1959 kein einziger Akteur gewählt wurde, „aber das ist bei diesen Abstimmungen so, da schneiden die jüngeren Spieler immer besser ab, weil die Erinnerungen an sie noch frischer sind“, sagte Thoma. Zumindest legte die Eintracht darauf Wert, dass die Meistermannschaft auf einer zusätzlichen Säule zu sehen ist, auf der die wichtigsten Daten des Vereins aufgeführt sind.

Bum kun Cha mit Gattin Oh Vu Mi und Anthony Yeboah mit Tochter Shereena waren eigens zu diesem Ereignis aus Seoul und Accra gekommen. „Ich fühle mich geehrt. Ich bin sehr glücklich“, sagt Cha, als er mit mit den Kollegen runter in die Station steigt und sich zum Foto vor „seine“ Säule stellt. Einmal im Jahr sind die Chas bestimmt in Frankfurt, früher waren sie öfter da, als Sohnemann Du Ri noch bei der Eintracht spielt. Cha senior, in Asien so berühmt wie hierzulande vielleicht nur noch Franz Beckenbauer, arbeitet beim koreanischen Fernsehen, er ist noch immer sehr populär, zudem hat er eine Fußballschule. Selbst kickt er nicht mehr, „ich bin zu alt“, aber Golf spielt er noch mit großer Leidenschaft. Natürlich hatte er seine schönste Zeit in Frankfurt, 1980 mit dem Uefa-Cup-Sieg gekrönt, dann ist er zu Bayer Leverkusen gewechselt. Frankfurt haben er und seine charmante Gattin nie aus dem Herzen verloren. Noch heute sagt Karl-Heinz Körbel: „Was der Cha für eine Athletik hatte, einfach unglaublich.“

Ganz klar: Champions League

Nicht alle freilich hatten kommen können zum - ja, auch ein bisschen sentimentalen Stelldichein. Oka Nikolov, der einzig Aktive noch, musste zur gleichen Zeit bei Armin Veh trainieren, Alex Schur drückte in Köln die Schulbank, Uwe Bein war geschäftlich verhindert, Jay-Jay Okocha, der mit dem Ball tanzt, war in Nigeria geblieben. Anwesend war aber Ron Berger, der Sohn des unvergessenen Fußballtrainers Jörg Berger, der mit 65 seinem Krebsleiden erlegen war, der Mann, von dem Kultspieler Jan-Aage Fjörtoft sagte, er hätte auch die Titanic gerettet, immerhin schenkte er der Eintracht 1999 ein weiteres Jahr die Erstklassigkeit. Und die Witwe von Bruno Pezzey, mit 39 viel zu früh bei einem Eishockey-Spiel verstorben, ließ liebste Grüße ausrichten.

Und natürlich konnte die Frage aller Fragen nicht fehlen: Wie würde solch ein All-Star-Team abschneiden? Für Tony Yeboah, der am Mittwochabend gemeinsam mit Bum kun Cha im Museum im Eintracht-Stadion noch zu Gast war, ist die Sache klar: „Diese Mannschaft würde Champions League spielen.“

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