Kurz vor dem womöglich letzten Prozesstag gegen mehrere Betriebsräte werden neue Details im Maredo-Streit bekannt: Wie die Staatsanwaltschaft am Montag auf FR-Anfrage bestätigte, wurden bereits am 11. Juli die Räume des Maredo-Restaurants in der Freßgass durchsucht. Dabei sei es vor allem um Unterlagen zur Videoüberwachung gegangen, sagte Behördensprecherin Doris Möller-Scheu. Zudem versuche man die Identität eines Sicherheitsmitarbeiters festzustellen, der im Verdacht stehe, sich der Freiheitsberaubung und Nötigung gegen Mitarbeiter schuldig gemacht zu haben.
Hintergrund der Durchsuchung ist ein Streit zwischen der Geschäftsführung der Steakhauskette und den ehemaligen Mitarbeitern des Restaurants. Maredo hatte sie im November vergangenen Jahres mit den Ergebnissen einer heimlich installierten Videoüberwachung und den Berichten von verdeckten Ermittlern konfrontiert, nach denen die Angestellten immer wieder Speisen des Restaurants zu sich genommen haben sollen, ohne diese zu bezahlen. Die Mitarbeiter klagten nach der Versammlung, sie seien zur Kündigung gedrängt worden mit dem Hinweis, alternativ würden sie fristlos entlassen, zudem werde man Strafanzeige wegen Diebstahls gegen sie stellen.
Nach der Versammlung am 26. November, die von der Polizei beendet worden war, stellten 14 Mitarbeiter ihrerseits Strafanzeige gegen Maredo wegen Freiheitsberaubung und Nötigung, weil sie daran gehindert worden seien, die Versammlung zu verlassen. Seither ermittelt die Staatsanwaltschaft. Vor dem Arbeitsgericht laufen zudem etliche Verfahren, unter anderem gegen drei Betriebsräte des Restaurants, die ebenfalls gekündigt werden sollen. Das Verfahren könnte beim heutigen zweiten Kammertermin zu einer Entscheidung kommen.
Im Verfahren gegen die Betriebsräte spielte die Videoüberwachung bislang eine eher untergeordnete Rolle. Im Gegensatz zu zahlreichen Mitarbeitern haben sie eingeräumt, immer wieder Speisen konsumiert zu haben, ohne diese zu bezahlen. Allerdings argumentieren die Betriebsräte mit einer jahrzehntelangen betrieblichen Übung, in der die Nahrungsaufnahme von Vorgesetzten geduldet oder sogar dazu aufgefordert worden sei.
Eine zunehmende Rolle in den strafrechtlichen Verfahren könnten nach FR-Informationen auch die Eigentumsverhältnisse bei Maredo spielen, auf die Anwälte der ehemaligen Maredo-Beschäftigten abzielen. Demnach hält das Management der Steakhauskette 15 Prozent der Gesellschaftsanteile des Unternehmens, während 85 Prozent dem Private-Equity-Fonds GEP III gehören. Dieser wiederum wird verwaltet von der ECM GmbH mit Sitz an der Frankfurter Taunusanlage, die auch selbst Anteile an dem Fonds hält. Das Unternehmen legt anscheinend immer wieder Fonds auf, um mit dem gesammelten Geld dann Unternehmen aufzukaufen, sie profitabel zu machen und wieder zu verkaufen.
Die ehemaligen Maredo-Mitarbeiter in der Freßgass hatten in der Vergangenheit immer wieder den Verdacht geäußert, die Steakhauskette wolle sie loswerden, weil sie häufig schon seit mehr als zwei Jahrzehnten im Unternehmen arbeiteten und deshalb vergleichsweise hohe Gehälter bekämen. Zudem seien sie eines der wenigen Restaurants gewesen, das einen Betriebsrat hatte.
Ob der gekündigt werden kann, wird sich wohl heute vor dem Arbeitsgericht entscheiden. Bei den bisherigen Terminen war es vor allem um die Frage gegangen, wer wann was gegessen und womöglich nicht entsprechend in der Kasse boniert habe. Heute wird es wohl auch darum gehen, ob sich Maredo bei der Beweisführung illegaler Mittel bedient hat.
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