Die privaten Haushalte in Deutschland verbrauchen etwa soviel Energie wie die Industrie: Jedes vierte Joule wird in den Haushalten genutzt. Fast Dreiviertel dieser Energie nutzen wir, um Wohnungen zu heizen (71 Prozent). Zwar liegt der Energieverbrauch für Raumwärme nach Angaben des Statistischen Bundesamtes etwa zehn Prozent unterhalb des Niveaus von 2005 und sogar 20 Prozent unterhalb des Niveaus des Jahres 2000. Gleichwohl entsteht mit jedem vierten Joule Energie, das „verbraucht“ wird – tatsächlich wird Energie umgewandelt –, eine entsprechende Menge an klimaschädigendem Kohlendioxid. In Frankfurt stoßen die privaten Haushalte nach Angaben des Heidelberger Instituts für Energie- und Umweltforschung (Ifeu) 20 Prozent der gesamten CO2-Emissionen aus. Das kostet Geld, in den vergangenen Jahren sogar immer mehr Geld: Zwischen 2005 und 2008 sind Gas und flüssige Brennstoffe laut zwischen 32 und 43 Prozent teurer geworden. Die Nutzung der Energie, etwa Erdgas, Öl und Kohle, belastet vor allem aber die Umwelt.
Altbauten energetisch zu sanieren, bei Neubauten auf den Passivhausstandard zu setzen und bei Hochhäusern anzustreben, den Energieverbrauch auf weniger als 100 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr zu senken, entlastet deshalb Budgets und Umwelt gleichermaßen. Aber nicht immer ist Geld in der Kasse, um Energieanlagen zu sanieren, zu optimieren oder zu erneuern.
FR und Siemens veranstalten am Mittwoch, 24. November, 18 Uhr, im Foyer der FR in Frankfurt-Sachsenhausen, Karl-Gerold-Platz 1, das „Nachhaltigkeitsforum Frankfurt Rhein-Main“. Einlass nur mit Einladungskarte.
Ex-Außenminister Joschka Fischer wird die Eröffnungsrede halten. Im Anschluss diskutieren Fischer, Hessens stellvertretender Ministerpräsident Jörg-Uwe Hahn, Umweltdezernentin Manuela Rottmann, Siemens-Mitte-Chef Michael Kassner und ein Vertreter des Forschungsinstituts des Wirtschaftsmagazins „Economist“ über Vorschläge, wie Städte das Klima schonen und die Umwelt besser schützen können.
Die FR verlost 25mal zwei Karten für den Abend. Ohne Karten kein Einlass. Wer teilnehmen möchte, schickt bis 11. November eine Mail mit Namen und Anschrift (Betreffzeile: Stichwort Klima) an verlosung@fr-online.de
In der Bundeshauptstadt hat die Berliner Energieagentur deshalb seit Mitte der 90er Jahre das Energiespar-Contracting aufgebaut. Dabei gehen Land und Wohnungsbaugesellschaften Partnerschaften mit Energiedienstleistern ein. Der Clou: Die Auftraggeber müssen kein eigenes Geld in die Hand nehmen und Kredite finanzieren. Die Investition übernimmt der Energiedienstleister, der wiederum den Auftraggebern vertraglich zusichert, einen bestimmten Prozentsatz Energie einzusparen. Das reicht von 19 bis 33 Prozent des ursprünglichen Verbrauchs. Das Geld, das dabei eingespart wird, teilen sich Auftraggeber und Energiedienstleister. Die Energieagentur berät und überwacht, ob der Vertrag eingehalten und die zugesicherte Energie-Einsparung auch erzielt wird.
Modernisierung ohne Kredit
In Berlin sind für 505 Liegenschaften mit knapp 1400 Gebäuden solche Kontrakte abgeschlossen worden. Nach Angaben von Michael Geißler, Geschäftsführer der Energieagentur, sind auf diese Weise 26 Prozent Energiekosten eingespart worden. 3,2 Millionen Euro gibt die Bundeshauptstadt deshalb im Jahr weniger für Energie aus – und erspart der Umwelt eine Belastung von 65.000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr.
„Es gibt zwei große Vorteile beim Contracting“, sagt Energieagentur-Sprecher Volker Gustedt. „Der Auftraggeber, das Land oder eine Kommune, muss keinen Kredit am Kapitalmarkt aufnehmen und der beauftragte Energiedienstleister gibt eine Garantie für die Energieeinsparung.“ Das werde kein Handwerker leisten können, der einen neuen Heizungskessel installiere.
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Auch das Land Hessen hat Energiespar-Kontrakte abgeschlossen, etwa für das Präsidium der Kasseler Bereitschaftspolizei, für die Polizeischule in Wiesbaden und Justizvollzugsanstalten in Darmstadt und Frankfurt. Pro Jahr spart das Land zwischen 43000 und 120000 Euro Energiekosten. In Frankfurt gibt es acht Kontrakte, die garantieren, dass weniger Energie in Gebäuden verbraucht wird. Dazu zählen der Palmengarten und das Altenheim Haus Aja Textor-Goethe in der Hügelstraße. Contracting, sagt Paul Fay vom Frankfurter Energiereferat, lohne vor allem für Altenheime und Krankenhäuser oder für Einheiten, die mindestens den Energieverbrauch eines Zehnfamilienhauses haben. Das Umweltbundesamt hat errechnet, dass sich ein Drittel aller öffentlichen Gebäude für Energiespar-Contracting eignen. Die potenzielle Reduktion von CO2 liegt bei etwa drei Millionen Tonnen im Jahr.
Zu den Dienstleistern im Energiespar-Contracting zählt etwa Siemens, dessen Building Technology Group auch in Berlin aktiv ist. Anfang Februar 2009 war der Gruppe der European Energy Service Award im Bereich „Best Project in Commercial Sector“ verliehen worden. Und Berlin, wo Siemens aktiv ist, gilt längst als Pilgerstätte für Energeinspar-Kontrakter: Ob Schweden, Norwegen oder Tschechien, ob Chile oder Indien: Wer sich über das Contracting informieren will, reist seit Jahren schon nach Berlin.

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