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Flughafen Frankfurt: Verlängerung des Streiks bis Freitagabend

Streik, was nun? Service-Personal hilft Fluggästen.
Streik, was nun? Service-Personal hilft Fluggästen.
Foto: Andreas Arnold

Am Flughafen Frankfurt kann der größte Teil der Maschinen trotz Streiks starten und landen. Nach 200 gestrichenen Flügen am Montag muss Lufthansa am Dienstag 160 Flüge annullieren. Die Gewerkschaft GdF will bis Freitagabend streiken.

Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) setzt im festgefahrenen Tarifstreit mit dem Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport weiter auf Eskalation. In der Nacht zum Dienstag verlängerte die Gewerkschaft den Streik der knapp 200 Vorfeldbeschäftigten an Deutschlands größtem Flughafen bis Freitag um 23 Uhr.

Auch am dritten Streiktag, dem Montag, blieb das Chaos aus. Zwar wurden am Frankfurter Flughafen mehr als 230 Flüge annulliert; dennoch lief der Betrieb am Montag sowohl in den Terminals als auch auf dem Fernbahnhof am Airport sehr geordnet ab.

Das Zusammenspiel der Logistik-Konzerne Fraport, Lufthansa und Deutsche Bahn klappt nahezu reibungslos. Und die funktioniert folgendermaßen: Fraport besetzt die bestreikten Arbeitsplätze mit eigenen Leuten und garantiert so, dass der größte Teil der Maschinen trotz Streiks starten und landen kann.

Lufthansa packt die Flieger voll, die rausgehen und streicht die Flüge, deren Zielorte auch mit anderen Verkehrsmitteln zu erreichen sind. Die Bahn wiederum stockt ihre Kapazitäten so weit es geht auf und übernimmt die Passagiere, die auf den Zug umsteigen können und wollen.

Streik am Frankfurter Flughafen

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Ausfälle kosten viel Geld

Der Streik soll bis Mittwochmorgen 5 Uhr andauern.
Der Streik soll bis Mittwochmorgen 5 Uhr andauern.
Foto: dpa

Bisher sei kein Zug wegen des Streiks überfüllt gewesen, sagte ein Sprecher der Bahn am Montag. Und das obwohl keine zusätzlichen Verbindungen eingerichtet worden seien. Nur im Bedarfsfall würden Wagen angehängt, um die Zahl der Plätze zu erhöhen, sagte der Sprecher. Doch bisher sei auch das in großem Maß nicht nötig gewesen. Besonders gefragt waren beispielsweise die Strecken von Frankfurt nach Hamburg und München. Doch selbst im Reisezentrum am Frankfurter Flughafen stünden nur wenig mehr Kunden als an normalen Tagen, sagte der Bahn-Sprecher.

Bahn, Lufthansa und Airberlin haben mit Blick auf den Streik eine Kooperation geschlossen. Danach können Passagiere bei Flugausfällen oder verpassten Anschlussflügen sich Gutscheine für ihre Tickets ausstellen lassen und so schneller auf den Zug umsteigen. Bequem für die Fahrgäste: Sie müssen ihren Flugschein nicht erst am Bahn-Schalter umtauschen oder gar ein neues Ticket kaufen und sich den Betrag rückerstatten lassen.

Tarifkonflikt am Frankfurter Flughafen
Wie stehen die Chancen auf eine schnelle Einigung?

Wenn man am Freitag mit beiden Parteien spricht, ist herauszuhören, dass die Chancen auf eine schnelle Einigung denkbar schlecht stehen. Die GdF droht mit immer schärferen Streikmaßnahmen, während die Betreiberin Fraport nur auf der Grundlage ihres letzten Angebots weiterverhandeln will. Wie dieses aussieht, sagt Fraport nicht. Laut Fraport fordert die GdF zwischen 64 und 73 Prozent mehr Geld für die Vorfeldmitarbeiter. Hinter den Kulissen sammelt die Betreiberin weiter kräftig Arbeitskräfte, die auch in den kommenden Tagen die Aufgaben der Streikenden übernehmen könnten.

Der Umtausch des Flug- in ein Bahnticket ist kostenlos und auch per Internet möglich. Viele Passagiere, deren Flüge gestrichen wurden, müssen also gar nicht erst zum Frankfurter Flughafen fahren; sie können direkt von ihrem Bahnhof in der Heimat aus starten. Schon das hält eine große Zahl von Menschen von den Terminals fern.

Zwar hat der Flughafenbetreiber Fraport vorsorglich rund 500 Feldbetten in den Hallen aufgestellt. Doch anders als vor zwei Jahren, als Vulkanasche aus Island den gesamten Betrieb in Frankfurt lahmlegte, hat bisher noch kein Gestrandeter dort nächtigen müssen. Vorbereitet haben sich auch die Restaurants in den Terminals – sie haben zum Teil das Personal aufgestockt.
Frankfurt ist mit 1300 Starts und Landungen am Tag der zweitgrößte Flughafen in Europa nach London-Heathrow.

Größter Kunde von Fraport ist Lufthansa; die Linie mit dem Kranich im Logo hat rund 300 Verbindungen täglich von und nach Frankfurt im Plan. Im aktuellen Tarifstreit hat Lufthansa schnell reagiert – und frühzeitig Flüge gestrichen. Das erspart den Kunden quälende

Ungewissheit und lange Wartezeit.

Am Dienstag will die größte deutsche Fluggesellschaft 160 Starts und Landungen in Frankfurt streichen; am Montag waren rund 200 Flüge annulliert worden. Auch die schnelle Information der Passagiere durch die Fluggesellschaften habe die Lage vor Ort entschärft, lobt ein Fraport-Sprecher.
Viele Airlines unterrichten Kunden, die bei der Buchung ihre Mobilnummer angeben, über Änderungen im Flugplan. Seit Streikbeginn am Donnerstag bis Montagmittag habe Lufthansa mehr als 38.000 Kurznachrichten über die Lage vor Ort auf Handys von Passagieren versendet, sagte ein Sprecherin. Damit hätten diese Zeit gewonnen, um sich Reisealternativen zu suchen.

Auch wenn das Chaos bisher ausgeblieben ist – die Ausfälle kosten Fluggesellschaften und Fraport viel Geld. Experten schätzen, dass Lufthansa durch den Streik am Donnerstag und Freitag zusammen 40 Millionen Euro Umsatz verloren hat. Bei Fraport schätzt man die Einbußen für beide Tage auf vier Millionen Euro. Das tut weh. Doch Fraport und Lufthansa ist es gelungen, 70 Prozent der geplanten Flüge durchzuführen. Und das dürfte den Streikenden wehtun. (mit dapd)

Autor:  Peter Dietz
Datum:  20 | 2 | 2012
Kommentare:  2
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