Allein das Wort „Europaboulevard“ erinnert an einen großen Wurf. Bis zu 60 Meter breit soll die Flaniermeile werden, mit einem Park, dem Europagarten, als grüner Oase in der Mitte. Unter dem Boulevard sollte spätestens ab 2019 die U5 hin- und herrauschen und den Beschäftigten und Bewohnern des Europaviertels eine schnelle Anbindung ins Stadtgebiet bieten. Rauschen wird die Bahn wohl, vermutlich mehr als manchem lieb ist, denn aus der U-Bahn, der Untergrundbahn, wird zu großen Teilen eine O-, eine oberirdische Bahn.
Ans Licht wird die U-Bahn gezwungen, weil die Stadt Frankfurt an vielen Ecken und Enden sparen muss. Bund und Land, die gewöhnlich solche Verkehrsprojekte zu über 80 Prozent bezuschussen, haben Frankfurt zurückgepfiffen. Der Untergrundbau würde über 260 Millionen Euro kosten. Viel zu viel auch für die klammen Staatskassen. Bund und Land rücken das Geld nur heraus, wenn die U-Bahn teilweise oberirdisch über den Boulevard geführt wird. 80 Millionen Euro sollen so eingespart werden, und nach Angaben von Verkehrsdezernent Stefan Majer (Grüne) haben Bund und Land die Pläne abgesegnet.
Die sofort geäußerte Befürchtung, auf dem Europaboulevard würden nun Zustände wie auf der Eschersheimer Landstraße entstehen, wo die U-Bahn-Strecke den Stadtteil zerschneidet und es schon etliche Tote beim Überqueren der Gleise gegeben hat, zerstreut Majer. „Die Verhältnisse sind hier ganz anders, eher wie in der Borsigallee, wo Autos und Bahn auch nebeneinander fahren.“ Nach Ansicht des Verkehrsdezernenten wird es auch nicht zu laut. Das Gleisbett soll aus Rasen bestehen. Die SPD wird in der Stadtverordnetenversammlung den neuen Plänen wohl zustimmen. „Wer etwas anderes will, muss auch erklären, wie es finanziert werden soll“, erklärt Klaus Oesterling. Der Fraktionsvorsitzende spart allerdings nicht mit Kritik an der früheren schwarz-gelben und der jetzigen schwarz-grünen Koalitionsregierung. Der damalige Baudezernent Franz Zimmermann (FDP) und der amtierende Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) hätten das schon vor zehn Jahren beschlossene Bahnprojekt „nur schleppend vorangetrieben“. Und die Grünen hätten ihre eigenen oberirdischen Vorstellungen auch wieder geändert. Wäre die Stellplatzablöse nicht von der CDU-FDP-Landesregierung abgeschafft worden, hätte Frankfurt Mittel gehabt, um selbst etwas zu bewegen. „Davon profitiert nun die Immobilienbranche, die sich aber darüber beschwert, dass die Bahn nach oben muss.“
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