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26. Oktober 2012

Flüchtlinge Hessen: Flüchtlingscamp an der Hauptwache

 Von Marie-Sophie Adeoso
Der Protest der Rechtlosen.

Seit einer Woche harren ein gutes Dutzend Flüchtlinge neben der Katharinenkirche in Frankfurts Mitte aus, um auf das Elend der deutschen Asylpolitik aufmerksam zu machen. Bis zum 11. November wollen sie trotz der Kälte bleiben.

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Auf der Hauptwache steht ein Pavillonzelt, der Herbstwind bläht die offenen Planen auf. Es regnet. Fariba Abolhosseini hüllt sich enger in ihre Wolldecke. Die Kälte kriecht von nassen Pappkartons auf dem Boden die Beine hoch. Warm ist an diesem Freitagmittag nur der Kaffee, den die geduldete Iranerin vom „Bündnis Flüchtlingsstreik“ ausschenkt.

Seit dem Wochenende harren sie und rund 15 weitere Flüchtlinge aus ganz Hessen neben der Katharinenkirche aus, um auf die schwierigen Lebensbedingungen von Asylsuchenden in Deutschland hinzuweisen. „Wir werden jeden Tag mehr“, sagt die 45-Jährige. Organisiert wird ihr Protest von der Internationalen Föderation iranischer Flüchtlinge, weitere Unterstützung kommt etwa von der Piratenpartei, der Grünen Jugend und der Linken.

"Ich schäme mich"

„Viele Leute wissen überhaupt nicht, wie Flüchtlinge hier leben“, sagt Shahnaz Morattab, Vorsitzende der Föderation. Bislang werde der Protest nur von Iranern getragen, Flüchtlinge anderer Nationalitäten seien aber willkommen, sich anzuschließen. „Es ist egal, wo die Leute her sind. Wir reden über Asylpolitik in Deutschland und über Menschenrechte – das geht alle etwas an.“ So fordere das Bündnis etwa die schnellere Bearbeitung von Asylanträgen, Arbeitserlaubnisse und Sprachkurse für Flüchtlinge sowie eine Aufhebung der Residenzpflicht, die Asylsuchenden das Verlassen des Zuständigkeitsbereichs ihrer Ausländerbehörde verbietet

Fariba Abolhosseini etwa floh mit ihren heute 11- und 13-jährigen Töchtern bereits vor neun Jahren nach Deutschland, doch der Asylantrag der Familie wurde zweimal abgelehnt – nun ist sie geduldet, die Abschiebung ist also nur vorübergehend ausgesetzt. „Ich schäme mich, meinen Klassenkameraden zu erzählen, dass meine Mutter nicht arbeitet“, erzählt ihre ältere Tochter Sogand Asgary. Und wenn ihre Klasse im kommenden Jahr nach England fahre, müsse sie alleine in Friedberg zurückbleiben – wegen der Residenzpflicht darf die Familie den Wetteraukreis nicht verlassen, schon mit dem Protest in Frankfurt riskieren Abolhosseini und ihre Töchter ein Bußgeld.

Jeden Tag Angst

Die Aussicht auf einen sicheren Aufenthaltsstatus als politisch anerkannter Flüchtling aber sei ihr das Risiko wert, sagt Abolhosseini. „Jeden Tag haben wir Angst, dass die Polizei kommt und uns abschiebt“, beschreibt sie den unsicheren Duldungsstatus. Im Iran aber drohe ihr Verfolgung

Bis zum 11. November hat die Stadt die Kundgebung der Flüchtlinge genehmigt, nicht jedoch ein richtiges Zelt für die kalten Herbstnächte, der offene Pavillon sei als Ausnahme gestattet, sagt Abolhosseini. „Ein Zelt ist kein Versammlungsmittel und grundrechtlich nicht geschützt“, bestätigt ein Sprecher des Ordnungsamts das Verbot.

„Wir dürfen auch nicht in Schlafsäcken auf dem Boden schlafen“, ergänzt Abolhosseini. In den vergangenen Nächten hätten deshalb stets drei, vier Flüchtlinge auf den Campingstühlen ausgeharrt, während die anderen bei solidarischen Frankfurtern übernachteten. Doch egal, wie kalt es werde: „Wir bleiben hier.“

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