kalaydo.de Anzeigen

Frankfurt
Berichte und Bilder von allen wichtigen Ereignissen in Frankfurt

29. März 2012

FR-Forum Soziale Stadt: "Mieten steigen unglaublich"

 Von Claudia Michels und Ursula Rüssmann
Sabine Drescher-Dietrich und Wilhelm Guth (rechts) berichten vom Strukturwandel im Ostend, FR-Redakteur Claus-Jürgen Göpfert (links) moderiert. Foto: Andreas Arnold (2)

In vielen Frankfurter Stadtteilen werden die angestammten Bewohner verdrängt. Beispielhaft ist das zurzeit im Ostend zu sehen. Experten diskutieren im FR-Forum über die Gefahr einer sozialen Spaltung in der Stadt.

Drucken per Mail

In vielen Frankfurter Stadtteilen werden die angestammten Bewohner verdrängt. Beispielhaft ist das zurzeit im Ostend zu sehen. Experten diskutieren im FR-Forum über die Gefahr einer sozialen Spaltung in der Stadt.

Frankfurt ist auf dem besten Weg nach Paris, sagt der Berliner Stadtsoziologe Andrej Holm. Und er meint leider nicht das schillernde Paris, nicht die Hauptstadt des „Savoir vivre“. Nein, Holm zeigt am Mittwochabend im proppevollen FR-Depot auf, wie die Mainmetropole Gefahr läuft, es der europäischen Hauptstadt der sozialen Spaltung und der ghettoisierten Vorstädte nachzutun. Beim gemeinsamen Forum „Frankfurt – Soziale Stadt“ der FR und der Sozialpolitischen Offensive Frankfurt (SPO) blättert der Urbanitätsforscher der Humboldt-Universität auf, wie es dazu kommen kann. Er hat in die Sozialberichte der Stadt geschaut und bringt sie mit seinen Forschungen in anderen Städten zusammen.

Frankfurt fehlen mindestens 7000 Wohnungen, so Holm: Zwischen 2003 und 2010 sei die Zahl der Haushalte von 354.000 auf 371.000 gestiegen, die Zahl der Wohnungen aber nur von 347.000 auf 363.000. Er wirft ein Schaubild an die Wand, das plastisch vor Augen führt, wo die meisten Arbeitslosen wohnen: An den Rändern der Stadt, im Osten und Westen vor allem. Und weil innerhalb Frankfurts zugleich unglaublich viele Menschen umziehen und die Neuvermietung jeweils ein bis vier Euro teurer ausfällt, „haben Sie hier unglaublich dynamische Steigerungen bei den Mieten“. Das Gallus zum Beispiel ist betroffen von dieser Umzugsdynamik.

Für die Stadtpolitik und den Zusammenhalt in der Stadt wirft das brisante Fragen auf, sagt Holm: „Wo sparen die Menschen, um der hohen Miete willen? Beim Essen? Bei der Bildung ihrer Kinder?“ Es gehe bei Mieten und Wohnen eben nicht nur um ein Dach über dem Kopf, sondern darum, wie die Chancen in der Stadt gerecht verteilt werden, wie die Menschen fertig werden können mit Umbrüchen im Stadtteil.

Viele neue Cafés, aber kein guter Metzger

Im Frankfurter Ostend zum Beispiel, das vom Neubau der EZB neben der alten Großmarkthalle jeden Tag höher überragt wird. Die rasanten Veränderungen in dem alten Industriestadtteil bilden den Schwerpunkt des Abends. Etwa die Sonnemannstraße, meint die Pfarrerin Sabine Drescher-Dietrich der Nikolai-Gemeinde am Zoo, „kennt man kaum wieder, lauter neue Cafés“. „Ist doch toll“, reagiert Moderator und FR-Redakteur Claus-Jürgen Göpfert.

„Schon“, sagt die Pfarrerin, „aber einen guten Metzger erreiche ich im Ostend jetzt nicht mehr“. Dafür haben sie „einen Scheck-in-Markt hingebaut“. Wo, stellt sie in den Raum, „sind die ganzen Leute hin“, die einmal in der Ostendstraße wohnten, die „sich zum Nobelviertel entwickelt hat“? Ost-end-Bezirksvorsteher Wilhelm Guth will in der Entwicklung weit hinter den Bau der EZB-Türme zurück gehen; schon mit dem von der Stadt geförderten Zuzug der Agenturen und Kreativen habe es mit der Umwälzung angefangen. Die Großmarkthalle sei „über Jahrzehnte verelendet“, dann gab es „kein Verwendungskonzept mehr“. Für die Leute, die wegziehen mussten, meint Guth, gebe es nur eine Chance auf Wiederkehr: Wenn es gelinge, den Deckel über der Autobahn zu bauen und obendrauf Wohnraum zu schaffen.

Die Ostendler, die von der Teuerung verdrängt werden, ziehen nicht selten nach Fechenheim – da ist sie, die soziale Spaltung, vor der auch Andrej Holm gewarnt hat. Und sie meint nicht nur das Wohnen im Abseits, fern vom urbanen Zentrum mit seinen vielen Möglichkeiten und Bildungschancen. Harald Fiedler, Frankfurts DGB-Chef, listet auf, wie sich die Einkommen in verschiedenen Stadtteilen zwischen 2005 und 2009 entwickelt haben: Sechs Prozent weniger in Fechenheim, gar zehn Prozent Minus in Griesheim, dagegen plus vier Prozent im Ostend, plus sechs Prozent in Bockenheim. „Fechenheimer und Griesheimer“, bringt es ein Zuhörer auf den Punkt, „zahlen die höchsten Mieten im Vergleich zum Verdienst.“ Die Armut, sie wächst am Rand der Stadt.

Jetzt kommentieren

Übersicht

Wir informieren Sie aus der ganzen Region. Nachrichten aus Ihrer Stadt können Sie als Newsfeed abonnieren - klicken Sie dazu bitte auf das orange Symbol.

Übersichtsseite Frankfurt/Rhein-Main

Frankfurt

Rhein-Main

Bad Homburg, Hochtaunus

Bad Vilbel, Wetterau

Darmstadt

Kreis Groß Gerau

Hanau, Main-Kinzig

Main-Taunus

Mainz

Offenbach

Kreis Offenbach

Wiesbaden

Radfahren in Frankfurt
Radserie Stadtrad

Radfahren in Frankfurt: Wir machen die Bestandsaufnahme. Wo sind die Gefahrenstellen? Was muss besser werden? Auch Ihre Erfahrungen sind gefragt. Dazu gibt's Tipps für die Fahrradreparatur.

Zur Serie: Stadtrad - Radfahren in Frankfurt

Twitter
Fotostrecke
Costa Concordia

Frankfurt und Offenbach leuchten - im Rahmen der Luminale gab es 182 beeindruckende Lichtkunst-Projekte zu sehen. Ein Anziehungspunkt in Frankfurt war die neue Osthafenbrücke (Bild). Wir zeigen die schönsten Motive in einer Fotostrecke.

Online-Kataloge
Anzeige
Sprengung des AfE-Turms

Der AfE-Turm am Frankfurter Campus Bockenheim ist Geschichte. Fotos, Videos und Berichte über den großen Knall - und ein Blick auf das, was danach kommt.

Sprengung des AfE-Turms

Videos: Der AfE-Turm fällt - in Zeitlupe

Fotostrecke: Der Trümmerhaufen als Ausflugsziel

Fotostrecke: So fiel der AfE-Turm

Fotostrecke: Das bleibt vom Uni-Turm übrig

Fotostrecke: Ein letzter Rundgang im AfE-Turm

Rückblick: Spektakuläre Sprengungen in Frankfurt

Ausblick: Kulturcampus Bockenheim

Sonderheft

Die Siebziger sind die Frankfurter Jahre. Von hier aus strahlt in die Republik, was das Jahrzehnt bestimmt: das Aufbegehren der Jugend, der Häuserkampf in und ums Westend, die terroristische Bedrohung der RAF - und die Flügelzange der Eintracht mit Grabowski und Hölzenbein.

FR-Geschichte: 70er Jahre in Frankfurt

Unser Sonderheft blickt zurück, dokumentiert Originaltexte und zeigt das Jahrzehnt in Bildern.

Die Zeitung
Glosse
        

Da steht sie auf ihrem Brunnen in der Klappergasse.

Unglaubliche Geschichten aus dem Frankfurter Alltag - notiert von Frau Rauscher.

Spezials
Social Media
In Twitter informieren wir als FRlokal über Frankfurt und Rhein-Main. Folgen Sie uns!
ANZEIGE
- Partner