An jenem Donnerstag klafft eine weiße Lücke in der bunten Deutschland-Karte. Das Zeit-Magazin hat die Flächen der Photovoltaik-Anlagen deutscher Städte zusammengerechnet, Kommunen wie Ingolstadt, Ulm, Freiburg und Regensburg fallen ins Auge. Nur eben nicht Frankfurt: Während die Spitzenreiter auf 125 Watt photovoltaische Leistung pro Einwohner kommen, schafft Frankfurt gerade mal zwölf Watt – und muss sich Kassel geschlagen geben, das es auf 59 Watt pro Einwohner bringt.
Verschläft Frankfurt den Klimaschutz? Was leistet die Stadt beim Schutz der Umwelt? Die FR wird in den nächsten Wochen in Kooperation mit Siemens Deutschland, Region Mitte, versuchen, einen Überblick zu geben. Am Mittwoch, 24. November, präsentieren wir das Ergebnis einer Studie der Economist Intelligence Unit, der Forschungseinrichtung des britischen Wirtschaftsmagazins „Economist“. Die Experten haben sich angeschaut, was Städte unternehmen, um den CO2-Ausstoß zu reduzieren.
Ex-Außenminister Joschka Fischer, Hessens stellvertretender Ministerpräsident Jörg-Uwe Hahn, Frankfurts Umweltdezernentin Manuela Rottmann, ein Vertreter der Economist Intelligence Unit und der Direktor von Siemens Mitte in Frankfurt, Michael Kassner, werden in der FR-Redaktion über Herausforderungen und Chancen des Klimaschutzes diskutieren. Die FR verlost zweimal 25 Eintrittskarten an ihre Leserinnen und Leser für die Veranstaltung.
Photovoltaik, Solarkataster und Plus-Energiehaus-Siedlungen, etwa in Nürnberg, Köln und Offenbach – da mögen andere Städte vorne sein. Dennoch hat Frankfurt beim Thema Klimaschutz manches zu bieten und früh Maßstäbe setzen können. 1985, fünf Jahre vor Gründung des Klima-Bündnisses, hat das Hochbauamt der Stadt eine Stelle für Energiemanagement eingeführt. 1990 ist Frankfurt Mitbegründerin des Klimabündnisses, dem inzwischen mehr als 1500 Städte und Organisationen angehören.
Die Selbstverpflichtung, die CO2-Emissionen alle fünf Jahre um zehn Prozent zu reduzieren, hat Frankfurt – trotz vieler Initiativen und Modernisierungen – bislang nicht erfüllen können. 1995 sind in der Stadt nach Angaben des Ifeu-Institutes in Heidelberg rund 8,6 Millionen Tonnen des klimaschädigenden Gases entstanden. Zehn Jahre später waren es 8,32 Millionen Tonnen. Damit kommen auf jeden Einwohner der Stadt 12,8 Tonnen Kohlendioxid im Jahr.
Dass das Ziel – gemessen an der Zahl – verfehlt worden ist, hat vor allem mit der stark wachsenden Stadt zu tun. Die Zahl der Einwohner hat sich von 621.000 auf heute 670.000 Personen erhöht, die der Haushalte von 330.000 auf mehr als 370.000. Zugleich ist die Zahl der Einwohner pro Haushalt von 1,88 auf gut 1,7 zurückgegangen. Das belastet die CO2-Bilanz. Dabei haben nach Sektoren Industrie und Gewerbe mit 35 und 25 Prozent die größten Anteile am CO2-Ausstoß, private Haushalte und Verkehr steuern je 20 Prozent bei.
Dennoch verbucht die Stadt Erfolge beim Klimaschutz: Öffentliche Gebäude wie Schulen werden in Passivhausstand gebaut und brauchen maximal 35 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr (kWh/m2a), manche privaten Passivhäuser erreichen 15 kWh/m2a. Der Verbrauch in privaten Bürogebäuden konnte durch moderne Technik von häufig deutlich mehr als 1000 kWh/m2a auf teilweise 100 bis 150 kWh/m2a verringert werden. Die Mainova als Energielieferant der Stadt setzt zunehmend auf Erneuerbare Energien – der Anteil liegt 27 Prozent im Strommix –, auf Kraft-Wärme-Kopplung und auf hocheffiziente Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerke. Das alles reduziert den CO2-Ausstoß.
Der Kampf gegen das Klima wird in den Städten entschieden: „Städte bedecken nur ein Prozent der Erde, verschlingen aber 75 Prozent der eingesetzten Energie“, sagt Michael Kassner, Leiter Siemens-Mitte. „Ein Ende des Trends ist nicht in Sicht.“
Die FR verlost zwei Mal 25 Karten für die interne Diskussion. Einsendungen (mit Name, Anschrift, Telefonnummer, Stichwort „Klima“) bis Montag, 1. November 2010, an verlosung@fr-online.de

Die Stadt und Region auf einen Blick: unsere neue Übersichtsseite für Frankfurt und Rhein-Main - das Pflicht-Lesezeichen für alle Hessen.
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