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05. Dezember 2011

Fluglärm: Frankfurter Ortsbeirat will Aus für neue Landebahn

 Von Brendan Berk
Der Ortsbeirat 5 fordert die Stilllegung der neuen Landebahn.  Foto: dapd

Wütend und verzweifelt sind die Bürger in den vom Fluglärm betroffenen Frankfurter Stadtteilen. Der Ortsbeirat 5 im Süden der Stadt fordert nun als erstes Frankfurter Parlament das, was die lärmgeplagten Bürger verlangen: Die Stilllegung der neuen Landebahn.

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Schallschutz

Teile von Niederrad und Sachsenhausen liegen in der so genannten Tag-Schutzzone 1. Haus- und Grundstückseigentümer haben dort Anspruch auf Erstattung von Kosten für Schallschutzfenster und andere „bauliche Schallschutzmaßnahmen“. Finanzielle Entschädigung gibt es für Beeinträchtigung im Außenwohnbereich.

In der Nacht-Schutzzone liegen Teile von Schwanheim, Niederrad, Sachsenhausen und Oberrad. Hier besteht Anspruch auf Erstattung von Kosten „für bauliche Schallschutzmaßnahmen“ im Schlafbereich. Die Obergrenze für Entschädigungen liegt bei 150 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche.
Anträge auf Entschädigung müssen beim RP Darmstadt gestellt werden. Telefonhotline 06151/123100 oder unter www.rp-darmstadt.hessen.de

Zum Schluss tat der Ortsbeirat 5, was die vom Fluglärm geplagten Menschen im Frankfurter Süden von ihm forderten. Er setzte Zeichen. Mit großer Mehrheit verabschiedete das Stadtteilparlament am Freitagabend den gemeinsamen Antrag von SPD und Flughafenausbaugegnern (FAG), die vor rund sechs Wochen in Betrieb genommene neue Landebahn am Frankfurter Flughafen sofort stillzulegen. Der Antrag von CDU und Grünen, die Mittel für den passiven Schallschutz zu verdoppeln und ein dauerhaftes Nachtflugverbot von 22 Uhr bis sechs Uhr einzurichten, fand ebenfalls eine Mehrheit. Zuvor hatten die Bürger im überfüllten Saalbau in Oberrad zwei Stunden lang ihrer Wut und ihrer Verzweiflung über den „Lärmterror“ Ausdruck verliehen.

Eigentlich stand ein Vortrag des Umweltamts und des Regierungspräsidiums Darmstadt über Entschädigungen für Fluglärmbelastungen auf dem Programm. Die Ausführungen der Behördenvertreter wurden immer wieder von den wütenden Zwischenrufen der über 100 Besucher unterbrochen. Wie man sich vom Flughafenbetreiber Fraport passive Schallschutzmaßnahmen bezahlen lässt, interessierte die Menschen nicht. „Das ist ein Witz, aufhören, aufhören, buh“, tönte es von allen Seiten.

Die Bürger wollten dem Ortsbeirat lieber aus erster Hand schildern, wie es ist, wenn der Traum vom ruhigen Eigenheim im Frankfurter Süden platzt, und man stattdessen Fenster und Türen geschlossen halten muss und den Gartenteich voller abgelassenem Flugbenzin hat. Man fühle sich, „wie ein Tier, das aus der Luft angegriffen wird und nicht weiß, was es tun soll“, sagte ein Niederräder. „Wir nehmen alle an einem Experiment zu Lasten unserer Gesundheit teil – einige von uns werden früher sterben“, meinte ein Arzt aus Sachsenhausen.

Viel Kritik an den Grünen

Von ihren gewählten Vertretern fühlen sich die Menschen im Stich gelassen. Insbesondere die Grünen mussten viel Kritik einstecken. Die Partei habe das Thema Flughafenausbau „wie eine heiße Kartoffel fallen gelassen, um in Frankfurt an der Macht zu bleiben“, schimpften die Bürger. Die CDU im Ortsbeirat 5 wiederum habe alle kritischen Anträge zum Thema Flughafenausbau platzen lassen, und auch die SPD sei „im Grundsatz für den Ausbau“ gewesen, kritisierte die Sprecherin einer Bürgerinitiative. Es sei nun an der Zeit, für einen „parteiübergreifenden Aufruf zur Stilllegung der Bahn.“

Manuela Rottmann (Grüne), war ebenfalls zur Ortsbeiratssitzung gekommen. Ein vom Ortsbeirat 5 verabschiedeter Stilllegungsantrag bringe nichts, mahnte die Frankfurter Umweltdezernentin während der Diskussion. Man werde sich dadurch „für einen Abend wohlfühlen aber am nächsten Morgen ist alles beim alten.“ Uwe Schulz stimmte als einziger gegen den Antrag. Die Mehrheit im Saal sei nicht die Mehrheit der Bevölkerung, argumentierte der FDP-Politiker. Der Flughafenausbau erfahre in der Gesamtbevölkerung breite Zustimmung. Kai-Sören Kehrmann von den Freien Wählern enthielt sich bei der Abstimmung. „Es leben viele Menschen vom Flughafen“, gab er zu bedenken. Viele der aufgebrachten Bürger pilgern heute zum Flughafen: Montags-Demo.

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