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18. Juli 2012

Eintracht Frankfurt Markenschutz: Eintracht ist kein Gemeingut

 Von Felix Helbig
So sieht der Bundesligist Eintracht Frankfurt das eigene Emblem gerne.  Foto: Heiko Rhode

Eintracht-Vorstandschef Bruchhagen beschwört zwar auf dem Sicherheitsgipfel in Berlin den Dialog mit Fans - sein Klub hingegen lässt Abmahnungen an Fans schicken, weil die unerlaubt den Begriff Eintracht verwenden.

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An diesem Dienstag war Heribert Bruchhagen mal wieder als Streiter für die Rechte von Fußballfans unterwegs, in Berlin nahm der Vorstandschef von Eintracht Frankfurt am Sicherheitsgipfel mit Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CDU) teil. Bruchhagen, 63, debattierte mit den Verantwortlichen der anderen deutschen Profivereine über die Gewalt in den Stadien, über Pyrotechnik, über drastische Maßnahmen, die immer wieder gefordert werden. Heribert Bruchhagen beschwört dann gerne den Dialog mit den Fans.

Sein eigener Klub dagegen ist zu drastischen Maßnahmen ohne Dialog durchaus bereit. Ein Fan hat das gerade zu spüren bekommen. Der Blogger hat die Markenrechte von Eintracht Frankfurt verletzt. Er gibt das auch zu.

Der Eintracht-Fan betreibt im Internet das „Adlerblog“ und einen Podcast, vor etwa zwei Jahren kam er auf die Idee, seinen Lesern auch T-Shirts mit Sprüchen und „Adlerblog“-Schriftzügen anzubieten. Also legte er einen Shop an und verkaufte binnen zwei Jahren genau 41 T-Shirts mit einem Gewinn von insgesamt exakt 60,48 Euro. Im Mai bekam er dann Post vom Anwalt der Eintracht.

Verein droht mit Klage

„Ich wurde aufgefordert, eine Unterlassungserklärung zu unterzeichnen, den Shop zu löschen und die Anwaltskosten in Höhe von 1880 Euro zu bezahlen“, sagt der Blogger, der aus Sorge vor weiterer Post seinen Namen nicht in der Zeitung lesen mag. Andernfalls werde Klage eingereicht. Stein des Anstoßes: die Verwendung der Begriffe „Eintracht“ und „SGE“. Sie sind geschützt.

Der Blogger sagt, ihm sei vollkommen klar, dass die Eintracht da im Recht sei, er habe deshalb sofort den Shop gelöscht. Dann habe er E-Mails an die Eintracht geschickt und angeboten, ein Vielfaches des Gewinns als Entschädigung für einen guten Zweck zu spenden. „Darauf kam keine Reaktion, stattdessen das nächste Schreiben vom Anwalt“, sagt er. Er solle aufhören, die Eintracht zu belästigen. Und unterschreiben. Und bezahlen.

„Ich bin enttäuscht“, sagt der Blogger. Durch den auf 75.000 Euro festgesetzten Streitwert seien ihm enorme Kosten entstanden, er habe unerfreuliche Briefe erhalten, die zu verstehen er selbst einen Anwalt engagieren musste. Dabei hätte eine einzige E-Mail ausgereicht. „Von dem immer wieder in der Öffentlichkeit vorgetragenen Dialog mit den Fans war nichts zu erkennen. Ich weiß nicht, ob man so mit treuen Fans umgeht.“

Eintracht-Beerdigung untersagt

Eintracht-Justiziar Philipp Reschke beschäftigt sich seit Jahren mit solchen Fällen, lange sei er jedem Einzelnen hinterhergerannt, habe Briefe geschrieben, Fristen gesetzt, nachgehorcht, sagt er. „Die kommerzielle Trittbrettfahrerei ist inzwischen sehr weit verbreitet, im Internet finden sich Unmengen von Angeboten, in denen Menschen kleine oder auch größere Nebenerwerbsquellen mit der Marke Eintracht Frankfurt betreiben“, berichtet Reschke. Die „entgegenkommende Methode“ des persönlichen Dialogs habe dabei leider „nicht gefruchtet“, deshalb sei der Klub dazu übergangen, einen Anwalt mit dem Thema zu beschäftigen. „Der rechnet natürlich seine Kosten ab und das muss dann von uns oder von den Betroffenen bezahlt werden“, sagt Reschke. Natürlich sehe er dabei „den Rechtsverletzter in der Pflicht, auch moralisch“.

Dass der Justiziar mit dieser Lösung nicht unbedingt glücklich ist, gibt er offen zu. Der Anwalt mache natürlich keinen Unterschied, ob die Verletzung der Markenrechte im kleinen Kreis von Fans geschehe, als ein „charmantes Kommerzialisieren des Fan-seins“, wie Reschke es nennt, oder ob es im großen Stil professionell geschehe. „Wir haben da als Klub auch immer wieder ein schlechtes Gefühl bei, denn unsere Verantwortung geht ja deutlich weiter, als juristisch recht zu haben“, sagt Reschke. Am Ende müsse es aber eine sachliche Lösung geben.

Im Falle des Adlerblogs sieht der Justiziar durchaus das Problem, dass es sich eher um Angebote für den kleinen Kreis der Blogleser handelte, gibt aber zu bedenken, „dass das Angebot nicht so aufgezogen war“. Es gehe der Eintracht nicht darum, sich in „abstrusen Rechtsstreits“ durchzusetzen. „Aber Eintracht Frankfurt ist auch kein Gemeingut.“

Das sehen viele Fans anders. In manchem Forum wird das Vorgehen der Eintracht beklagt, der Tenor: Der Klub solle sich lockermachen, solange niemand dem vereinseigenen Merchandising ernsthaft Konkurrenz mache. Und wer mit „Eintracht“ auf der Brust rumlaufe, mache ja auch Werbung.

Das wiederum sieht der Klub anders, das bekamen die Anhänger auch schon an anderer Stelle zu spüren. Als ein Bestatter vor ein paar Jahren eine Eintracht-Beerdigung ins Programm nahm, da untersagte der Klub auch das.

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